Sport : „Wir bleiben in der Liga“

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser über den Umgang mit der sportlichen Krise

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Herr Holzhäuser, die Außendarstellung Bayer Leverkusens ist zuletzt als babylonische Sprachverwirrung aufgenommen worden.

In Erfolgszeiten ist das, was Sie als babylonische Sprachverwirrung bezeichnen, von allen Seiten gelobt worden. Nun, da wir einen Absturz erleben, der seinesgleichen sucht, wird alles, was vorher gut war, als katastrophal angesehen. Die Wahrheit liegt in der Mitte. Ein Beispiel: Ich habe bei Anfragen von Journalisten immer gesagt: Für das Sportliche ist Reiner Calmund zuständig. Dann lese ich eines Morgens in einem Boulevardblatt: Holzhäuser zeigt sich ratlos und sprachlos.

Gibt es eine Art Krisenmanagement? Trifft sich die Geschäftsführung in dieser Situation häufiger, oder wird der BayerSportbeauftragte Meinolf Sprink hinzugezogen?

Um das klarzustellen: Sprink ist nicht Teil des operativen Teams, sondern Mittler zwischen der Bayer AG und uns; er mischt sich nicht ein, und wir hören trotzdem auf seinen Rat. Mit ihm treffen wir uns aber auch jetzt nicht mehr oder weniger als vorher. Auch mit Calmund treffe ich mich so oft wie sonst auch, jeden Tag. Nur die Inhalte der Gespräche sind halt anders. Während wir uns letztes Jahr darüber Gedanken gemacht haben, wie wir unsere Fans nach Berlin oder nach Glasgow schaffen, müssen wir uns heute darüber Gedanken machen, wie wir einen möglichen Absturz in die Zweite Liga finanzieren oder sportlich bewältigen.

Haben Sie denn schon einmal den „worst case“ Abstieg komplett durchgespielt?

Reiner Calmund hat natürlich mit seinen Leuten die Kaderplanung durchgespielt. Über Details rede ich aber nicht öffentlich.

Gab es da auch schon konkrete Gespräche mit Spielern, deren Verträge im Fall des Abstiegs auslaufen?

Ja. Aber eines ist in jedem Fall klar – ob oben oder unten – die Zeiten der großen Investitionen sind auch in Leverkusen vorerst zu Ende. Es gilt, die Investition aus der Vergangenheit zu verdienen.

Bayer Leverkusens Kapitän Carsten Ramelow hat nach der Partie in Mönchengladbach erneut Ruhe eingefordert, auch für den Vorstand …

Ramelow meint, dass man die Diskussion um den Trainer endlich beenden müsse. Da teile ich seine Auffassung, Wir müssen jetzt die Kontinuität nach außen wahren. Für uns war klar, dass Thomas Hörster bis 30. Juni der Trainer der Lizenzspieler-Abteilung bleibt, und dass er dann zurück in die Jugendarbeit zur U 19 geht. Das war bekannt. Kann sein, dass das an Ramelow vorbeigegangen ist. Aber das ist auch nicht sein Job. Er soll dafür sorgen, dass er auf dem Spielfeld Leistung bringt. Das tut er ja auch. Dass wir in dem einen oder anderen Fall der Öffentlichkeit Breitseite für Kritik geboten haben, das ist richtig. Aber Ramelow sollte nicht den Eindruck erwecken, als ob die unbefriedigende Leistung der Mannschaft auf Unruhe im Umfeld zurückzuführen wäre.

Sie haben vor zwei Jahren eine Versicherung abgeschlossen, die Ihnen im Abstiegsfall eine Prämie von sieben Millionen Euro garantiert.

Ich habe nur getan, was ein guter Kaufmann immer tut: zu einem relativ frühen Zeitpunkt darüber nachzudenken, wie ich wirtschaftliche Risiken aufgrund von zurückgehenden Erträgen versichern kann. Das habe ich getan, als noch keiner über einen möglichen Abstieg nachgedacht hat.

Was war seinerzeit der Anlass?

Der Neuabschluss des Vertrages mit RWE. Unsere Überlegung war: Wie können wir uns absichern für den Fall, dass wir vereinbarte Leistungen im Sponsorenvertrag nicht hundertprozentig erfüllen können.

Die Prämie ist also eine Kompensation von Mindereinnahmen aus dem Werbevertrag?

Das ist doch ein völlig normaler Vorgang. Wenn ein Werbepartner sagt: Pass mal auf, wenn ich auf einmal nicht mehr die Reichweite im Fernsehen habe, die Grundlage unseres Vertrages war, dann wird er sagen: Dann will ich aussteigen. Da haben wir uns abgesichert. Das betrifft auch zwei andere Verträge.

Kann das einen Abstieg aufwiegen?

Nein, der immaterielle Verlust ist mittelfristig ein viel größerer Schaden. Aber noch mal: Wir gehen immer noch davon aus, dass wir in der Liga bleiben.

Das Gespräch führte Erik Eggers.

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