Sport : Wir brauchen mehr Blut!

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Jetzt geht das alte Lied von vorne los. Kaum stand das erste Länderspiel nach der EM an, mussten sich die Mi-  grationshintergründler im Nationalteam erneut verteidigen, weil nicht alle vor Spielbeginn die Hymne mitsingen. Politiker von CDU und CSU sowie der frühere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sehen die Profis in der Singschuld.

Warum eigentlich? Im EM-Halbfinale spielten die Deutschen so ehrfürchtig und langsam, als hätten sie die eigene Hymne noch im Ohr. Die Italiener waren zackig und schwungvoll, als trieben sie die Fanfarenstöße aus „Fratelli d’Italia“ nach vorne.

Seien wir ehrlich: Wir haben einfach keine Siegerhymne. „Einigkeit und Recht und Freiheit, ..., danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand“ klingt arg streberhaft und herzlich abgegriffen. Das schockt niemanden mehr.

Es geht auch anders. „Wir sind bereit zum Tod, Italien hat gerufen!“, singen Gianluigi Buffon und Kameraden inbrünstig. Sami Khedira („Das Blut schreit in unsern Adern, wir sterben, wir sterben, es lebe unser Vaterland!“; tunesische Nationalhymne) und Mesut Özil („dem Heldenvolk, das dir sein Blut geweiht“; türkische Hymne) hatten zu Hause ganz anderes Liedgut zum Vergleich. Kein Wunder, dass ihnen die deutsche Hymne irgendwie blutleer vorkommen mag. Hansi Flick hatte einen Vorstoß gewagt, aber „Stahlhelm auf und groß machen!“ passte doch nicht ganz zu Melodie und Historie.

Hier ein Kompromissvorschlag: Statt der aktuell verwendeten dritten Strophe des Deutschlandliedes oder der historisch belasteten ersten könnte man sich auf die zweite Strophe einigen, die ohnehin die schönste ist: „Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang!“ Das trieft zwar mehr vor Alkohol als vor Blut. Aber man kann dazu gut feiern und singen, auch nach dem Spiel.

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