Sport : „Wir müssen angreifen“

Berti Vogts über den Kombinationsfußball der Deutschen und die Versäumnisse der Vergangenheit

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Herr Vogts, muss die deutsche Mannschaft Angst vor dem Konföderationen Pokal haben, weil andere einfach besser sind?

Angst müssen wir sicher nicht haben, aber einige Nationen sind an uns vorbei-

gezogen. Sie spielen mit einer Mentalität, die wir einmal hatten, sie setzen Fitness und Athletik an die erste Stelle. Früher hat man den Italienern, Spaniern, Engländern und Franzosen Technik und Taktik nachgesagt, heute sind Athletik und Leidenschaft das Wichtigste im Weltfußball. Felix Magath hat Bayern München damit wachgerüttelt. Die Bayern wurden Meister, weil sie neben einem sehr guten Kader die beste Fitness hatten.

Auffällig im internationalen Fußball ist das hohe Tempo, Spieler auf allen Positionen schalten blitzschnell um.

Jeder Spieler muss in der Lage sein, sich ins Angriffsspiel einzuschalten. Aber selbst für einen begnadeten Spieler wie Michael Ballack war es wichtig, einen Trainer wie Magath zu bekommen. Er hat zu seinen Fähigkeiten noch den letzten Schuss Athletik bekommen, der ihn zu einem herausragenden Spieler macht.

Neue Strukturen treffen beim DFB nicht immer auf Gegenliebe. Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird ständig kritisiert.

Die neuen Methoden von Klinsmann kommen aus der Leichtathletik. Es ist wichtig, dass sich der Fußball vor allem in Sachen Schnelligkeit Dinge von Spezialisten abschaut. Schnelligkeit bedeutet Ballbesitz, der uns die Chance gibt, ein Tor zu erzielen. Angriff muss die Philosophie sein, nicht das Verhindern. Schon in Mönchengladbach hatten wir 1965 unter Hennes Weisweiler Spezialtraining bei Olympioniken.

Was hat man in Deutschland verpasst?

Andere Länder haben sich eher Anleihen aus anderen Sportarten geholt, um ihr Programm zu vervollständigen. José Mourinho verlangt bei Chelsea im Training höllisches Tempo über 30 Minuten, für ihn ist das Wichtigste: der ballführende Spieler muss drei Anspielmöglichkeiten haben. Das Spiel ohne Ball wurde in der Bundesliga völlig vergessen.

Spielen die Deutschen zu umständlich?

Die Deutschen kombinieren gut, aber der Gegner wird zu selten zu Fehlern gezwungen. Unsere Mannschaft ist derzeit sehr jung und international unerfahren. Bei der WM werden erfahrene Spieler wie Didi Hamann oder Christoph Metzelder wieder dabei sein. Das wird eine gesunde Balance geben.

Das Gespräch führte Oliver Trust

Berti Vogts (58)

war von 1990 bis 1998 Bundestrainer. 1996 gewann er in England den Europameistertitel. Zuletzt war Vogts

Nationaltrainer in Schottland.

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