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WM 2014 - Argentinien schlägt Belgien : Argentiniens Minimalisten siegen

Zum ersten Mal seit 1990 steht Argentinien im Halbfinale einer Weltmeisterschaft, bangt aber um Angel di María. Gegen enttäuschende Belgier reichte ein Treffer von Gonzalo Higuain zum 1:0-Endstand.

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Jubel: Torschütze Higuain (m.) mit Lionel Messi (r.) und Angel di Maria.
Jubel: Torschütze Higuain (m.) mit Lionel Messi (r.) und Angel di Maria.Foto: afp

Niemand bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft singt so schön und laut wie die Argentinier. Am Samstag in Brasilia war es besonders schön und laut, denn zum ersten spielte die argentinische Mannschaft auch großartigen Fußball, jedenfalls phasenweise. Die erste Halbzeit beim 1:0 (1:0)-Sieg war die mit Abstand beste des WM-Favoriten, mit einem großartigen Lionel Messi und dem frühen Siegtor, erzielt von Gonzalo Higuaín. Endlich einmal spielte Argentinien wie Argentinien. „Das war ein wunderbares Spiel“, schwärmte Argentiniens Trainer Alejandro Sabella, „eine taktisch und strategisch sehr gute Leistung, wir sind sehr glücklich.“ 

Sabella klammerte dabei großzügig aus, dass   68 551 Zuschauer im Estadio Nacional eine deutlich schwächere zweite Halbzeit erlebten und Argentiniens  Qualifikation für das Halbfinale geriet schon ein paar Mal in Gefahr während der belgischen Schlussoffensive. Egal, das Volk auf den steilen Rängen dieses wunderschönen und mangels Erstligafußball eigentlich überflüssigen Stadions jubelte und sag und schwenkte himmelblau-weiße Fahnen. Zum ersten Mal seit 24 Jahren hat es Argentinien bei einer Weltmeisterschaft wieder unter die letzten vier geschafft. EIner ging dabei aber verloren. Mittelfeldspieler Angel di María schied mit Verdacht auf Oberschenkelzerrung aus. „Wir werden sehen, wie es sich bei ihm entwickelt“, sagte Sabella. „Angel ist einer unserer Schlüsselspieler.“

Higuain mit Wucht zur Führung

Wie eigentlich immer lief auch in Brasilia vieles, wenn nicht alles über Lionel Messi. Schon nach ein paar Minuten fand sein erster öffnender Pass auf dem linken Flügel Ezequiel Lavezzi, aber der vermochte mit der schönen Gabe nicht viel anzufangen und schon war die Chance vertan. Gleich beim nächsten Versuch machten es die Argentinier besser. Nach Vincent Kompanys Ballverlust schlug Messi ein paar Haken, leitete weiter auf  di María, der Higuaín ins Spiel brachte. Der Stürmer vom SSC Neapel hatte bei der WM noch nicht viel gezeigt, aber in diesem Moment machte er alles richtig: Higuaín drehte sich, hob kurz den Kopf und wuchtete den Ball vom Kreidestrich der Strafraumgrenze mit dem rechten Fuß ins linke Eck. Auf hohem Niveau entscheiden Kleinigkeiten“, befand Belgiens Trainer Marc Wilmots. „Dieser kleine Fehler war leider einer zu viel.“

Die frühe Führung verlieh dem argentinischen Spiel eine Leichtigkeit, wie bei den drei Vorrundensiegen und beim höchst schmeichelhaften 1:0 im Achtelfinale über die Schweiz nicht zu sehen war. In Brasilia hatten die Argentinier eine sehr gute erste Halbzeit lang viel Spaß, allen voran Messi.  Aus der eigenen Hälfte des Platzes zirkelte er den Ball im Bogen um die belgische Abwehr herum in den Lauf von di María, der nur noch Kompany vor sich hatte, an diesem aber hängen blieb mit seinem Schussversuch. Bei dieser Aktion hatte offensichtlich di Marías Oberschenkel rechter Schaden genommen. Er versuchte es noch ein paar Minuten, aber es reichte nur noch zu hinkenden Gehversuchen zwischen zwei Behandlungspausen. Nach einer halben Stunde war das Spiel für Messis wichtigsten Adjutanten vorbei.

Das bedeutete natürlich eine dramatische Schwächung, aber da war ja noch Lionel Messi. Einmal umdribbelte er am Strafraum auf engstem Raum die Belgier Jan Vertonghen, Maraoune Fellaini und Axel Witsel, bis sie ihn zu dritt endlich zum Aufhören zwangen, allerdings auf Kosten eines Freistoßes. Messi schoss ihn natürlich selbst und es fehlten nur ein paar Zentimeter zum 2:0. Es gab weitere Chancen. Higuaín hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit zweimal das zweite Tor auf dem Fuß. Beim ersten Mal fälschte Daniel van Buyten seinen Schuss noch zur Ecke ab, beim zweiten Mal hatte er Pech. Nach einem Sprint über den halben Platz hatte Higuaín noch die Kraft für einen guten Abschluss und schoss den Ball an die Latte.

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Belgien enttäuschend

Und Belgien? Vom vielgerühmten Offensivspiel war erst spät etwas zu sehen. Kevin de Bruyne stand mit seinen schüchternen Regieversuchen eine Stunde lang deutlich in Messis Schatten, Eden Hazard bekam kaum einmal den Ball. Die erste Torchance ließ bis in die finalen Minuten der ersten Halbzeit auf sich warten. Kevin Mirallas’ Kopfball flog einen Meter am Tor vorbei. Erst in der letzten halben Stunde erweckten die Belgier den Eindruck, als würden sie mit letztem Einsatz um den Einzug in ein WM-Halbfinale kämpfen. Fellaini hatte die größte Chance zum Ausgleich, als Vertonghen von links flankte, aber er bekam keine Kontrolle mehr über den Ball und köpfte ihn einen halben Meter über die Latte.

Solche Phasen belgischer Aufmüpfigkeit hätten schon etwas früher kommen müssen. Die Argentinier standen mit zunehmender Spielzeit immer tiefer, Messi legte schon mal längere Pausen ein und langsam entglitt ihm und seinen Kollegen die Kontrolle. Kurz vor Schluss nahm Trainer Alejandro Sabella den Torschützen Higuaín vom Platz und brachte Fernando Gago, einen ballsicheren Defensivstrategen. Es ging nur noch um das sportliche Überleben.

Mit der Kraft der Verzweiflung rannten die Belgier an. De Bruyne ging weite Weg und riss das Spiel an sich, es kam zu Turbulenzen im argentinischen Strafraum, aber kaum zu richtigen Torchancen. Belgiens Schlussoffensive blieb ohne nachhaltige Wirkung. Beinahe hätte es sogar noch ein zweites argentinisches Tor gegeben. Messi, wer sonst, lief ganz allein auf das belgische Tor und wollte den Ball über Thibaut Courtois chippen, aber das wäre dann doch ein bisschen zu viel der Chuzpe. Der belgische Torhüter parierte, vorn setzte Fellaini einen letzten Schuss über das Tor und dann war Schluss, nach fünf ewig langen Nachspielminuten.

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