WM 2014: Brasilien - Holland um Platz drei : Neymar sieht Brasilien untergehen

Brasilien enttäuscht auch im letzten WM-Spiel auf ganzer Linie, die Niederlande gewinnen im Spiel um Platz drei - trotz Motivationsproblemen davor. Toni Kroos wird weiter gelobt - und Bastian Schweinsteiger dankt einem fast vergessenen Teamkollegen. Der Tag im WM-Blog!

von und David-Emanuel Digili
Leistet seinem Team auf der Bank Gesellschaft: Brasiliens verletzter Superstar Neymar.
Leistet seinem Team auf der Bank Gesellschaft: Brasiliens verletzter Superstar Neymar.Foto: reuters

01.45 Uhr: Bilder eines enttäuschten, gebrochenen Gastgebers: Das Spiel um Platz drei haben wir hier in einer Bildergalerie für Sie aufbereitet. Damit schließt das WM-Blog für heute - und ist bereits am frühen Sonntag wieder für Sie da, mit allen Infos, News und Hintergründen zum großen Tag: Das WM-Finale Deutschland - Argentinien, der Klassiker, das Spiel um den vierten Stern fürs DFB-Team. Hier berichten wir für Sie vom Rennen um den Titel, vom größten Spiel der Nationalmannschaft seit dem WM-Finale 2002.

01.10 Uhr: Mit Trauer und Bestürzung haben Millionen Brasilianer die Niederlage ihrer Seleção im Spiel um WM-Platz drei verfolgt. An Rios Copacabana verließen Tausende brasilianische Anhänger in Nationaltrikots
enttäuscht das FIFA-Fanfest nach der bitteren 0:3-Niederlage gegen die Niederlande. „Vergonha total!“ (Totale Schande), entfuhr es einem Fan, der noch vor Ende der Partie kopfschüttelnd das Gelände an der Avenida Atlântica verließ.

Auch im Mané-Garrincha-Stadion von Brasília waren nach und nach die Gesänge der Fans verstummt, die lange Zeit noch „Pentacampeão“ (Fünffachweltmeister) skandiert hatten. Zum Schluss waren es vor allem Pfiffe. Brasilien steht nach der WM sportlich vor einem Scherbenhaufen. „Brasilianischer Black-Out: Teil 2. Neues Leiden“, schrieb die Sportzeitung „Lance!“ nach der Partie mit Blick auf das 1:7-Debakel am Dienstag im Halbfinale gegen Deutschland.

00.10 Uhr: Planlos, mittellos, ausgebuht - Brasilien ist nicht mal mehr zum Weinen, schreibt unser Autor Armin Lehmann. Und die Niederlande? Denen hat eine höchstens durchschnittliche Leistung zum Sieg gereicht. Den Spielbericht zur Partie um Platz drei finden Sie hier.

23.55 Uhr: Pfeifkonzert in Brasilia: In der Nachspielzeit trifft Hollands Wijnaldum zum 3:0, die Niederlande sichern sich Platz 3 - ein trauriger Abschied der Brasilianer. Hier können Sie das Spiel im Live-Ticker nachlesen.

23.25 Uhr: Ob er auch dieses Mal im Stadion ist? Denn Mick Jagger ist an allem schuld! Sobald er im Fanblock einer Mannschaft sitze oder auch nur Tipps auf sie abgebe, verliere diese, unkt man in Brasilien über "pe frio" (kalter Fuß), der im Spiel gegen Deutschland im brasilianischen Block saß und so wohl für die Staatstrauer mitverantwortlich war. "Paint it black" also im wahrsten Sinne des Wortes...

"Mick, Holland zählt auf Dich!" - Angstfigur Mick Jagger...
"Mick, Holland zählt auf Dich!" - Angstfigur Mick Jagger...Foto: dpa

22.55 Uhr: Zur Halbzeit ein Blick auf die Staatsmacht: Das Halbfinal-Aus der Brasilianer hält Einzug in die Politik. "Jetzt ist es nicht nur an der Zeit, die Nationalmannschaft zu überdenken, sondern Brasilien als Ganzes", sagte Präsidentschaftskandidat Aecio Neves. Die Umfragewerte von Amtsinhaberin Dilma Rousseff stiegen im Laufe der WM dennoch.

