Sport : Wir haben verstanden

Die Bayern setzen die Vorstellungen ihres Trainers immer besser um

Daniel Pontzen[München]

Der Friede der abendlichen Weihnachtsfeier war offenbar nie gefährdet, so viel war den Worten von Felix Magath zu entnehmen. Oliver Kahn „war nach dem Spiel in der Kabine ganz ruhig“, berichtete der Trainer des FC Bayern nach dem 2:2 im Spitzenspiel gegen den VfB Stuttgart. Trotz des Fehlers, der den Stuttgartern die zwischenzeitliche 2:0-Führung ermöglicht hatte, sei der Torwart gelassen geblieben. Er habe das schon ganz anders erlebt, sagte Magath, was ihn schmunzelnd zu der Schlussfolgerung veranlasste: „Also, auch hier ist ein Fortschritt erkennbar.“

Auch wenn die Tatsache, dass Kahn im Umgang mit Fehlern inzwischen einige Routine gewonnen hat, kaum größere Heiterkeit auslösen dürfte, war die Freude bei den Münchnern sehr berechtigt. Die Bayern werden auf Platz eins überwintern, nach einem Spiel, das in vielerlei Hinsicht exemplarisch war für eine sehr zufriedenstellende erste Saisonhälfte: Nach großen Problemen, in Gang zu kommen, war eine deutliche Steigerung erkennbar, und gegen Ende fügte sich alles zugunsten der Münchner.

Zu Beginn habe es einige schwierige Phasen gegeben, sagte Magath, „doch schon damals habe ich immer gesagt, wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn die Ergebnisse nicht stimmten“. Jetzt sei die Mannschaft in sämtlichen Konkurrenzen gut im Rennen, entsprechend bündig fiel Magaths Schlussbilanz aus: „Wir haben alle unsere Ziele erreicht.“ Dass es am Samstag lange Zeit nicht so lief, wie geplant, nahmen die Verantwortlichen daher ohne Weiteres hin.

„Die Mannschaft hat viel Kraft gelassen bei der Aufholjagd, war teilweise sechs, sieben Punkte hinter Wolfsburg“, sagte Manager Uli Hoeneß, „vielleicht fehlt da die geistige Frische, um so ein Spiel von Anfang an aggressiv anzugehen.“ Die Nachgiebigkeit dürfte leichter fallen angesichts der Gewissheit, dass sich die Bayern einen mäßigen Start derzeit offenbar leisten können. „Wir sind in der Lage, solche Spiele noch umzudrehen“, stellte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fest, „das war ja früher nicht immer so.“

Nicht nur in puncto Ausdauer zeichnet sich ein halbes Jahr nach dem Ende der Ära Hitzfeld immer deutlicher Magaths Stil ab. Der Trainer hat ein Gesamtkonstrukt geschaffen, das wertvoller ist als die Summe seiner Einzelteile: Speziell seit der Installation der Mittelfeldraute, in der Michael Ballack zumeist den defensiven Part übernimmt, ist ein funktionierendes mannschaftliches Gefüge erkennbar – wenngleich Magath noch einigen Verbesserungsbedarf sieht. „Die Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen muss noch besser werden, da muss noch mehr Harmonie rein“, sagte der Trainer, was außerdem noch fehle, sei „eine Selbstverständlichkeit, eine Sicherheit“ im Auftreten seiner Mannschaft, das also, was der Kundschaft gern als bayerisches Sieger-Gen verkauft wird.

Dabei könnte in den nun folgenden Wochen, bis zum Trainingsauftakt am 3. Januar, ein regelmäßiger Blick auf die Tabelle helfen. „Auch wenn es andere anders sehen mögen, ich sehe es als Riesenvorteil an, vorne zu sein“, sagte Uli Hoeneß, „es kostet psychologisch schon sehr viel Kraft, wenn die anderen immer hinterherhecheln müssen.“ Der Manager machte nicht den Eindruck, als wolle er der Konkurrenz diese Anstrengung ersparen. Im Gegenteil, er schien rundum zufrieden bei diesem feinen Gedanken.

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