Sport : WM 2006 mit 32 Teams

Fifa-Exekutive lehnt Aufstockung ab und brüskiert Ozeanien

Martin Hägele

Paris. Nun steht es fest: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wird mit 32 Mannschaften ausgespielt. Diesen Beschluss traf die Exekutive des Weltverbandes Fifa in Paris. Damit wurde ein Antrag des südamerikanischen Verbandes, der die Aufstockung auf 36 Teams vorsah, abgelehnt.

Der große Kampf innerhalb der internationalen Fußball-Familie ist noch einmal vermieden worden – zugunsten des kleinsten Mitglieds in der Fifa. Als Basil Scarsella, der als ständiger Beobachter den Sitzungen von Sepp Blatters Kabinett beiwohnt, und Ahongalu Fusimalohi aus Tonga mit zornigen Gesichtern den Konvent im Pariser Sofitel-Hotel Rive Gauche verließen, war klar, was zuvor im Saal passiert war: Die ozeanische Konföderation, die erst im Dezember mit einem festen Startrecht bei künftigen WM-Turnieren belohnt worden war, hatte einen halben Platz hergeben müssen. Wie in der Vergangenheit muss sich das beste Fußballteam von Down Under also weiterhin erst noch gegen einen Vertreter eines anderen Kontinentalverbandes für die WM-Endrunde qualifizieren.

Den Zorn, der deshalb über Australien, Neuseeland und einem halben Dutzend polynesischer Inselgruppen aufsteigt, hat in Paris nur Sepp Blatter gespürt. Die Protektion der Ozeanier war schließlich die Idee des 67-jährigen Schweizers gewesen; seine Kritiker sagen, er habe sich auf diese Weise für die Stimmen zu seiner Wiederwahl als Fifa-Chef bedankt. Der große Rest des Gremiums aber reagierte mit Befriedigung auf die Lösung, die zwar schon länger auf der Hand lag, aber erst im letzten Moment von Uefa-Präsident Lennart Johansson präsentiert wurde. Für dessen Vorschlag stimmten 22 der 24 Exekutiv-Mitglieder, Fusimalohi votierte dagegen, der Vorsitzende Blatter enthielt sich.

Danach war auch die Südamerika-Connection befriedet, deren Forderung, die Weltmeisterschaft auf 36 Teilnehmer aufzustocken, der eigentliche Grund für diesen Konvent gewesen war. Mit dem halben zurückgewonnen Platz, den man ihnen kurz vor Weihnachten weggenommen hatte, war der Stolz der Gaucho-Fraktion wiederhergestellt; immerhin stammen neun der bisherigen 17 Weltmeister aus Brasilien, Argentinien und Uruguay.

Im Lager der nächsten WM-Organisatoren hatten allerhöchste Bedenken geherrscht, Image und Wert des größten Sportereignisses auf dem Globus könnten durch eine Aufblähung des Teilnehmerfeldes stark geschädigt werden.

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