Mit Blick auf das Halbfinale gegen Deutschland gab Rousseff indes zu, dass das 1:7 schwer zu verarbeiten sei. „Jede Niederlage ist traurig. Wir werden noch lange in Brasilien darüber debattieren, wie und weshalb es dazu kam“, erklärte die Präsidentin. „Die Deutschen waren in der zweiten Halbzeit außerordentlich behutsam, sie waren wirklich rücksichtsvoll“, sagte die 66-Jährige.

22.30 Uhr: Nach einer knappen halben Stunde Spielzeit in Brasilia müssen wir sagen: Nicht nur auf dem Platz treffen Welten (hier desolate Brasilianer, dort überraschend motivierte Niederländer) aufeinander, auch auf den Bänken beider Teams dürften die Gefühlslage durchaus unterschiedlich sein: Hier Neymar, der die Brasilianer zumindest moralisch unterstützen wollte und wohl froh ist, dort nicht auf dem Rasen stehen zu müssen, dort der kurzfristig verletzte Wesley Sneijder, der sich über (bisher) so einfache Aufgabe sicher gefreut hätte...

22.10 Uhr: Zehn Minuten gespielt in der Partie um Platz 3 - und für die Brasilianer nimmt das Spiel schon ähnliche Züge an wie das Halbfinale gegen Deutschland: Bereits nach knapp 90 Sekunden gab es einen (fragwürdigen) Elfmeter für die Niederlande, Robin van Persie traf zum 1:0 für "Oranje". Verfolgen Sie das Spiel hier im Live-Ticker.

Brasiliens Trainer Scolari (r.) und Mittelfeldspieler Oscar nach dem Halbfinale gegen Deutschland.
Brasiliens Trainer Scolari (r.) und Mittelfeldspieler Oscar nach dem Halbfinale gegen Deutschland.Foto: Reuters

21.50 Uhr: Noch zehn Minuten bis zum Duell der Frustrierten - oder gelingt einem der Halbfinal-Verlierer doch noch ein einigermaßen versöhnlicher Abschluss der WM? Brasilien - Niederlande ab 22.00 Uhr hier im Live-Ticker.

21.30 Uhr: Nach dem Halbfinal-Desaster gegen Deutschland hat der Scolari seine Startelf gleich auf sechs Position geändert. Im Spiel um Platz drei gegen die Niederlande kehrt am Samstag (22.00 Uhr MESZ) in Brasília der zuvor gesperrte Kapitän Thiago Silva für Bayern-Profi Dante in die Innenverteidigung zurück. Auf der linken Abwehrseite beginnt Maxwell anstelle von Marcelo, im defensiven Mittelfeld darf Paulinho statt Fernandinho neben Luiz Gustavo starten.

In der Offensive gibt es gleich drei Wechsel: Ramires und Willian besetzen die Außenpositionen für Bernard und Hulk. In der Sturmspitze darf erstmals bei dieser WM Jô beginnen, der auch beim 1:7 gegen Deutschland schwache Fred bleibt zunächst draußen. Beim Oranje-Team setzt Bondscoach Louis van Gaal bis auf eine Position auf die gleiche Anfangsformation wie beim Halbfinal-Scheitern im Elfmeterschießen gegen Argentinien. Für Nigel de Jong rückt Jordy Clasie ins defensive Mittelfeld.

21.00 Uhr: Sag zum Abschied leise "Seleção": Das Spiel um Platz 3 wird das letzte einer gescheiterten Generation, schreibt unser Autor Sven Goldmann hier zum Auftritt der Brasilianer ab 22.00 Uhr - und sieht einen Neuanfang beim fünfmaligen Weltmeister als zwingend an. Denn die Mannschaft von Trainer Luis Felipe Scolari "war einfach nicht gut genug". Der Trainer wird im eigenen Land harsch kritisiert - aus verschiedensten Gründen. Wie haben Sie die Spiele des Gastgebers gesehen, liebe Leser?

