WM 2011 : Neun für Deutschland

Die Austragungsorte der Frauenfußball-WM 2011 stehen fest – Bielefeld und Magdeburg fallen durch, Sinsheim und Dresden sind dabei.

Frank Bachner
Frauenfußball_WM
Einkleidung für 2011: TV-Moderatorin Monica Lierhaus erhält ihr persönliches Trikot für die WM 2011. -Foto: dpa

Berlin - Der Countdown wurde auf einer blauen Tafel links von der Bühne in digitalen Ziffern heruntergezählt. Als Angela Merkel im Bundeskanzleramt auf die Bühne trat, da waren es noch genau 1000 Tage, zwei Stunden, 43 Minuten und 58 Sekunden bis zum Beginn der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. Und es waren noch 1000 Tage, zwei Stunden, zwölf Minuten und 15 Minuten, als gestern der erste Spielort dieser WM verkündet wurde: Mönchengladbach.

Darum ging es schließlich gestern am Hauptarbeitsplatz von Bundeskanzlerin Merkel, 1000 Tage vor der WM, bei der Deutschland als Titelverteidiger antritt: Wer gehört zu den Städten, in denen die Spiele ausgetragen werden? Die Bekanntgabe wurde als kleine Show inszeniert, mit der Kanzlerin als Hauptdarstellerin. Elf Städte hatten sich beworben, neun wurden berücksichtigt: Berlin, wo das Eröffnungsspiel stattfindet, Frankfurt am Main, wo aller Wahrscheinlichkeit nach das Finale stattfinden wird, dazu noch Augsburg, Sinsheim, Bochum, Wolfsburg, Mönchengladbach, Leverkusen und Dresden. Durch den Rost fielen Magdeburg und Bielefeld.

„Es war eine unglaublich schwere Entscheidung“, sagte Wolfgang Niersbach, der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Alle Städte haben eine sehr starke Bewerbung abgegeben.“ DFB-Mediendirektor Harald Stenger erklärte dann im Detail, weshalb Magdeburg und Bielefeld trotz ihrer starken Bewerbungen leer ausgegangen waren. „Als klar war, dass der Westen drei Spielorte erhalten würde, wollte man jedem der drei dortigen Landesverbände des Regionalverbands eine Stadt zuordnen.“ So wurden problemlos Leverkusen und Mönchengladbach ausgewählt. Nur zwischen Bochum und Bielefeld, im gleichen Landesverband gelegen, gab es dann ein Duell. Letztlich habe dann die Fußballbegeisterung in Bochum den Ausschlag für die Stadt gegeben, sagte Stenger. „Wir haben uns für die Herzkammer des Ruhrgebiets entschieden.“ Und Magdeburg habe einfach zu nahe bei Dresden und Berlin gelegen. „Für den Bereich des Nordostens waren Dresden und Berlin die bessere Wahl“, sagte Stenger. Zudem wäre es in Magdeburg notwendig gewesen, für drei Millionen Euro das Stadion in einigen Bereichen zu verbessern.

Berlin war gesetzt, allerdings erhielt die Hauptstadt den Zuschlag nur, weil dort lediglich das Eröffnungsspiel stattfinden wird. In sieben weiteren Spielorten werden vier Spiele, in einer Stadt drei Spiele ausgetragen.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) reagierte enttäuscht auf die Absage an seine Stadt. „Heute früh haben wir die Mitteilung bekommen, wir sind nicht dabei“, sagte er gestern Vormittag in einem Radiointerview. „Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir haben alle Bedingungen erfüllt. Da kann man sich abrackern wie man will. Dass man im Osten keinerlei Chancen hat, wahrgenommen zu werden, ist enttäuschend.“ Dem widersprach Stenger. „Ich habe großes Verständnis für die Enttäuschung“, sagte er. „Aber die Entscheidungen haben garantiert nichts damit zu tun, dass man den Osten nicht genügend wahrnimmt.“ Im Gegenteil, innerhalb eines Jahres würden in Magdeburg vier große DFB-Veranstaltungen ausgetragen.

Der DFB hat jetzt allerdings ganz andere Sorgen, als sich mit beleidigten Oberbürgermeistern herumzuärgern. Er muss versuchen, alle WM-Karten loszubekommen. Und das wird zu einer Herausforderung. „Bei der WM 2006 hatten wir viel, viel mehr Kartenwünsche, als wir erfüllen konnten“, sagte Niersbach. „Diesmal haben wir eine Million Karten, und wir müssen kämpfen, dass wir alle absetzen. Unser Ziel ist es, dass alle WM-Spiele ausverkauft sind.“

Beim Eröffnungsspiel dürfte das eigentlich kein Problem sein. Die Auftaktpartie bestreitet traditionell der Gastgeber, also Titelverteidiger Deutschland. Und Niersbach verkündete auf der Bühne: „Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft denkt, dass mit ihr das Olympiastadion ausverkauft sein wird.“ Das wären dann 74 000 Zuschauer. Da würde Hertha BSC neidisch.

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