Sport : „Wir haben noch Zeit“

Herthas Vorbereitung auf die Fußballsaison verlief bislang wenig glücklich – Manager Hoeneß und Trainer Götz bauen trotzdem auf einen guten Start

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Ein guter Saisonstart würde vieles erleichtern, hatte Falko Götz vor ein paar Wochen gesagt. Und vor ein paar Tagen sagte Herthas Trainer folgenden Satz: „Wir müssen diesmal gut in die Saison kommen.“ Die Wortwahl hat sich nur leicht verändert. Doch in der Zwischenzeit ist viel passiert beim Fußball-Bundesligisten. Die Vorgabe des Trainers ist dieselbe geblieben, sie zu erreichen scheint aber immer schwieriger. Der Satz vom guten Saisonstart klingt inzwischen wie eine Beschwörungsformel. Denn die Vorbereitung auf die für Hertha am 6. August in Hannover beginnende Saison war geprägt von kleineren und größeren Missgeschicken.

Begonnen hatten die Schwierigkeiten pünktlich mit der ersten Übungseinheit der Saison Ende Juni. Zum dritten Mal in Folge fehlte Marcelinho beim Auftakttraining. Doch damit nicht genug. Der Rummel um seine verspätete Rückkehr hatte noch gar nicht aufgehört, da wurden die nächsten Schwierigkeiten öffentlich. Gegen Marcelinho wurde in Brasilien Anzeige erstattet, weil er einen Mann in einer Diskothek verprügelt haben soll. Tagelang berichteten Berlins Boulevardzeitungen über den Fall, oft auf den Titelseiten. Sie fanden immer neue Indizien, die die Schuld des Brasilianers beweisen sollten. Inzwischen hat sich ein Freund Marcelinhos bei der Polizei gemeldet und die Schuld auf sich genommen. Ob Anklage gegen Marcelinho erhoben wird, entscheidet sich aber erst in den nächsten Tagen.

Im Trainingslager im österreichischen Schruns folgte am 15. Juli der aus sportlicher Sicht wohl schwerste Zwischenfall. Nach einem Zusammenprall mit Stürmer Nando Rafael fiel Torwart Christian Fiedler so unglücklich zu Boden, dass er sich einen Kapsel- und Bänderriss im Ellenbogengelenk zuzog. Die ersten drei bis vier Bundesligaspiele wird der 30-Jährige verpassen. Fiedler war in der vergangenen Saison maßgeblich an den erfreulichen Defensivwerten der Berliner beteiligt. Keine Mannschaft kassierte weniger Gegentore als Hertha BSC. „Das ist ein Schock“, sagt Trainer Götz.

Kaum hatte sich der Fußball-Bundesligist davon erholt, folgte vier Tages später das nächste Ärgernis: Der für seine Disziplin und Pünktlichkeit oft gerühmte Brasilianer Gilberto kehrte einfach nicht aus seinem Heimaturlaub zurück. Den Verein über die Gründe für sein Fernbleiben zu informieren, hielt der Brasilianer anscheinend nicht für notwendig. Als der 29-Jährige mit drei Tagen Verspätung dann schließlich in Berlin eintraf, stellte sich heraus, dass Gilberto eine Beerdigung zu organisieren hatte. „Inhaltlich ist das ein Stück weit nachvollziehbar“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß. „Aber die Vorgehensweise war nicht in Ordnung.“ Hertha verhängte eine Geldstrafe gegen den Brasilianer.

Vielleicht können die Berliner dieses Geld noch gut gebrauchen. Denn nun fordert ein gewisser Gabriel Chukwuma nachträglich eine sechsstellige Ablösesumme für Solomon Okoronkwo. Ansonsten wolle er die Spielgenehmigung für den 18-jährigen Stürmer nicht erteilen. Chukwuma ist gleichzeitig Präsident von Okoronkwos ehemaligem Klub Gabros International und Vize-Präsident des nigerianischen Verbandes, der die Spielgenehmigung erteilen muss. Okoronkwo soll dem im Sturm schwach besetzten Bundesligisten ab dem ersten Spieltag helfen. Noch ist seine Spielgenehmigung nicht eingetroffen. „Bis zum ersten Spieltag haben wir die“, sagt Hoeneß.

Ob die Probleme im Sturm mit der Lösung dieses Problems tatsächlich gelöst wären, ist fraglich. Im Sturm liegt nämlich ein weiteres Problem der Berliner. Artur Wichniarek und Nando Rafael haben in der vergangenen Saison zusammen sieben Tore erzielt – eine schwache Bilanz. Die Suche nach einem neuen Stürmer verlief bislang erfolglos. Herthas Wunschstürmer Roque Santa Cruz bleibt wohl bei Bayern München. Auf Santa Cruz hatte sich die Suche der Berliner lange Zeit anscheinend fixiert – obwohl die Bayern immer wieder betont hatten, Santa Cruz halten zu wollen. „Wir haben noch Zeit“, sagt Dieter Hoeneß. Die Transferperiode endet am 31. August.

Die Berliner wollen sich nicht unter Druck setzen lassen. Doch der Druck ist in diesem Jahr höher als in der Vergangenheit. Denn bei einem schlechten Start könnten aus den kleinen Missgeschicken schnell große Skandale werden.

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