Sport : Wir sind Dirk

Mit einer starken Teamleistung schlagen die deutschen Basketballer Italien 76:62 und spielen sich langsam in eine EM-Favoritenrolle

Lars Richter[Siauliai]
Zum Auftakt schon voll da. Dirk Nowitzki, hier gegen den Israeli Lior Eliyahu, erzielte im ersten EM-Spiel 25 Punkte. Foto: dapd
Zum Auftakt schon voll da. Dirk Nowitzki, hier gegen den Israeli Lior Eliyahu, erzielte im ersten EM-Spiel 25 Punkte. Foto: dapdFoto: dapd

Ein bisschen Spott für seinen Gegenspieler hat Dirk Nowitzki sich nicht verkneifen können, das war bis auf die Tribüne der Arena in Siauliai zu hören. „And one“, rief der Würzburger, während er seine Wurfbewegung zu Ende führte, traf – und seinem Kontrahenten noch ein Foul anhängte, für das er einen zusätzlichen Freiwurf bekam. Aber nicht nur eine Aktion wie diese, sondern eine starke Teamleistung gegen hart spielende Italiener hat die deutsche Basketball-Nationalmannschaft am Donnerstag bei der Europameisterschaft in Litauen zu einem 76:62 (36:30) geführt. „Wir haben uns durchkämpfen müssen“, sagte Nowitzki erleichtert. „Das war ein Supersieg heute für uns.“

Dank des zweiten Sieges in der Vorrundengruppe B hat das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann sehr gute Chancen auf den Einzug in die Zwischenrunde. Da am Nachmittag auch Frankreich (85:68 gegen Israel) und Serbien (92:77 gegen Lettland) ihre Partien gewannen und ebenfalls den je zweiten Erfolg feierten, ist Italien nach zwei Niederlagen vom frühen Aus bedroht.

Von Beginn an gab es keinen Zweifel daran, dass dies ein weitaus intensiveres Match für Deutschland werden würde als das locker herauskombinierte 91:64 einen Tag zuvor gegen Israel. „Das Spiel war superhart umkämpft“, sagte Nowitzki, mit 21 Punkten bester deutscher Werfer. „Italien war mit dem Rücken zur Wand, und so haben sie auch gespielt.“

Natürlich liefen auch diesmal die ersten Angriffe über Dirk Nowitzki und Chris Kaman, Italien versuchte dies zu unterbinden, indem es die beiden zwang, den Ball weit weg vom Korb anzunehmen. Bauermann: „Die Italiener waren sehr bissig, sehr gallig.“ Aber auch das hinderte die NBA-Profis nicht daran, gewohnt zuverlässig zu punkten. Nach dem ersten Viertel hatten sie zwölf der 16 Zähler ihrer Mannschaft erzielt.

Für ihre Aggressivität in der Defensive mussten die Deutschen früh einen hohen Preis bezahlen: Schon nach fünf Minuten standen vier Mannschaftsfouls in der Statistik, was Italien bei jedem weiteren Vergehen Freiwürfe ermöglichte. Hinzu kam, dass Nowitzki mit zwei Fouls vorerst auf der Bank Platz nehmen musste. Doch in dieser Phase zeigte sich, dass das Team mehr als Nowitzki ist. Neben Robin Benzing (14 Punkte) bewies auch Heiko Schaffartzik viel Mut, Johannes Herber entwickelte schon verloren geglaubte Gefahr aus der Distanz und Tim Ohlbrecht setzte per Dunking einen spektakulären Impuls.

Doch so verheißungsvoll wie die erste Hälfte zu Ende gegangen war, fing die zweite für die DBB-Auswahl nicht an. Nowitzki kassierte sein drittes Foul und es war alles wieder offen (44:44/25.). Die Führung wechselte in den verbleibenden Minuten regelmäßig. Doch auch in der kritischen Endphase bestätigte sich, dass Deutschland sich nicht ausschließlich auf seinen Superstar verlassen musste. Robin Benzing deutete das mit seinem Dreier und weiteren wichtigen Punkten schon an und Johannes Herber stellte es mit dem vorentscheidenden Dreier zum 67:60 (39.) endgültig unter Beweis. Italien war demoralisiert und hatte nichts mehr entgegenzusetzen. Bundestrainer Bauermann: strich danach die „unglaubliche Moral“ heraus, und auch Dirk Nowitzki lobte die Teamleistung: „Ich hab ja zum Schluss kaum was gemacht.“ Gegen Frankreich werde es nun zwar wieder schwer. „Aber wenn wir so kämpfen und füreinander spielen, ist alles drin.“

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