WM 2010 : Die beste Zeit zum Streiken

Durban bereitet sich intensiv auf die Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2010 in Südafrika vor, doch die Zeremonie am Sonntag wird möglicherweise weniger glanzvoll als geplant. Ein erneuter Bauarbeiter-Streik stört die Planung ganz gewaltig.

Durban - Nur einen Tag nach dem Ende des Ausstands auf der Baustelle des Fußball-Stadions in Durban legten am Mittwoch die Beschäftigten in Nelspruit die Arbeit nieder, um für höhere Löhne und bessere Bedingungen bei der Errichtung der dortigen Mbombela-Arena zu protestieren. Kurz vor der Los-Zeremonie im Internationalen Congress Centrum von Durban nutzen die Arbeiter offenbar das steigende internationale Interesse, um eine Aufstockung der aus ihrer Sicht unzureichenden Entlohnung zu erzwingen.

„Zu streiken, ist das Recht aller Arbeiter auf der ganzen Welt. Unsere Aufgabe ist es, die Beteiligten schnell zu einer Einigung zu bewegen“, sagte der Geschäftsführer des WM-Organisationskomitees, Danny Jordaan – und verwies nahezu entschuldigend auf die Bahnstreiks in Deutschland und Frankreich.

Dabei will sich Südafrika eigentlich als würdiger Gastgeber für 2010 präsentieren und endlich alle Nachrichten über bedrohliche Kriminalitätsraten und gravierende Organisationsprobleme relativieren. „Die Auslosung wird helfen, das falsche Bild zu korrigieren. Es wird ein Weltklasse-Ereignis“, sagte Jordaan. Die Arbeiter in Durban hatten mit ihrem Streik Zusatzzahlungen von etwa 600 Euro pro Person erreicht. Angestellte der auf den Baustellen arbeitenden Subunternehmen bekommen aber weiterhin nicht den nationalen Mindestlohn.

Den eng angelegten Zeitrahmen bis zur geplanten Fertigstellung in Gefahr bringen können die Streiks derzeit aber nicht, versicherte Horst R. Schmidt. Der vom Weltverband Fifa entsandte deutsche WM-Berater sagte: „Kurze Streiks von ein paar Tagen machen nichts aus.“ Die vier Stadion-Neubauten und sechs Umbauten sind ohnehin nicht Südafrikas größtes Problem. Die Sicherheit der WM-Besucher und das praktisch nicht existierende öffentliche Transportsystem stellen die Organisatoren vor größere Aufgaben. „Die Sicherheit bewegt uns alle. Jeden Tag bekommen wir Nachricht, dass kriminelle Dinge passiert sind. Ich kann nur sagen, dass alle Organe sehr konsequent an einem Sicherheitsplan arbeiten“, betonte Schmidt.

Südafrika hat eine der weltweit höchsten Mord-, Raub- und Vergewaltigungsraten. Überfälle sind in den Metropolen an der Tagesordnung. Bei der WM sollen 176 000 Polizisten und 40 000 Reservisten einsatzbereit sein. Zudem sollen private Sicherheitsdienste auftreten. Alle entscheidenden Plätze sollen laut Schmidt 2010 mit einer „Sicherheitsgarantie“ versehen sein. Jordaan verweist auf Südafrikas Erfahrung – wie bei der Rugby-WM 1995, der bislang größten Sportveranstaltung auf afrikanischem Boden: „Es kam bei Sportereignissen bislang zu keinem Zwischenfall.“ dpa

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