Sport : „Wir müssen wachsam bleiben“

Gianni Rivera über das Jahr nach Italiens WM-Erfolg

Herr Rivera, genau vor einem Jahr verabschiedete sich die italienische Fußball-Nationalmannschaft als Weltmeister aus Deutschland und flog in Partylaune zurück. Was ist noch übrig von der Euphorie?

Wir haben lange und ausgiebig gefeiert. Doch mittlerweile ist Italien wieder zur Tagesordnung zurückgekehrt.

Was wäre passiert, wenn Italien im Halbfinale an Deutschland gescheitert wäre?

Dazu nur ein Wort: Enttäuschung.

Auch weil der Erfolg der Nationalmannschaft die Probleme der italienischen Liga kaschieren konnte?

Nicht Sieg oder Niederlage der Nationalmannschaft entscheiden über das Wohl der italienischen Liga. Außerdem waren ja keine Spieler in diese Affären verwickelt. Egal, wie die WM für uns gelaufen wäre, es stand fest: Wir müssen die Probleme angehen, dann einen Schlussstrich ziehen und zur Normalität übergehen. Nun müssen wir wachsam bleiben.

Man hat manchmal den Eindruck, in Italien gelten andere Gesetze.

Seien wir doch mal ehrlich, Manipulation spricht nicht nur eine Sprache, es gibt sie seit Bestehen der Menschheit – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Jedes Land hat eben seine eigene Methode, damit umzugehen.

Glauben Sie, dass die Entscheidung der Uefa, die Europameisterschaft 2012 nicht an Italien zu vergeben, etwas mit ihren Methoden zu tun hat?

Diese Frage sollten Sie der Uefa stellen, aber die werden nichts sagen. Sosehr es auch schmerzt, aber die Entscheidung war absolut korrekt. Zwar haben wir alle Voraussetzungen dafür geschaffen, um die Endrunde ausrichten zu können. Aber es ging wohl eher darum, den Kreis der Gastgeberländer zu erweitern.

Was ist in Zukunft die wichtigste Aufgabe des italienischen Fußballs?

Wir müssen weiter siegen.

Die Fragen stellte Paul Linke.

Gianni Rivera, 63, ist seit 2005 EU-Abgeordneter. Als Fußballer nahm er mit Italien an vier Weltmeisterschaften teil. Mit dem AC Mailand wurde er mehrmals Meister und Europapokalsieger.

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