Sport : „Wir können die Großen ärgern“

Handball-Nationalspieler Christian Zeitz über die EM-Chancen der Deutschen und seine Rolle im Team

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Herr Zeitz, zu Beginn der Handball-Europameisterschaft spielt Deutschland am Donnerstag gleich gegen den Weltmeister. Was erwarten Sie gegen Spanien?

Ich hoffe, dass Spanien uns unterschätzt. Wir müssen das Ergebnis lange knapp halten, dann sehe ich für die Schlussphase eine Chance.

Das ist Ihrer Mannschaft in Nabeul aber nicht gelungen.

Ich weiß schon noch, was bei der Handball-WM in Tunesien passiert ist. Wir haben in der Hauptrunde mit vier Toren gegen Spanien verloren, aber es war viel mehr möglich.

Und Sie saßen zumeist auf der Bank, warfen kein Tor …

Bei dieser WM habe ich sehr viel Kritik abbekommen, das ging schon nach dem ersten Spiel los. Ich fand vieles davon überzogen.

Was hatte Sie vor allem gestört?

Es wird doch nichts besser, wenn man auf einen Spieler draufhaut. Aber ich habe diese WM längst abgehakt.

Ihre Situation hat sich nicht geändert. Bei der EM in der Schweiz wird erneut viel von Ihnen erwartet.

Es ist dennoch anders, denn ich würde mit einer ähnlichen Situation heute anders umgehen. Es sind sieben Spieler, die ihre Leistung bringen müssen, nicht ein Christian Zeitz allein ist für Sieg oder Niederlage verantwortlich.

Als einziger Linkshänder im Aufbau lastet dennoch eine große Verantwortung auf Ihnen?

Ich werde alles geben, dass mir letztlich eine gute Leistung bei dieser EM bescheinigt wird. Natürlich werden auch meine Tore und Anspiele sehr wichtig sein.

Wie weit wirft der Ausfall von Oleg Velyky, der sich bei der EM-Generalprobe gegen Ungarn verletzte, das Team zurück?

Das hat uns sehr getroffen, aber so eine schwierige Situation kann auch unheimlich motivieren. Für uns heißt es nun: jetzt erst recht.

Reicht das, um den Weltmeister zu schlagen?

Warum nicht? Ich denke eher, dass wir im dritten Vorrundenspiel gegen Frankreich größere Probleme bekommen.

Auch deshalb, weil die fehlenden Oleg Velyky, Daniel Stephan, Markus Baur und Holger Glandorf nicht adäquat ersetzt werden können. Warum rücken keine Talente aus der Bundesliga nach?

In der Liga muss was passieren, die Talente müssen zu mehr Einsätzen kommen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sie haben sich beim THW Kiel als Deutscher durchgesetzt, beim Meister, der fast nur mit ausländischen Stars besetzt ist.

Ich könnte es mir leicht machen und sagen, dass ich mich doch in diesem Geschäft durchgesetzt habe. Aber vielleicht hatte ich als Linkshänder auch Vorteile.

Sie konnten in das deutsche Team hineinwachsen, das auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung Olympiasilber gewann. Welcher der zurückgetretenen Spieler dieser Mannschaft fehlt Ihnen besonders?

Da möchte ich keinen Spieler nennen. Na ja, mit Christian Schwarzer am Kreis habe ich schon gut zusammengespielt. Aber heute spielen dort eben Andrej Klimowets oder Sebastian Preiß.

Preiß ist extra von Kiel nach Lemgo gegangen, um mehr spielen zu können …

Geholfen hat es ihm wenig, denn hinter Schwarzer ist er auch dort nur zweiter Mann, er sitzt viel auf der Bank.

Kann ein solcher Spieler bei der EM gegen die weltbesten Teams bestehen?

Natürlich, denn wir sind ein verschworenes Team. Jeder Spieler ist wichtig.

Also welche Medaille gewinnt das verschworene Team in der Schweiz?

Daran denke ich nicht, wir können aber die Großen ärgern. Das ist realistisch.

Das Gespräch führte Hartmut Moheit

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