WM 2006 : Alle lieben Klinsmann

Von so viel Zustimmung können Politiker nur träumen. Die Fußball-Nation steht geschlossen hinter Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Der DFB macht bereits erste Zugeständnisse, um den Motivationskünstler zu halten.

Berlin - Trotz des Ausscheidens der deutschen Nationalelf im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft soll Jürgen Klinsmann weiterhin Bundestrainer bleiben. Neben den Nationalspielern wollen auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Fans, dass der 41-jährige Schwabe Ballack, Klose und Co. auch künftig trainiert. Die Verhandlungen über den Bundestrainerposten sollen möglichst bis zum 16. August, dem Tag des ersten Länderspiels nach der WM, abgeschlossen sein. «Bis dahin sollten wir Klarheit haben», sagte DFB-Schatzmeister Heinrich Schmidhuber.

Von finanzieller Seite stehe einer Vertragsverlängerung nichts im Wege, betonte Schmidhuber, der zuletzt mehrfach die hohen Gesamtkosten des DFB-Trainerstabes kritisiert und für die Zeit nach der WM einen Sparkurs angemahnt hatte. «Für Klinsmann ist Geld da», unterstrich der DFB-Schatzmeister nun. Der 41-Jährige habe «die Erwartungen erfüllt, sogar übererfüllt». Es werde künftig nicht am Budget der DFB-Auswahl gespart. «Die Nationalmannschaft ist und bleibt unser Aushängeschild, das hat sie jetzt ja wieder bewiesen.» Klinsmann erhält angeblich ein Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro.

Bei der Vertragsverlängerung gibt es laut DFB-Präsident Theo Zwanziger keinen zeitlichen Druck. Die Mannschaft werde im August wieder spielen. «Es ist doch klar, dass es bis dahin vernünftige Gespräche geben wird», betonte der 61-Jährige und fügte hinzu: «Sie werden von ihm ausgehen müssen. Ich werde ihn da nicht bedrängen.» Zwanziger betonte: «Weil ich nichts machen will, was die Chance schmälert, dass der Bundestrainer bleibt.» Er setze auf die für den DFB beste Lösung, mit Klinsmann zu verlängern in der bewährten Kombination mit Joachim Löw.

"Enttäuschung wäre sehr groß"

Auch die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben sich offenbar einstimmig für eine Fortsetzung der Arbeit von Bundestrainer Klinsmann ausgesprochen. «Jeder Spieler wünscht sich, dass er weitermacht, das ist gar keine Frage», sagte Torjäger Miroslav Klose. Der frühere Welt- und Europameister habe innerhalb von nur zwei Jahren in der DFB-Auswahl etwas Faszinierendes aufgebaut. «Die Person Jürgen Klinsmann ist ein ganz großer Baustein in der Nationalmannschaft», hob der 27-jährige Bremer hervor.

Nach Angaben von Torhüter Jens Lehmann sind die Spieler vor allem von Klinsmanns offensiver Spielphilosophie sowie den neuen Trainingsmethoden begeistert. «Das hat uns sehr gut gefallen», betonte der 36-Jährige. Sollte der 41-Jährige seinen nach der WM auslaufenden Vertrag nicht verlängern, wäre die «Enttäuschung sicherlich sehr groß. Auch weil man nicht weiß, was danach kommt.»

Wenn es nach den Fans geht, heißt auch bei ihnen der Nachfolger von Klinsmann Klinsmann. Das Internet-Forum des «Klinsmann Supporter Klub» teilte am Donnerstag mit, man habe «unzählige Unterstützer, die die Seite aufrufen. Und die Unterschriftenliste wird länger und länger». Die Seite sei «aktuell offline», weil sie von zu vielen Anhängern angeklickt werde. (Von Thomas Badtke, ddp)

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