Sport : „Wir gehören jetzt zu den Big Playern“

Til Knipper[Dresden]

Offiziell wollte der FC Schalke 04 gestern in Dresden nur seine Zusammenarbeit mit dem russischen Erstligisten Zenit St. Petersburg vorstellen. Aber schon die Hinweisschilder im Dresdner Hotel zeigten an, worum es an diesem Abend wirklich gehen sollte: „Schalke 04 und Gazprom“ stand dort zu lesen.

Schalkes Aufsichtsrats-Vorsitzender Clemens Tönnies, der Vorstandsvorsitzende Gerhard Rehberg und Sergej Fursenko, der Bevollmächtigte von Gazprom-Chef Alexej Miller für die Verhandlungen mit Schalke und gleichzeitig der Präsident von Zenit, unterzeichneten einen Vertrag, wonach das russische Energieunternehmen ab dem 1. Januar 2007 neuer Hauptsponsor des Traditionsklubs aus Gelsenkirchen wird. Das Engagement läuft bis zum 30. Juni 2012.

Die beiden neuen Partner wollten die seit Tagen kursierenden Zahlen gestern nicht direkt bestätigen. Verschiedene Medien hatten berichtet, Gazprom zahle den Gelsenkirchenern für die gesamte Laufzeit des Vertrags eine garantierte Summe von 100 Millionen Euro. Abhängig vom Erfolg könne diese Summe auf 125 Millionen Euro steigen. „Wir haben einen leistungsbezogenen Vertrag geschlossen. Je erfolgreicher wir sind, desto mehr Geld bekommen wir“, sagte Schalkes Geschäftsführer Peter Peters. Finanzvorstand Josef Schnusenberg fügte nicht ohne Stolz hinzu: „Die Zahlungen sind schon ziemlich hoch angesiedelt. Wir gehören jetzt zu den Big Playern in der Liga.“ Meister Bayern München erhält von seinem Trikotsponsor Telekom etwa zwanzig Millionen Euro pro Saison. Schalkes bisheriger Sponsor, die Victoria-Versicherung, zahlte sechs Millionen pro Jahr.

Peters und Schnusenberg beeilten sich aber zu betonen, dass „Gazprom nur Sponsor, nicht Eigentümer von Schalke 04 werden wollte“. Dies sei rechtlich auch gar nicht möglich, weil Schalke eingetragener Verein sei, sagte Schnusenberg. „Wenn einer der Herren von Gazprom bei Schalke Mitglied wird, hat er genau eine von 60 000 Stimmen bei der Mitgliederversammlung.“ Auch eine Beteiligung an der Stadion GmbH habe bei den Verhandlungen nie zur Debatte gestanden. „Sportlich und wirtschaftlich wird es bei Schalke keinen Kurswechsel geben. Wir werden keine Superstars einkaufen und weiter unsere langfristig eingegangenen Verbindlichkeiten tilgen“, sagte Schnusenberg, der die Schulden des Vereins im Juni mit rund 195 Millionen Euro beziffert hatte.

Die drei Vertragsunterzeichner unterrichteten derweil den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der sich anlässlich des „Petersburger Dialogs“ in Dresden aufhielt, über Details der Vereinbarung. Der russische Staat ist mit einem Anteil von 50 Prozent und einer Aktie Mehrheitseigentümer von Gazprom. Den ersten Kontakt zwischen Schalke und den Russen hatte ein Freund Putins hergestellt: der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Schröder, der den Verwaltungsrat der Firma Nord Stream anführt, die die umstrittene Ostseepipeline baut und zu 51 Prozent Gazprom gehört, sei aber ansonsten nicht an den Verhandlungen beteiligt gewesen, sagte Schnusenberg.

Über die Zusammenarbeit mit dem Gazprom-eigenen Klub Zenit St. Petersburg wurde weniger gesprochen. Man wolle Zenit beim Bau des Stadions beraten, in der Jugendarbeit Erfahrungen austauschen und Freundschaftsspiele austragen. Das erste soll im Januar stattfinden. Bis dahin kann Schnusenberg die Gäste vielleicht schon auf Russisch begrüßen. Das lernt er seit gestern. „Ich will schließlich verstehen, was die da immer erzählen.“

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