• „Wir sind hier, wir kennen euch“ Wie Randale in Bratislava verhindert werden soll

Sport : „Wir sind hier, wir kennen euch“ Wie Randale in Bratislava verhindert werden soll

Stefan Hermanns[Bratislava],André G&#246

Wahrscheinlich hat sich Otto Schily hinterher mächtig geärgert, damals im September 2005 in Bratislava. „Otto, Otto!“, riefen die jungen Männer und winkten dem damaligen Innenminister zu. Schily ging rüber, lächelte und stellte sich für einen fröhlichen Schnappschuss zu den feixenden Typen. Warum die so lachten? Nun, die Männer gehörten zur deutschen Hooliganszene, die Minuten zuvor in Bratislava noch randaliert hatte. Das Bild kursiert noch heute via E-Mail durchs Netz.

Gut ein Jahr später wollen deutsche Gewalttäter erneut Polizei und Sicherheitsbehörden austricksen und am Mittwoch nach Bratislava zum Länderspiel reisen. Von „mindestens 500 gewaltbereiten Problemfällen“, die in die Slowakei einreisen wollten, sprach der Manager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. „Die Prognosen sind nicht sehr erfreulich“, sagte der Mediendirektor des DFB, Harald Stenger, und verwies auf das letzte Länderspiel in der Slowakei, als nicht nur Schily veräppelt wurde, sondern Hooligans sich prügelten, Stadiontore aufbrachen „und Deutsche vor Deutschen Angst hatten“, sagte Stenger.

Damals hatten Rechtsradikale – das Gros der Gewalttäter kam aus dem Städtedreieck Halle-Leipzig-Dresden – auch den deutschen Nationalspieler Patrick Owomoyela mit rassistischen Sprüchen beleidigt. „Es ist traurig, was bei Auswärtsspielen stattfindet“, sagte Bastian Schweinsteiger nach dem Abpfiff.

Dass Neonazis und Hooligans vor allem bei unterklassigen Spielen oder außerhalb Deutschlands auffallen wollen, haben Polizisten und Fanforscher längst bemerkt. Erst gestern sprach Gunter A. Pilz von der Universität Hannover bei Theo Zwanziger vor, dem Präsidenten des DFB. Am Nachmittag reiste Pilz zu einem zweitägigen Treffen der DFB-Kommission Gewaltprävention ins Rheinland. Der Termin ist schon länger geplant, doch rassistische Beleidigungen in der Liga und antisemitische Pöbeleien in Berlin haben die Verantwortlichen aufhorchen lassen. „Nur mit Strafen bekommen wir die Denke nicht aus den Köpfen“, sagt Pilz. „Wir müssen die schweigende Mehrheit in den Fußballstadien in die Pflicht nehmen. Sie darf nicht verschämt weggucken.“ Zudem müssten „junge, naive Mitläufer zum Nachdenken animiert werden“, indem man beispielsweise Stadionsprecher schult und Mannschaftskapitäne mehr Initiative zeigen, wenn es im Stadion zu übelsten Schmähungen komme. Am Donnerstag stellt Pilz im Regierungsviertel die neue Fanstudie vor.

Der offene Umgang des DFB wird von Deutschlands oberstem Hooligan-Fahnder begrüßt. „Es ist gut, dass das Thema Rechtsradikalismus so publik geworden ist und auch vom DFB scharf sanktioniert wird“, sagt Michael Endler von der „Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze“ (ZIS). „Wenn normale Fans diese Leute ins Abseits stellen und sich nicht mit ihnen solidarisieren, können wir von der Polizei leichter unsere Arbeit machen.“ Etwa zehn Prozent der gewaltbereiten Hooligans seien der rechtsradikalen Szene zuzuordnen; rund 7000 Schläger sind in Deutschland registriert.

Anders als vor gut einem Jahr, als viele Hooligans über die Europastraße 55 via Tschechien einreisen konnten, soll diesmal an den Grenzen streng kontrolliert werden. „Das wird keine Schwachstelle sein“, sagt Endler. Er rechne zwar „nicht mit einem totalen Ausnahmezustand“, man müsse das Länderspiel jedoch ernst nehmen. „Es wird zu viel in der Hooligan-Szene gemunkelt. Wir müssen mit einer gewissen Mobilisierung rechnen.“

Heute werden acht Hooliganfahnder der Polizei zur Unterstützung nach Bratislava reisen, um Gewalttäter zu enttarnen und konkret anzusprechen. „Wir schicken unsere Leute hin, damit sie den gewaltbereiten Deutschen sagen: Passt auf, wir sind hier, wir kennen euch“, sagt Endler. Schon seit Tagen werden Ausreiseverbote und Meldeauflagen verhängt, „um so der Szene die Führung zu entziehen“, sagt Endler. Allein in Berlin wurden zudem 36 Männer – die Rädelsführer – in einer „Gefährderansprache“ gewarnt, in die Slowakei zu reisen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar