Sport : „Wir brauchen jetzt Spaß und gute Laune“

Die deutschen Handballerinnen spielen bei der EM um Bronze – Regisseurin Nina Wörz dazu im Interview

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Mit sehr guten Spielen hatten die deutschen Handballerinnen bei der EM in Schweden das Halbfinale erreicht. Als es gestern in Stockholm um den Finaleinzug ging, unterlag der WM-Sechste gegen Weltmeister Russland mit 29:33 (13:16). Nach einem 7:7 (18. Minute) verloren sie im Angriff die Konzentration und vergaben zu viele Chancen. So kamen die Russinnen leicht zu Ballgewinnen und die Schützlinge von Bundestrainer Armin Emrich gerieten mit 7:10 (22.) ins Hintertreffen. Mit Leidenschaft kämpften sie sich bis zum 13:14 wieder heran.

In der zweiten Halbzeit blieben die Deutschen sechs Minuten ohne Torerfolg (15:22), ließen sich später aber selbst von einem 19:27-Rückstand nicht schocken. Doch ihre furiose Aufholjagd danach war nicht von Erfolg gekrönt. Im Spiel um Platz drei treffen die Deutschen um Regisseurin Nina Wörz nunmehr auf Frankreich. Der Weltmeister von 2003 unterlag im zweiten Semifinale dem Titelverteidiger Norwegen mit 24:28 (12:15).

Frau Wörz, Sie wirken nach der Niederlage gegen Russland sehr traurig, haben Sie so fest an einen Sieg geglaubt?

Ja, und wir hätten es auch schaffen können. Bis zur Halbzeit lief es doch gut.

Und dann?

Danach ließen wir einfach zu viele hundertprozentige Chancen aus. Ich kann mir das nicht erklären, denn selbstbewusst waren wir genug.

Welche Schwächen hatten Sie vorher beim Favoriten ausgemacht?

Dass die Russinenn schwach im Zurücklaufen sind. Mit schnellen Kontern wollten wir das für uns ausnutzen.

Wie es ja in der Schlussphase auch super klappte , als Sie einmal nur noch zwei Tore zurücklagen.

Genau so, aber es reichte nicht mehr.

Gehörten Sie zu den deutschen Spielerinnen, die in der Kabine erst einmal weinten?

Ja, die Enttäuschung war zu groß.

Wie können Sie dennoch den Hebel umlegen, um bereits am Sonntag gegen Frankreich wieder voll konzentriert zu sein?

Da hilft uns vielleicht auch Berta.

Berta?

Das ist ein Stoffhuhn in den Farben schwarz, rot und gold, das jedesmal für die Fehlleistung des Tages vergeben wird. Die Übergabe ist immer lustig, und Spaß und gute Laune brauchen wir jetzt.

Die hatten Sie bei dieser EM bis zum Samstag, die Deutschen haben das Niveau wesentlich mitbestimmt.

Das hat man uns bescheinigt. Die EM weist insgesamt ein sehr hohes Niveau auf, wobei von den Spitzenteams keines übermäßig herausragt.

Im negativen Sinne schon, denn die einst überragenden Däninnen gehören nicht mehr zur Spitze. Fühlen Sie mit der Mannschaft, sie spielen schließlich in Randers?

Natürlich, aber diese Mannschaft ist im Neuaufbau mit einem neuen Trainer. Das braucht seine Zeit, die Euphorie für Frauenhandball in Dänemark bleibt dennoch ungebrochen.

Was sagen Sie zum mangelnden Zuschauerinteresse bei der EM in Schweden?

Das ist furchtbar. Wären nicht so viele norwegische Fans hier, dann würden wir hier einen Totentanz erleben.

Das dürften Sie aber schnell vergessen, wenn es noch mit Bronze klappt, oder?

Ja, ich habe noch nie eine internationale Medaille gewonnen. Vor der EM haben wir Frankreich einmal besiegt.

Was würde eine Medaille generell für den deutschen Handball bedeuten?

Es wäre eine Supereinstimmung auf die Männer-WM im Januar bei uns in Deutschland. Das wäre zu schön.

Die Fragen stellte Hartmut Moheit.

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