Sport : Wir haben das Spiel gewonnen

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Stefan Hermanns über einen Sieg,

der eigentlich keiner war

Es ist noch nicht lange her, dass Edmund Stoiber einen Satz für die Ewigkeit gesprochen hat. „Wir haben die Wahl gewonnen“, verkündete der Kanzlerkandidat der CDU/CSU am Abend der Bundestagswahl vor den eigenen Anhängern. Die Realität hat sich dieser Einschätzung dann jedoch nicht ganz anschließen können. Am Mittwochabend in Hannover war ein ähnliches Phänomen zu beobachten. Stoibers Satz wurde dort noch einmal in diversen Formulierungen variiert. „Wir haben das Spiel gewonnen“, lautete in etwa die Botschaft, die nach dem 2:1 gegen die Färöer von allen Beteiligten der deutschen FußballNationalmannschaft verbreitet wurde. Der Frohsinn gründete auf drei Punkten für die Qualifikation zur Europameisterschaft und auf der Tabellenführung bis weit hinein ins kommende Jahr. Als Sieger aber durften sich die deutschen Fußballer ganz sicher nicht fühlen.

Das Spiel gegen die Halbamateure von den Schafs-Inseln war das erste auf deutschem Boden seit der erfolgreichen Weltmeisterschaft in diesem Sommer. Damals hatte die Euphorie im Lande noch ungewohnte Höhen erreicht, und sie hätte für die Spieler ein Ansporn sein sollen. Stattdessen dauerte es ganze 45 Minuten, bis die traditionell intensive Liebe der Deutschen zu ihrer Nationalmannschaft in eine ernste Krise geriet. Die Zuschauer pfiffen, und – noch schlimmer – sie feierten den Außenseiter. Darüber wiederum wunderten sich die Nationalspieler, schließlich hatten sie gewonnen. Bernd Schneider moserte: „Für ein 7:0 hätte es auch nur drei Punkte gegeben.“ Mag ja sein. Nur komisch, dass die Deutschen bei der WM 8:0 gegen Saudi-Arabien gewonnen hatten. Ein 1:0 hätte doch auch gereicht.

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