• WM 2014 - Algerien: Albert Camus - Ein Brief an Algeriens bekanntesten Fußballspieler

WM 2014 - Algerien : Albert Camus - Ein Brief an Algeriens bekanntesten Fußballspieler

Algeriens bekanntester Fußballspieler? Albert Camus! Wie groß seine Leidenschaft war, kann man in dem Brief nachlesen, den sein Jugendfreund Abel Paul Pitous an ihn geschrieben hat.

Nobelpreisträger Albert Camus war auch ein brillanter Torwart.
Nobelpreisträger Albert Camus war auch ein brillanter Torwart.Foto: dpa

Alles, was ich über Moral und Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball“, hat Albert Camus einmal bekannt. Im Algier der späten 1920er Jahre, wo er im Armenviertel Belcourt aufwuchs, spielte der spätere Literatur-Nobelpreisträger leidenschaftlich Fußball und stand im Tor. Jahre nach seinem Unfalltod 1960 schrieb ihm sein Jugendfreund Abel Paul Pitous, wie er 1913 geboren, einen Brief, in dem er auch die gemeinsame Fußballzeit nachzeichnet: „Dein Name ist für mich ein Koffer voller Fußballerinnerungen.“ Hier ein Auszug. Der vollständige Brief ist als Buch im Arche Literatur Verlag erschienen.

Als Junge träumte ich davon, zu jenen zu gehören, die bei der Eröffnungsfeier als Erste die fünfzehn- bis zwanzigtausend Menschen zum Jubeln bringen würden, weil sie die Ehre hätten, „mein“ Stadion einzuweihen ... ja, ich hegte die Hoffnung, in der algerischen Auswahl mitzuspielen, die zur Eröffnung gegen eine große französische oder ausländische Mannschaft antreten würde!

Warum auch nicht? Hatte mich nicht die große Mannschaft von Gallia, die algerischer Meister war, auf ihre wunderbare Reise zum Spiel in Tunesien mitgenommen? Und gaben meine Leistungen, obwohl ich erst sechzehneinhalb war, mir nicht auch ein bisschen das Recht zu träumen?

Du wusstest das. Und Du wusstest auch, dass ich am Tag des großen Fußballfestes traurig in den Rängen sitzen würde, obwohl die Organisatoren eine berühmte Mannschaft dazu eingeladen hatten: Die Wiener Admira, einer der besten Vereine Österreichs, glaube ich, sollte gegen eine algerische Auswahl antreten.

Und ich hatte seit Monaten, ich weiß nicht mehr, wie vielen, keinen Platz mehr betreten und keinen Ball mehr berührt. Dieselbe Krankheit wie bei Dir hatte aus mir dem „Fußballverrückten“, einen ziemlich ruhigen kleinen Mann gemacht, der kaum wiederzuerkennen war.

"Besorg ihm gute Schuhe"

Und dennoch ... Zur Eröffnung, vor dem großen Match, gab es noch ein verspätetes Tabellenspiel zwischen Racing Universitaire Algérois und der Schülermannschaft von El-Biar N.S.C.E.B. Die Ferien hatten gerade begonnen, und RUA verfügte nicht über seine volle Mannschaftsstärke. Ein paar Minuten vor dem Anpfiff saßen Georgeot, Du und ich auf der Tribüne als einer der Oberen Dich entdeckte und aufgeregt zu Dir hinstürzte: „Uns fehlt noch ein Spieler, Camus, schnell, du musst jemanden organisieren, der im Mittelfeld oder im Angriff spielen kann!“

Du hast keine Sekunde gezögert, Dich zwischen Georgeot, der noch für Gallia qualifiziert war, und mir, dem Rekonvaleszenten, zu entscheiden. „Hier sitzt er“, sagtest Du zu ihm, „dein Mittelfeld oder Sturm, Popaul von Gallia. Er hat seit einem Jahr nicht mehr gespielt, sie werden nicht kontrollieren, ob er sich qualifiziert hat; er ist noch ein bisschen schwach und hält bestimmt nicht beide Halbzeiten durch, aber ich bin mir sicher, dass sein kleines Viertelstündchen El-Biar den Rest geben wird ... Besorg ihm gute Schuhe!“

Die beiden Teams liefen auf das Spielfeld. Bevor die Partie begann, tauschten sie ein paar Pässe aus, schossen aufs Tor, wärmten sich auf, Ich sah sie nicht; ich fühlte mich erdrückt von den Menschenmassen, die die Tribünen gestürmt hatten und sich auf den überdachten Plätzen in der Kurve „ballten“ ... erdrückt vom Ausmaß dieses riesigen Stadions, in dem ich mit meinen sechzig Kilo und ein Meter sechzig unterging ... erdrückt von der Befürchtung, dass meine Beine noch zu schwer wären und meine Atmung zu schwach ... dass ich zu lange untätig gewesen war und meine Kräfte zu lange geschont hatte ... besorgt, ob ich den richtigen Moment finden würde, sie einzusetzen, aus mir herauszugehen und zu gewinnen ... ja, zu gewinnen und mich bei Dir zu bedanken.

Dann der Anpfiff. In der ersten Halbzeit war ich „Statist“ und nahm nur ein paar Bälle an, die mir zugespielt wurden ... In der Pause blieb ich auf dem Spielfeld sitzen, den Rücken wie aus Scham oder alter Gewohnheit an einen Torpfosten gelehnt, wie ich es früher immer gemacht hatte, um über die beste Taktik für den Rest des Spiels nachzudenken.

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