Sport : Wir sehen uns in der Singing Area

Wie sich der Fanclub Nationalmannschaft vorbereitet

Christian Hönicke

Berlin - „Sie fragen mich gar nicht nach WM-Karten“, sagt Michael Kirchner vom Fanclub Nationalmannschaft fast beleidigt. Dann holt er zum großen Schlag aus: „Wir haben ein exklusives Kontingent für unsere Mitglieder.“ Warum ein Fanclub ein eigenes Ticketkontingent erhält, während der Rest der Republik sich mit der ganzen Welt um wenige WM-Karten streitet, lässt sich leicht erklären: Der Fanclub Nationalmannschaft ist kein Fanclub im herkömmlichen Sinne. Er ist ein Kind des Deutschen Fußball-Bundes.

Vor zwei Jahren gründete der DFB die Fankurven-Dependance, um seinem wichtigsten Werbeträger mehr Unterstützung zukommen zu lassen. Für 20 Euro im Jahr kann man seither offizieller Anhänger der Nationalelf werden. Dafür erhält man eine stadiontaugliche Grundausrüstung inklusive Mütze, Schal, Ansteckpin und Vorkaufsrecht für Karten bei Spielen mit deutscher Beteiligung. „Wir wollen den Fans eine Plattform bieten“, sagt Michael Kirchner, der als Fanbeauftragter des DFB verantwortlich für den Fanclub ist.

Nach zwei Jahren ist die Mitgliederzahl des Fanclubs auf 15 000 angestiegen. Fans aus ganz Deutschland arbeiten gemeinsam an Gesängen und Choreografien wie dem riesigen Herz, das beim Spiel gegen Russland in Mönchengladbach zu sehen war. Der Konföderationen-Pokal ist eine Möglichkeit, diese Kultur auch weltweit zu präsentieren. Kirchner: „Das ist auch für uns ein Test für die WM.“ Und wie die Mannschaft muss auch der Fanclub ein paar Abstimmungsschwierigkeiten beheben.

Die Liaison zwischen den organisierten Anhängern der Nationalelf und der ungeliebten „Fußball-Mafia DFB“ ist eine bizarre. Zwar besteht Michael Kirchner auf der Feststellung, dass „wir den Fans nichts aufdrücken wollen“, ein wenig Corporate Identity und ein paar nett gemeinte Schubser in die richtige Richtung sind aber schon im Spiel. Vor dem Spiel gegen Russland hat der Verband seine Fans per E-Mail-Newsletter aufgefordert, Pfiffe gegen eigene Spieler wie den Torhüter Jens Lehmann zu unterlassen. Und zu den angekündigten Protesten gegen die Kriminalisierung von Fußballfans am Mittwoch vor der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main sagt Kirchner mit einer Mischung aus Hoffnung und versteckter Forderung: „Das sind bestimmt nicht unsere Fans, die da mitmachen.“

Dennoch sieht Kirchner eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Fans und Verband. „Die Aktivitäten kommen von beiden Seiten“, sagt er. So habe etwa der DFB der Fankurve eine riesige Deutschlandfahne bereitgestellt. Die Anhänger wiederum hätten ein überdimensionales Trikot für den Block gefordert, wie sie es in Frankreich gesehen hatten. Außerdem wollten sie ein bestimmtes Areal für die hartgesottenen Fans, um Stimmung zu machen. Kirchner und der DFB haben das bewilligt und sich einen passenden Namen einfallen lassen: „Singing Area“. „Da weiß man gleich: Hier geht es lauter zu“, erklärt Kirchner. Beim Konföderationen-Pokal werden die hauseigenen Fans des DFB zwar singen, aber ansonsten müssen sie sich auf Restriktionen einstellen.

Ihr Fahnenausstatter ging aus dem Aufeinandertreffen zweier bürokratischer Systeme als Verlierer hervor. „Die Fifa gestattet uns leider nicht alles“, sagt Kirchner. Die Riesenflagge darf nicht geschwenkt werden. Auch das Riesentrikot wird unausgerollt bleiben, denn bei Fifa-Spielen darf nichts über die Köpfe der Zuschauer gezogen werden. „Wir denken uns Alternativen aus“, sagt Michael Kirchner, verrät aber nicht welche.

Ähnlich geheimnisvoll gibt sich der DFB-Fanbeauftragte bezüglich der Größe des WM-Karten-Kontingents. Über Vergabemodalitäten und Termin wird gerader verhandelt. Verraten will Kirchner nur, dass die Tickets wahrscheinlich verlost werden: „Wir werden dabei keine Fans ausschließen – auch nicht die, die gerade erst Mitglied geworden sind.“ So etwas nennt man wohl Lockangebot.

www.fanclub.dfb.de

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