WM 2006 : Beckham: England muss besser werden

Nach der eher mäßigen Auftaktvorstellung der englischen Nationalelf gegen Paraguay hat Kapitän David Beckham eine Leistungssteigerung gefordert.

Frankfurt/Main - Prinz William amüsierte sich auf der schattigen Tribüne prächtig, für Englands müde Fußballstars war der holprige WM-Start im Glutofen von Frankfurt dagegen kein Vergnügen. «Hauptsache gewonnen, aber wir haben sehr gelitten. Die Hitze hat uns ausgeknockt», gestand Trainer Sven-Göran Eriksson nach dem erfolgreichen, aber wenig überzeugenden Beginn seiner Abschiedstournee. David Beckham schien nach dem glanzlosen 1:0 gegen Paraguay sein vollmundiges Versprechen, den zweiten Titel nach 1966 auf die Insel zu holen, schon zu bereuen. «Ein Sieg im ersten Spiel ist sehr, sehr wichtig, aber wenn wir den Titel holen wollen, müssen wir uns gewaltig steigern», sagte der Kapitän nach seinem 90. Länderspiel.

England hat den ersten Schritt getan, ohne dafür ein Tor schießen zu müssen. Paraguays Kapitän Carlos Gamarra (3.) köpfte einen Beckham-Freistoß ins eigene Tor. Mit dem schnellsten Eigentor der WM- Geschichte ersparte er den «Löwen» einen Fehlstart wie bei der letzten WM (1:1 gegen Schweden) und eröffnete dem Möchtegern- Weltmeister die Chance, bereits im zweiten Gruppenspiel gegen Trinidad und Tobago am Donnerstag in Nürnberg den Achtelfinal-Einzug perfekt zu machen. Für die Südamerikaner geht es am gleichen Tag gegen Schweden schon um Alles oder Nichts. Trainer Anibal Ruiz sagte: «Wir haben die Engländer nach der Pause kontrolliert. Das macht uns Mut, die zweite Runde zu schaffen.»

Die kollektive Erleichterung im englischen Team war noch zu spüren, als Prinz William, der in der Kabine zu den ersten Gratulanten gehörte, schon längst das Stadion verlassen hatte. «Wir haben drei Punkte, allein das zählt», sagte Beckham und entschuldigte die enttäuschende Leistung in der zweiten Halbzeit mit der sommerlichen Hitze in der Frankfurter Arena: «Man kann sich nicht vorstellen, wie heiß es auf dem Platz war. Die fast 30 Grad haben uns fertig gemacht.» Eriksson stimmte der erste Auftaktsieg in seiner Amtszeit zufrieden, «aber wenn wir den Titel gewinnen wollen, müssen wir besser werden, und wir werden besser spielen».

Der matte Auftritt der hochgewetteten Engländer ließ alle Wünsche offen. Im Mittelfeld beschränkte sich Beckham nach einem Begrüßungsküsschen hinauf auf die Tribüne zu Ehefrau Victoria und Sohn Brooklyn auf seine Rolle als Torvorbereiter. «Das ist mein Job.» Steven Gerrard und Frank Lampard ließen ihre Klasse nur bei kernigen Distanzschüssen aufblitzen. Im Sturm herrschte Flaute. Der schlaksige Peter Crouch verdiente sich eine Fleißnote, dagegen trat Michael Owen nicht in Erscheinung und wurde nach 56 Minuten ausgewechselt.

«Er wird von Spiel zu Spiel besser werden», nahm Eriksson den lange verletzten Stürmer in Schutz. Die gut 40.000 englischen Fans unter den 48.000 Zuschauern waren allerdings anderer Meinung und riefen 20 Minuten vor Spielende lautstark nach Wayne Rooney. Englands Presse schloss sich Volkes Stimme an. «Wir brauchen Dich, Rooney», schrieb der «Sunday Mirror». Der «Observer» titelte: «Svens Männer brauchen Rooney.»

Womöglich feiert der Stürmerstar schon im zweiten Gruppenspiel sein Comeback. Eriksson, der die Alleinverantwortung für Rooney übernommen hat, droht dann aber angeblich Ärger mit Manchester United. «Wenn Wayne eingesetzt wird, werden wir rechtliche Schritte gegen Eriksson einleiten», zitierte die «News of the World» (Sonntag) einen «ManU»-Vertreter.

Andere Sorgen hat Paraguay. Stammkeeper Justo Villar musste schon nach acht Minuten wegen eines Muskelfaserrisses in der rechten Wade vom Feld und fällt nach Angaben von Teamarzt Osvaldo Pancrazio zehn Tage aus. Eine genauere Diagnose sei erst nach einer Untersuchung am Montag in München möglich. Roque Santa Cruz glaubt dennoch ans Achtelfinale. «Wir waren besser als England und werden Schweden schlagen», tönte der Profi von Bayern München, der nach überstandener Verletzung 90 Minuten durchhielt. «Gegen England fehlte der Biss, aber gegen Schweden werden wir in der Offensive anders auftrumpfen», versprach der Neu-Dortmunder Nelson Valdez. (tso/dpa)

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