20.30 Uhr: Nicht nur die "Elftal" zeigt Motivationsprobleme, auch beim Gastgeber mag sich keine rechte Begeisterung vor der Partie um 22.00 Uhr einstellen. ZDF-Experte Oliver Kahn bestätigt im WM-Studio die Wahrnehmung: "Der Stecker ist raus bei den Brasilianern" sieht er bei den Anhängern der "Seleção" das Interesse für die WM im Generellen und das Spiel um Platz 3 im Speziellen auf einem Tiefpunkt. Die ganz große Begeisterung sei nach dem 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland nicht mehr da - zu Recht, liebe Leser?

20.00 Uhr: Es wird weiter leidenschaftlich kommentiert: "Eine alte Weisheit: Wenn man das Verlieren gelernt hat, macht das Gewinnen um so mehr Spaß!" mahnt User "Erkenner", das Spiel um Platz 3 der WM doch bitte ernst zu nehmen. Auch "rob1969" meint: Die Partie wäre letztendlich doch sinnvoll, "weil es für die Verlierer der HF-Spiele eine Chance darstellt, sich zu 'rehabilitieren'. Und die bisher nicht eingesetzten Spieler kommen auch mal zum Zug. Das Spiel um Platz 3 bei der WM 2010 war schön anzusehen. Fünf Tore und jede Menge Spielfreude." Tatsächlich hat die deutsche Mannschaft aus den Turnieren 2006 und 2010 doch positive Erfahrungen mit diesem in der Wahrnehmung so unbeliebten Spiel...

"ma12" bringt sogar noch einen neuen Ansatz ein: "Im Gegenteil würde ich es bevorzugen, dass man statt im Viertelfinale rauszufliegen, in einer Platzierungsrunde um die Plätze 5-8 spielen würde. Auch würde ich dies bis in die Vorrunde durchsetzen. So weiß jede Mannschaft genau, auf welchen Platz sie im Moment steht."

Was meinen Sie, liebe Leser? Freuen Sie sich auf Brasilien - Niederlande?

Resignation bei Arjen Robben und Wesley Sneijder nach der Halbfinal-Niederlage der Niederlande gegen Argentinien.
Resignation bei Arjen Robben und Wesley Sneijder nach der Halbfinal-Niederlage der Niederlande gegen Argentinien.Foto: dpa

19.30 Uhr: Diskussion um das Spiel um den 3. Platz hin oder her - zum WM-Endspiel zwischen Deutschland und Argentinien werden am Sonntag (21.00 Uhr) Hunderttausende auf den Fanmeilen erwartet, die meisten von Ihnen in Berlin, meldet die dpa. Auf dem 1,2 Kilometer langen Abschnitt der Straße des 17. Juni können bis zu 200 000 Besucher auf 11 Bildschirmen das Geschehen in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro verfolgen. Der Platz vor der Hauptleinwand am Brandenburger Tor könnte schon Stunden vor Anpfiff eng werden. Wird es zu voll, schließen die Veranstalter die Eingänge, um Sicherheitsprobleme zu vermeiden.

Auch in Hamburg, Mainz oder Frankfurt am Main werden jeweils mehrere Zehntausend Besucher beim Public Viewing erwartet. Das Wetter wird in vielen Teilen Deutschlands wohl nicht weltmeisterlich: Der Deutsche Wetterdienst sagte Regenschauer voraus.

19.00 Uhr: Lob gibt es übrigens auch für Kevin Großkreutz - nun, "Lob" im weitesten Sinne. Kurz vor dem Ende des gemeinsamen WM-Abenteuers konnte sich Bastian Schweinsteiger eine kleine Spitze gegen WM-Dauerreservist Kevin Großkreutz nicht verkneifen. „Jungs, es war mir eine Ehre. Danke für eine tolle Zeit ohne Eskapaden. V.a. Dir, Kevin!“, twitterte Schweinsteiger mit einem Augenzwinkern.

Der Mittelfeldspieler des FC Bayern spielte damit offenbar auf die Fehltritte von Großkreutz im Vorfeld des Turniers in Brasilien an, die zu einer Verwarnung durch Bundestrainer Joachim Löw führten. Der Dortmunder war wegen einer Pinkel-Eskapade und eines Döner-Wurfs in die Schlagzeilen geraten.

