Sport : „Wir können das billiger“

Sportbund-Chef Manfred von Richthofen über die Politik, die Krankenkassen und das Sparen

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Herr von Richthofen, im Sport verändert sich derzeit ziemlich viel. Haben Sie schon einen Termin mit dem neuen OlympiaChef Klaus Steinbach?

Wir werden uns regelmäßig sehen, das ist doch klar. Die Zeit der Sprachlosigkeit zwischen beiden großen deutschen Sportverbänden ist mit dem Wechsel im Nationalen Olympischen Komitee vorbei. Zukünftig werden Deutscher Sportbund und NOK als gemeinsame Stimme auftreten – mit unterschiedlichen Akzenten. Über die genaue Arbeitsteilung reden Herr Steinbach und ich in den nächsten Wochen.

Wann gibt es einen Generationswechsel im Deutschen Sportbund?

Keine Sorge, ich stelle mich im Dezember zum letzten Mal zur Wahl. Danach werde ich mich rechtzeitig um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin bemühen. Im Gegensatz zum alten NOK-Präsidenten Walther Tröger bestelle ich mein Haus.

Am Mittwoch kommt der Sportausschuss des Bundestages zur ersten Sitzung nach der Bundestagswahl zusammen. Kennen Sie eigentlich Peter Rauen?

Ehrlich gesagt, nur flüchtig. Ich weiß natürlich, dass Herr Rauen zukünftig den Sportausschuss des Parlaments leiten wird. Ich weiß auch, dass er mal Fußball-Präsident in Salmrohr und in Trier war. Aber das war’s eigentlich schon.

Was erwartet der organisierte Sport von der Politik?

Das Wichtigste für uns ist die Behandlung des Ehrenamts. Für Menschen, die in ihrer Freizeit in Sportvereinen arbeiten, muss der Staat Erleichterungen schaffen und Fortbildungen anbieten. Beamte oder Angestellte im öffentlichen Dienst, die nach ihrer Arbeit als Jugendtrainer oder Schiedsrichter tätig sind, sollten freitags zwei oder drei Stunden früher nach Hause gehen dürfen.

In den nächsten Jahren steht die große Gesundheitsreform an. Wie will sich der Sport daran beteiligen?

Der Sport muss stärker in die gesundheitliche Vorsorge einbezogen werden. Die Vereine bieten längst Rückenschulungen für Patienten an und entlasten so die Krankenkassen. Mit 3500 Programmen unter dem Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“ leisten wir einen bedeutenden Beitrag zur Gesundheitsreform, den die Politik nicht länger ignorieren darf. Dass einige Krankenkassen heute noch diese Gesundheitskurse veranstalten, ist völlig überflüssig und nicht zeitgemäß. Wir können das billiger anbieten.

Sie wollen sich also den Kranken zuwenden?

Nicht nur den Kranken, auch den Senioren. In die Vereine treten unglaublich viele ältere Menschen ein. Für sie müssen wir zusätzliche Angebote schaffen. Aber dafür brauchen wir mehr staatliche Unterstützung und gute Sportstätten. Die Fortsetzung des Bauprogramms Goldener Plan Ost hat deshalb für uns große Bedeutung. Hier hat die rot-grüne Regierung in ihrer Koalitionsvereinbarung richtige Signale gesetzt.

Andere Pläne von SPD und Grünen haben Sie bislang abgelehnt. Zum Beispiel beim Kampf gegen Doping…

Sie meinen die Vorschläge des Sportausschusses für ein neues Anti-Doping-Gesetz. Diese sind ja keineswegs unumstritten. Soviel ich weiß, sind sowohl Innenminister Otto Schily als auch die neue Justizministerin Brigitte Zypries dagegen. Und die sind beide in der SPD.

Halten Sie die bisherige Dopingbekämpfung für ausreichend?

Ich finde, wir sollten bis zum Jahresende überprüfen, ob die Regelungen für den Missbrauch von Arzneimitteln greifen. Außerdem wird im Januar die Nationale Anti-Doping-Agentur in Bonn endlich ihre Arbeit aufnehmen. Der Vorschlag von Herrn Schily, zusätzlich Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften gegen Dopingsünder einzurichten, gefällt mir sehr gut. Aber ob wir bei all diesen Maßnahmen noch ein neues Gesetz brauchen, bezweifle ich.

Herr von Richthofen, neben neuen Gesetzen dürften in den kommenden Jahren vor allem Sparpakete diskutiert werden. Wo bleiben eigentlich die Sparvorschläge des Sports?

Darüber will ich öffentlich nicht reden. Aber wir machen uns natürlich Gedanken. Ich denke, wir werden uns nicht mehr so viele teure Trainingsaufenthalte leisten können wie bisher. Natürlich müssen Radfahrer im Winter ans Mittelmeer ausweichen. Aber ob Leichtathleten unbedingt nach Amerika oder Südafrika touren müssen, sollte überprüft werden. Wir können uns nicht mehr jeden Luxus leisten.

Das Gespräch führte Robert Ide.

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