Sport : „Wir brauchen mehr Jugend“

Kölns Trainer Hans Zach über Berliner Kollegen und das deutsche Eishockey

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Die Kölner Haie sind zurzeit in der Deutschen EishockeyLiga die erfolgreichste Mannschaft. Sie haben mit ihrem Team 13 Punkte in fünf Spielen geholt. Anfangs der Saison lief es nicht so gut. Wo sehen Sie die Gründe für den Aufschwung?

Dafür sind allein Glück und Pech verantwortlich. Wir waren auch anfangs nicht schlechter als jetzt. Nur haben wir Spiele verloren, die wir auch hätten gewinnen können. Dazu zähle ich auch unser Heimspiel gegen die Eisbären, das wir 2:4 verloren haben. Es dauert eben, bis sich ein Team findet und bis das Überzahl- und das Unterzahlspiel funktionieren. Außerdem haben wir in Köln viele Verletzte gehabt. Und dann sind bei uns nicht so viele ältere Spieler im Kader wie bei den Eisbären, die uns in so einer kritischen Situation helfen können.

Aber die Berliner mussten lange auf viele ihrer besten Spieler verzichten. Nun sind sie trotzdem Tabellenführer …

Das stimmt. Aber die Eisbären haben eben mehr erfahrene Profis als wir. Wir sind von den Spitzenmannschaften die unerfahrenste, haben viele Spieler zwischen 18 und 24 Jahren. Favoriten auf den Titel sind für mich die Eisbären und Mannheim, die haben die meiste Erfahrung. Die Berliner und wir sind allerdings die laufstärksten Teams.

Ist es nicht auch eine Tatsache, dass die jungen deutschen Spieler den Eisbären in Zeiten personeller Not geholfen haben?

Die Eisbären haben die größte Anzahl an sehr guten ausländischen Spielern. Die haben den Berlinern in kritischen Situationen geholfen. Da hilft es nicht, wenn man jetzt davon redet, dass die Eisbären eigentlich so viele junge deutsche Spieler im Kader haben. Die Leistungsträger in Berlin waren Anfang der Saison andere und sind es auch jetzt.

Dass ein Kanadier in der DEL von der Förderung deutscher Nationalspieler spricht, ist doch ungewöhnlich. Freut es Sie als Bundestrainer nicht besonders, dass Eisbären-Trainer Pierre Pagé auf die Jugend setzt?

Natürlich, damit sind die Eisbären auf dem richtigen Weg. Das ist vorbildlich und optimal, was der Pierre Pagé in Berlin da mit den jungen Spielern macht. Ich freue mich sehr darüber.

Pierre Pagé ist mit Ihren Nominierungskriterien für den Deutschland-Cup in Hannover nicht einverstanden. Er hätte seinen Spieler Florian Keller gern im Kader für das Turnier im November gesehen.

Florian Keller bekommt wahrscheinlich seine Chance, vermutlich schon beim Suisse-Cup im Februar. Ich muss aber erst mal mit dem Pagé über den Keller reden.

Pagé vergleicht Keller mit dem deutschen Nationalmannschaftskapitän und sagt, Keller könne der nächste Jan Benda werden. Sehen Sie das auch so?

Dieser Vergleich hinkt. Jan Benda spielt seit Jahren international auf hohem Niveau. Florian Keller macht seine Sache bei den Eisbären gut, aber eine WM ist ein sehr großer Unterschied zu einem Ligaspiel. International geht es viel schneller und athletischer zu. Der Florian Keller ist ein großes Talent und ist technisch gut. Aber er braucht mehr Erfahrung, mehr Zweikampfstärke.

Bislang lagen Sie ja mit Ihren Nominierungen für das Nationalteam immer richtig. Sie haben das Team 1998 zu einem Zeitpunkt übernommen, als es schlimm um das deutsche Eishockey stand. Inzwischen spielt die Auswahl wieder bei der A-WM, ist erfolgreich wie lange nicht. Gibt es einen Hauptgrund dafür?

Ich sage sogar: Die Nationalmannschaft steht so gut da wie noch nie. Die Gründe dafür liegen auch in der DEL. Da profitieren die jungen deutschen Spieler inzwischen vom Konkurrenzkampf. Sie müssen auch wegen der Ausländer früh lernen, sich durchzusetzen. Die Auswahl für einen Bundestrainer an jungen deutschen Talenten ist heute größer als früher.

Trotzdem warnen Sie vor zu großem Optimismus, mögen es nicht, wenn vor einer Weltmeisterschaft vom Viertelfinale geredet wird – obwohl Sie das dreimal in Folge erreicht haben.

Ja, ich warne vor zu viel Optimismus, und das völlig zu Recht. Man muss die Realität im deutschen Eishockey betrachten. Ich muss immer noch Verteidiger für die Nationalmannschaft nominieren, die im Verein Ersatz sind. Noch sind wir nicht da, wo zum Beispiel die Schweiz ist. Dort gibt es wesentlich mehr gut ausgebildete junge Spieler als bei uns.

Warum ist dann die Schweiz international zuletzt weniger erfolgreich als die Deutschen?

Das mag vielleicht an der Mentalität der Schweizer liegen. Die deutschen Spieler kämpfen eben mehr. Aber trotzdem, mein Ziel bei der nächsten WM ist wieder der Klassenerhalt. Das ist das A und O. Daran gibt es nichts zu deuteln.

Das Gespräch führte Claus Vetter.

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