18.30 Uhr: So wenig Freunde das Spiel um den 3. Platz aktuell hat, so viele neue Bewunderer hat Nationalspieler Toni Kroos: Kolumbiens Torjäger James Rodríguez hat den Mittelfeldspieler des DFB-Teams in höchsten Tönen gelobt, schreibt die dpa. Er habe gegen ihn bei der U-17-WM in Südkorea gespielt, sagte er in einem Interview des spanischen Sportblatts „Marca“ (Samstag). „Schon damals machte er den Unterschied aus“, erklärte er. Daher wäre die Entdeckung der WM 2014 als Neuverpflichtung für Real Madrid ein großer Gewinn. „Er hat sehr viel Talent.“

Auch Rodríguez, der am Samstag seinen 23. Geburtstag feierte, kann sich nach eigenen Worten einen Wechsel vom AS Monaco zu den „Königlichen“ sehr gut vorstellen. „Zu wissen, dass ein Verein wie Real Madrid Interesse an mir hat, ist eine große Ehre“, sagte er. „Für mich wäre es natürlich ein Traum, für Real zu spielen.“ Die Entscheidung sei ganz in Händen von Club-Boss Florentino Pérez. Auch "James", wie der Offensivkünstler nur genannt wird, konnte sich beim Turnier in Brasilien ins Rampenlicht spielen und erzielte sechs Tore, wäre damit aktuell bester Angreifer der WM.

18.00 Uhr: Macht das Spiel um den 3. Platz bei einer Fußball-WM überhaupt Sinn? Es wird weiter kontrovers diskutiert - auch Sie teilen Ihre Meinung mit uns, liebe Leser: Dass der dritte Rang nicht interessiert, das gäbe es nur im Fußball, meint User "Amygdala" - und bringt einen Vorschlag ein, das "kleine Finale" aufzuwerten: "Vllt. sähen das dann die Teilnehmer am kleinen Finale auch anders. Insofern sollte man das Spiel um den dritten Platz vllt. unmittelbar vor das Finale im selben Stadion legen, die Mannschaften würden im Stadion verbleiben und am Schluss alle geehrt."

User "Holunderbusch" sieht das Spiel dazu als Möglichkeit, eine Mannschaft würdig zu verabschieden: "Das Spiel um den 3. Platz ist die Chance für die Trainer, allen Spielern aus der 2. und 3. Reihe zu danken. All die Spieler, die statt Urlaub zu genießen mit zur WM fuhren, um dort hart zu traineren, aber dann gar nicht oder nur ein paar Minuten zum Einsatz zu kommen."

Die Diskussion geht weiter - einzig Brasilien und die Niederlande haben keine Wahl: Beide Teams müssen antreten. Kommentieren und diskutieren Sie mit, liebe Leser - das letzte Wort ist wohl noch nicht gesprochen.

17.30 Uhr: Die emotionale Geschichte von Monica Lierhaus - und das Versprechen von Bundestrainer Joachim Löw: Nach der schweren Erkankung der Moderatorin kam die WM 2010 noch zu früh. Eine Zielsetzung gab ihr Kraft: Das WM-Finale 2014 in Rio de Janeiro.

"Ich habe doch ein großes, echtes Ziel, dass ich unbedingt erreichen möchte", schreibt sie in unserer morgigen Ausgabe. "Als Journalistin in Brasilien beim WM-Finale dabei zu sein, im Idealfall mit deutscher Beteiligung. Mitte 2010, als es mir noch überhaupt nicht gut ging, habe ich mich unglaublich darüber gefreut, als Joachim Löw mich einmal besuchen kam, um zu schauen, wie es mir geht. Obwohl zu dieser Zeit keiner auch nur einen Cent auf mich und mein Ziel gesetzt hätte, habe ich ihm davon erzählt. Er hat mich total darin bestärkt und mit mir eine Vereinbarung getroffen. Wenn ich es als Journalistin nach Brasilien schaffe, dann sind wir am 13. Juli in Rio zum Interview verabredet! Wir hatten also das gleiche Ziel."
Die WM-Kolumne von Monica Lierhaus können Sie morgen im gedruckten Tagesspiegel oder schon heute Abend ab 19.30 in unserem E-Paper lesen.

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