WM 2006 : Togos Trainer Pfister kehrt zurück

Das togoische Trainer-Tohuwabohu hat am Tag vor der WM-Premiere gegen Südkorea in Frankfurt am Main eine überraschende Wendung genommen: Otto Pfister bleibt doch Trainer der Mannschaft.

Frankfurt/Main - Pfister war am Freitagabend wegen des ungelösten Prämienstreits zurückgetreten. "Er wird am Dienstag gegen Südkorea auf der Bank sitzen und ist während der gesamten Weltmeisterschaft unser Trainer", sagte Pressesprecher Messan Attalou am Montag der dpa. Zudem sei eine Lösung mit den Spielern über die Prämien gefunden worden, erklärte Attalou, ohne Details zu nennen. Verhandlungen mit Winfried Schäfer waren zuvor ohne Ergebnis geblieben.

Pfister hatte am späten Freitagabend das togoische Teamquartier in Wangen im Allgäu verlassen und anschließend von der "Zerstörung eines Lebenstraums" gesprochen. Der 68-jährige Deutsche war erst im Februar Nachfolger von Stephen Keshi geworden, der nach dem sieglosen Aus beim Afrika-Cup entlassen worden war.

Lange galt Winfried Schäfer als Top-Kandidat, doch der ehemalige Nationaltrainer von Kamerun zeigte sich am Montag zunehmend verärgert über das togoische Chaos. "Ich habe die Schnauze voll. Ich kann es nicht mehr hören. Ich warte auch nicht mehr auf einen Anruf", sagte der 56-Jährige der dpa in seinem Wohnort im badischen Ettlingen. "Es ist ein Chaos, was hier herrscht. Es sind viel zu viele Leute drum herum."

Seit Freitag hatte der dritte Co-Trainer, Mawuena Kodjovi, die Mannschaft betreut. An ihm ließ Schäfer kein gutes Haar. "Der Co-Trainer hat hinten rum so viel Druck gemacht, das ist Wahnsinn. Innerhalb des Verbandes ist so ein Theater, das ist schon ein Risiko, da hinzugehen", sagte Schäfer, der in Kamerun 2002 bereits ein afrikanisches Team bei einer WM betreut hatte. Über den am Sonntag vom togoischen Technischen Direktor ins Spiel gebrachten Deutschen mit Vornamen Christoph meinte er: "Der ist seit Wochen in Wangen im Allgäu und erzählt, er wäre mein Co-Trainer. Die Welt ist verrückt."

Um die Motivation der Mannschaft, die wegen der immer noch offenen Prämienfrage seit Tagen nicht mehr regelmäßig trainiert hat, macht sich der derzeitige Trainer von Al Ahli Dubai in den Vereinigten Aarabischen Emiraten nur wenig Sorgen. "Du musst der Mannschaft nur ein Kuvert geben und sagen, das ist dein Geld. Und die reißen dir dann das Stadion ab." Nach Informationen der "Schwäbischen Zeitung" (Montag-Ausgabe) sollen bei der Kreissparkasse von Wangen im Allgäu zwei Geldkoffer abgegeben worden sein.

Sport völlig ins Hintertreffen geraten

Wegen der Trainerposse ist das Sportliche beim WM-Neuling völlig in den Hintergrund geraten. Weil unklar ist, wer die Mannschaft aufstellt, stehen taktische Ausrichtung und Aufstellung der Mannschaft nicht fest. Immerhin ist der lange im Raum stehende Boykott des ersten WM-Spiels vom Tisch. Dies hatte Starspieler Emmanuel Adebayor vom FC Arsenal bereits am Sonntag erklärt.

Südkorea hingegen kann sich voll und ganz auf das sportliche Geschehen konzentrieren. "Alle sind fit. Das ist das Wichtigste", sagte Coach Dick Advocaat. Das Theater beim Gegner müsse kein Vorteil sein: "Ein Team kann durch so etwas ja auch noch enger zusammen wachsen. Die Spieler jedenfalls strotzen nur vor Selbstbewusstsein."

"Wir sind bei dieser WM kein Außenseiter. Wir hoffen, dass wir noch besser sein können als 2002", sagte Mittelfeldstar Ji-Sung Park von Manchester United. Damals wurde Südkorea nach einem 0:1 im Halbfinale gegen Deutschland Vierter. Das 1:3 im letzten WM-Test gegen Ghana nahm Advocaat locker: "Da hatten meine Spieler noch keine Form." (Von Marc Zeilhofer und Matthias Jung, dpa)

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