Sport : „Wir haben ein weltmeisterliches Team“

Sebastian Vettel über seine Chancen in der Formel 1, die Misserfolge zu Saisonbeginn und Duelle mit Michael Schumacher

Sebastian Vettel, 22, fährt seit 2007 in der Formel 1, aktuell für das Team Red Bull. In der vergangenen Saison wurde er Vizeweltmeister, vor zwei Wochen errang er in Malaysia seinen ersten Saisonsieg.Foto: Reuters
Sebastian Vettel, 22, fährt seit 2007 in der Formel 1, aktuell für das Team Red Bull. In der vergangenen Saison wurde er...Foto: REUTERS

Herr Vettel, wie groß war Ihre Erleichterung nach Ihrem ersten Saisonsieg in Malaysia? Zuvor hatten Sie ja mit vielen Pannen zu kämpfen.

Ich war schon sehr erleichtert – wie wir alle. Aber das Geheimnis war, einfach so weiterzumachen wie zuvor. Wir hatten an sich ja ein gutes Rennen in Bahrain, ein gutes Rennen in Australien. Aber wir sind halt einmal nicht und einmal nur mit Mühe angekommen. Aber es gab keinen Grund zur Panik, alle sind ruhig geblieben. Selbst wenn wir in Malaysia nur Zweiter oder Dritter geworden wären, wäre es eine Erleichterung gewesen, allein schon die Zielflagge zu sehen.

Ihr Teamchef Christian Horner hat gesagt, Sie wären von allen im Team am ruhigsten geblieben. Wo nehmen Sie diese Coolness her?

Es sind ja nicht meine ersten Rennen gewesen. Ich habe solche Situationen in der Vergangenheit schon häufiger erlebt, in der Formel 1, aber auch in unteren Klassen, schon im Kart. Man lernt, seine Augen und Ohren offen zu halten und aus seinen Fehlern zu lernen.

Ist Red Bull inzwischen dauerhaft stark genug, um gegen Teams wie McLaren oder Ferrari zu bestehen?

Wir haben kein Team voller Champions. Weder Mark Webber noch ich haben je einen WM-Titel gewonnen. Wir haben also kein Team der Weltmeister – aber wir haben, davon bin ich überzeugt, ein weltmeisterliches Team. Wir haben alles, was man braucht. Aber eine Saison ist lang und es kann viel passieren. Die ersten drei Rennen vorne zu sein, heißt nicht, dass das auch so bleiben muss.

Für alle Experten sind Sie jetzt der klare WM-Favorit.

Im Moment liegen wir, zumindest was die Punkte angeht, gar nicht vorne, also sind ja eigentlich wir es, die aufholen müssen.

Mit Michael Schumacher haben Sie dieses Jahr einen neuen Gegner. Ist das eher eine rein sportliche Herauforderung oder auch eine emotionale Angelegenheit?

Auf der Strecke ist es vor allem eine Herausforderung. Man kümmert sich, während man fährt, nicht wirklich darum, gegen wen man fährt. 2008 bin ich meine erste komplette Saison für Toro Rosso gefahren, und da hatte ich in Hockenheim ein direktes Duell mit Fernando Alonso. Wir haben um Platz sieben oder acht gekämpft, was für mich damals ein sehr gutes Ergebnis war. Es war ein Rad-an-Rad-Kampf, ich habe am Ende gewonnen, und nach dem Rennen habe ich mir dann schon gesagt, ui, das war nicht irgendjemand, den du da besiegt hast, sondern immerhin der zweifache Weltmeister Alonso. Aber das kommt einem immer erst nachher.

Sie haben beste Chancen, der jüngste Weltmeister aller Zeiten zu werden. Was würde Ihnen das bedeuten?

Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden. Vor allem ist das aber auch etwas, was dann vielleicht im Rückblick eine größere Rolle spielt, einmal sagen zu können, man sei der Jüngste gewesen. Jetzt im Moment ist das nicht so wichtig. Wichtig ist, den Titel überhaupt zu gewinnen. Wenn es da nicht klappt, dann eben im nächsten Jahr – und so weiter.

Wie gehen Sie damit um, mit 22 Jahren schon ganz oben zu sein und extrem viel Geld zu verdienen?

Wenn ich mich mit meinen Freunden vergleiche, die meistens Studenten sind, stehe ich natürlich finanziell viel besser da. Aber deswegen sehe ich mich nicht als anderer Mensch. Ich habe etwa das gleiche Alter, mache gern die gleichen Sachen wie sie, vor allem neben der Strecke natürlich. Es ist ein schwieriges Thema, weil viele natürlich sagen werden, wenn man viel Geld hat, dann hat man leicht reden, aber für mich zählt vor allem anderes, auch beim Rennfahren.

Was ist da besonders wertvoll?

Die Emotionen. Wenn man nach einem Sieg in Monza auf dem Podium steht, die jubelnden Menschen sieht, dann bleibt nicht die Siegprämie im Gedächtnis. Es sind vielmehr die Emotionen, die einen überfluten, die Leute, die auf das Podium zustürmen, die Tifosi, die Freude und das Glück in den Augen deines Teams – das ist es, was im Gedächtnis bleibt.

Das Gespräch führte Karin Sturm.

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