WM 2010 : Middendorp warnt vor Kriminalität in Südafrika

Ernst Middendorp rät Touristen bei der WM in Südafrika dringend Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Der Trainer von Arminia Bielelfeld, der selbst zwei Jahre in Johannesburg lebte, glaubt nicht, dass bis 2010 das Gewaltproblem gelöst sein wird.

Ernst Middendorp
Südafrika-Experte: Ernst Middendorp hat zwei Jahre lang die Kaizer Chiefs in Johannesburg trainiert. -Foto: ddp

BielefeldTrainer Ernst Middendorp hat nach der Ermordung des österreichische Ex-Profis Peter Burgstaller im Hinblick auf die WM 2010 in Südafrika auf die Beachtung wichtiger Sicherheitsgrundsätze hingewiesen. Der Coach von Arminia Bielefeld war zwei Jahre lang Trainer des Renommierklubs Kaizer Chiefs aus Johannesburg und ist Insider des südafrikanischen Fußballs. "Als Gast soll man sich wie in jedem fremden Land an gewisse Regeln halten", sagte der 49-Jährige dem Kölner Express. Weiter führte er aus: "Nie alleine in sogenannte Problemviertel gehen. Wenn man nachts aus einem Restaurant kommt, sollte man sofort ein Taxi nehmen. Es könnte unangenehme Folgen haben, wenn man 500 Meter zu Fuß zurücklegen will. Es ist wichtig, dass man sich vor Antritt einer Reise darüber informiert, was man darf und was nicht."

Auf dem Golfplatz erschossen

Im Vorfeld der WM-Qualifikations-Gruppenauslosung in Durban war Burgstaller (früherer Torwart von Austria Salzburg) von unbekannten Tätern auf einem mit einem Zaun gesicherten Golfplatz erschossen worden und einem Raubmord zum Opfer gefallen. Dieser Vorfall hatte die Sicherheits-Diskussion in Südafrika, wo im vergangenen Jahr knapp 20.000 Morde registriert wurden, erneut entfacht.

Im Sport1-Interview erklärte Middendorp zu dem Thema: "Man muss schon wissen, wo man sich insbesondere nachts bewegen kann. Es gibt Orte, wo man sich nicht aufhalten sollte." Jeder müsse wissen, dass an bestimmten Plätzen die Gefahren, dort überfallen zu werden, einfach größer seien, erklärte er. Middendorp mahnt die "Bereitschaft an, von diesen Risiken Kenntnis zu nehmen".

Dass die südafrikanische Regierung die Gewaltproblematik bis zur WM-Endrunde in den Griff bekommt, glaubt der Arminia-Coach nicht: "Ich denke, dass man die soziale Situation in den kommenden drei Jahren nicht lösen kann. Dafür ist die Zeit zu kurz." Das Auswärtige Amt empfiehlt deshalb bei Südafrika-Besuchen folgende Vorsichtsmaßnahmen: "Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt sollten nach Geschäftsschluss und an Sonntagen gemieden werden. Auch tagsüber wird zu erhöhter Vorsicht geraten. Sowohl Stadtbesichtigungen als auch Township-Besuche sollten in organisierter Form unter ortskundiger Führung stattfinden."

Bei Rot nicht an der Kreuzung halten

Abgeraten wird vom Benutzen der Vorortzüge in Johannesburg, Pretoria, Durban und zum Teil in Kapstadt. Wegen der Gefahr von Fahrzeugentführungen und sogenannten "smash-and-grab"-Überfällen sollten im Auto die Fenster immer geschlossen und die Türen von innen verriegelt sein. Handtaschen, Fotoapparate sollten nicht sichtbar im Auto liegen. Etliche Straßenkreuzungen sind als sogenannte "Crime Hotspots" gekennzeichnet. Dort soll man mit dem Auto selbst bei auf rot geschalteten Ampeln besser nicht anhalten.

Middendorp sieht die WM 2010 allerdings als Chance, die nach wie vor vorhandenen Gräben zwischen Schwarz und Weiß in Südafrika zu überwinden. "Fußball ist immer noch der beliebteste Sport bei den Farbigen, die sehr emotionsgeladen das Geschehen verfolgen. Während die weiße Bevölkerung eher Rugby und Cricket bevorzugt. Doch bereits bei der WM 2006 konnte man sehen, dass die Begeisterung überschwappt. Der Fußball kann schwarz und weiß zusammenbringen", äußerte Middendorp. (mit sid)

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