WM 2006 : Klinsmann plant den Notfall

Jürgen Klinsmann wird nach der Ablehnung eines späteren Nominierungstermins für die Fußball-Weltmeisterschaft einige Nationalspieler in Bereitschaft halten. Der Bundestrainer will mit der Notfall-Reserve für etwaige Ausfälle gewappnet sein.

München - «Wir werden vier, fünf Spieler auf Abruf nominieren», sagte der Bundestrainer zwei Tage nach dem 4:1-Erfolg gegen die USA der Nachrichtenagentur dpa.

Klinsmann hatte den Fußball-Weltverband (FIFA) gemeinsam mit anderen WM-Trainern vergeblich darum ersucht, den Meldeschluss (15. Mai) zeitlich nach hinten zu verschieben. Der Bundestrainer wird nun am 14. Mai in Berlin seine 23 Auserwählten benennen, die zwei Tage später in die unmittelbare Turniervorbereitung starten. Die auf Abruf gestellten Akteure werden aber nicht mit in die zwei Trainingslager auf Sardinien (16. bis 21. Mai) und in Genf (21. bis 30. Mai) reisen, sondern sich individuell für den Notfall fit halten. «Sie werden persönliche Trainingspläne erhalten», sagte Klinsmann.

Erste Anwärter als Abruf-Kandidaten seien die Spieler, die dem vorläufigen WM-Kader von rund 27 Akteuren angehören, den Klinsmann auch noch einmal im April zusammenziehen will. Dann soll an eineinhalb Tagen der vor dem USA-Spiel ausgefallene Fitnesstest nachgeholt werden. «Wir werden auf die Bundesliga zugehen und die Sache besprechen», kündigte der Bundestrainer an.

Das USA-Spiel hat den 41-Jährigen bei der Wahl der 23 Akteure noch einmal zu einigen neuen Überlegungen veranlasst. «Das Spiel hat uns wichtige Erkenntnisse gebracht», erklärte Klinsmann und kündigte intensive Gespräche mit seinem Trainerstab an. «Wir werden den Kader nochmals in jedem Detail durchsprechen.» Insbesondere beim Thema Stürmer bestehe wieder erhöhter Diskussionsbedarf, «weil sich Oliver Neuville stark aufgedrängt hat».

Mit einem Tor und einer Torvorlage hatte sich der eingewechselte Angreifer von Borussia Mönchengladbach gegen die USA als Joker und möglicher weiterer Stürmer neben den wohl gesetzten Miroslav Klose, Lukas Podolski, Gerald Asamoah und Kevin Kuranyi empfohlen. Bislang hatte der am Mittwoch verletzt ausgefallene Wolfsburger Mike Hanke, für den Neuville nachnominiert worden war, die besseren Karten.

«Oliver hat gezeigt, wie er wichtig sein kann für die Truppe. Wenn wir schnell spielen aus dem Konter, dann kommen seine Stärken zur Geltung», lobte Klinsmann den Vize-Weltmeister, der nach seinem 52. Länderspiel Optimismus verbreitet hatte. «Wenn es so weiter geht, gehe ich davon aus, dass ich dabei bin. Ich werde oft unterschätzt, aber ich habe immer meine Leistung gebracht», erklärte Neuville.

Nicht nur der Gladbacher, sondern auch der Dortmunder Rückkehrer Sebastian Kehl zählte zu den Gewinnern des letzten Tests vor der Nominierung, wie Klinsmann bestätigte: «Auch er hat seine Chance genutzt. Dadurch wird der Konkurrenzkampf noch einmal heftiger.» Die Wahl der 23 WM-Akteure wird bei der Verlierern für Enttäuschung sorgen, weiß Klinsmann: «Allen Spielern, die nicht dabei sind, wird es einfach weh tun.»

Oliver Kahn und Jens Lehmann will der Bundestrainer zwar beide berufen, aber nur einer kann im Tor stehen. Dass sich die Rivalen vor und nach dem USA-Spiel noch einmal deutlich in Position gebracht haben, sei «absolut in Ordnung», erklärte der Bundestrainer: «Wenn sie sich positionieren, dass sie spielen werden, ist das in Ordnung.» Er sprach den beiden Rivalen sogar ein Lob aus, wie sie mit der Torwart-Rotation umgegangen seien. «Kompliment, wie beide die Herausforderung in den vergangenen 20 Monaten gemeistert haben.»

Die Nummer-1-Entscheidung wird der Bundestrainer aber wohl kaum vor Ende April bekannt geben. «Es kann ja in den nächsten Wochen auch noch etwas passieren», gab Klinsmann zu Bedenken. Bayern-Kapitän Kahn oder Arsenal-Keeper Lehmann könnten sich im Liga-Alltag verletzen.

Der mögliche WM-Kader:

Tor: Kahn, Lehmann, Hildebrand
Abwehr: Arne Friedrich, Owomoyela, Mertesacker, Metzelder, Huth, Lahm, Jansen
Mittelfeld: Ballack, Frings, Schneider, Schweinsteiger, Borowski, Ernst, Kehl
Angriff: Klose, Podolski, Asamoah, Kuranyi, Hanke, Neuville
Abruf-Kandidaten: Hitzlsperger, Hinkel, Sinkiewicz, Manuel Friedrich
(Von Klaus Bergmann und Jens Mende, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben