Sport : "Wir müssen nicht jedes Angebot annehmen"

Herr Magath[Sie gelten als Realist. Was hat Sie]

Eintracht Frankfurts Trainer über die Suche nach "strategischen Partnern", Probleme mit der Lizenz und Störenfriede im Umfeld

Felix Magath (47). Seit der 43-malige deutsche Nationalspieler den Trainerposten bei Eintracht Frankfurt übernommen hat, klappt es auch mit den Punkten. Wie seine Trainer-Lehrmeister Branko Zebec und Ernst Happel setzt Magath auf die Tugenden Fitneß, Disziplin und Verantwortungsbewußtsein. Am Sonnabend spielt er mit Frankfurt bei Hertha BSC.

Herr Magath, Sie gelten als Realist. Was hat Sie, trotz drohendem Lizenzentzug, dazu bewegt, in Frankfurt einen Dreijahresvertrag zu unterschreiben und sogar vom internationalen Geschäft zu sprechen?

Für mich gehört Eintracht Frankfurt zu den deutschen Vereinen, welche die Infrastruktur und das Umfeld besitzen, um international zu spielen. Ich sehe die Möglichkeit, hier meine Vorstellungen zu verwirklichen.

Im Augenblick zumindest liegen Umfeld und Infrastruktur brach, die Eintracht hat Schulden, es droht ein Lizenzentzug.

Unter Infrastruktur verstehe ich Trainingsgelände und Stadion. Beides ist verbesserungsbedürftig, im Hinblick auf die mögliche WM-Ausrichtung 2006 ist aber bekanntlich ein neues Stadion geplant.

Sie sollen gesagt haben, Sie wüssten nicht einmal, ob Ihr Vertrag auch für den Fall des Lizenzentzuges Gültigkeit hat. Schwer vorzustellen, dass Sie sich nicht informiert haben.

Mein Vertrag gilt für die ersten beiden Ligen.

Was passiert, wenn die Lizenz vom DFB nicht erteilt wird und die Eintracht ins Amateurlager muss?

Damit habe ich mich nicht beschäftigt, und das mache ich auch jetzt nicht. Ich gehe davon, dass ich in der nächsten Saison bei der Eintracht im bezahlten Fußball arbeite.

Wenn Sie sich nicht mit dem Fall beschäftigen, der DFB tut es.

Muss er ja, unsere Lizenzierungsunterlagen sind eingereicht. Der DFB muss sie prüfen.

Dass die Eintracht die geplante Zusammenarbeit mit der Sportmarketing-Agentur IMG scheitern ließ, wirkte jedenfalls beinahe wie Selbstverstümmelung. Wo bleibt denn jetzt der versprochene "strategische Partner"?

Dass die Verhandlungen mit IMG nicht zum Abschluss gekommen sind, ist ein ganz normaler Vorgang, wenn zwei Partner keine Übereinstimmung erzielen. Problematisch ist, wenn diese Dinge in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.

"Ganz normal" ist es wohl nicht, wenn ein Unternehmen, dem das Wasser bis zum Halse steht, eine Kooperation ablehnt, die finanzielle Sanierung verspricht.

Ich gehe davon aus, dass die Eintracht in der Lage ist, nicht unbedingt jedes Angebot annehmen zu müssen.

Sie haben davon gesprochen, dass man Ihre sportliche Arbeit bewusst torpediert.

Meine Ausdrucksweise war zwar etwas anders, aber dass irgendjemand im Umfeld der Eintracht Interesse daran hat, Unruhe zu stiften, ist klar. Wie sonst sollte man sich erklären, dass ein Brief vom DFB, der im November abgeschickt wurde, nun Ende März in einer Zeitschrift abgedruckt wird. Das ist doch kalter Kaffee.

Wen haben Sie im Verdacht?

Ich habe nicht vor, meine Zeit damit zu verbringen, denjenigen ausfindig zu machen. Ich weiß nur, dass derjenige versucht, die Eintracht in Schwierigkeiten zu bringen.

Das wäre wohl kaum nötig, schließlich hat sich die Eintracht schon selbst in Schwierigkeiten gebracht.

Das behaupten Sie, Sie reden einfach das nach, was irgendwo gedruckt wurde. Welche Beweise haben Sie denn dafür, dass die Eintracht in Schwierigkeiten ist?

Eintracht hat gegen DFB-Auflagen verstoßen. Der DFB prüft, ob sie für die neue Saison eine Lizenz erhält; das nenne ich Schwierigkeiten.

Der Brief vom November besagt nur, dass die Eintracht sich bemühen muss, in Zukunft nicht gegen Auflagen zu verstoßen.

Dieses Bemühen sah so aus, dass die Eintracht gleich wieder Transfers tätigte, im Dezember Thomas Sobotzik aus Kaiserslautern zurück holte, im Januar Thomas Reichenberger und Dirk Heinen von Bayer Leverkusen verpflichtete. Umsonst hat man diese Spieler wohl kaum bekommen.

Die Verpflichtungen, die Sie anmerken, sind unter den Augen des DFB passiert. Nicht die Eintracht erteilt Spielberechtigungen, sondern der DFB. Der Interview führte Andreas Kötter.

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