WM 2014 - Deutsche Nationalmannschaft : Mesut Özil und der linke Zauberfuß

Beim Turnier kam Mesut Özil noch nicht richtig in Fahrt. Damit er das ändern kann, verzichtet er sogar aufs Fasten. Nicht so die Algerier. Joachim Löw warnt dennoch vor deren Laufstärke und will sich aufs eigene Können konzentrieren.

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Mesut Özil will nicht fasten und mit seinem linken Fuß endlich zaubern.
Mesut Özil will nicht fasten und mit seinem linken Fuß endlich zaubern.Foto: AFP

Noch wartet Deutschland ja auf die magischen Momente, die Mesut Özil mit seinem linken Wunderfüßchen ins Spiel streuen kann. Bisher spielt er so – nun ja – irgendwie mit. Außerhalb des Platzes aber ist dem schüchternen jungen Mann ein solcher Moment schon gelungen, wenngleich wohl eher unabsichtlich. Als er neulich, es war der Tag vor dem USA-Spiel in Recife, gefragt wurde, wie er es mit dem an diesem Samstag beginnenden Ramadan zu halten gedenke, antworte der deutsche Nationalspieler türkischer Abstammung: „Ich kann da leider nicht mitmachen, weil ich arbeiten muss.“

Herrlich! Könnte Özil doch nur seine Füße so sprechen lassen, hier bei der WM, wo jetzt die entscheidende Knock-out-Phase anbricht. Und mit ihr der muslimische Fastenmonat. Mesut Özil, darauf könnten sich Joachim Löw und alle Landsleute verlassen, Mesut Özil wird arbeiten. Wie auch immer er das gemeint hat. Nicht ganz so klar ist das beim kommenden Gegner der Deutschen. Am Montag trifft die Mannschaft von Joachim Löw in Porto Alegre auf Algerien. Für das Team des bosnischen Trainers Vahid Halilhodzic stellt die heilige Zeit eine höhere Herausforderung dar.

Im deutschen Team haben neben Özil nur noch zwei weitere Spieler einen muslimischen Hintergrund: Sami Khedira, dessen Vater aus Tunesien stammt, sowie Shkodran Mustafi, Sohn albanischer Eltern. Da sie als Leistungssportler in Deutschland aufgewachsen sind, pflegen sie einen offenen, pragmatischen Umgang mit der Fastenzeit. „Das hat keinerlei Auswirkungen auf uns“, sagte Löw gestern, dem der Umgang in dieser Angelegenheit auch noch aus seiner Zeit als Trainer bei zwei türkischen Vereinen bestens vertraut sei. Aus seiner Erfahrung würden Fußballprofis, die noch dazu auf Reisen sind, die Fastentage später nachzuholen.

Dem 54-Jährigen geht es vielmehr um die sportliche Herausforderung, die das Team Algerien darstellt. Für den Bundestrainer kam es etwas überraschend, dass die Nordafrikaner in ihrer Gruppe Mannschaften wie Russland und Südkorea hinter sich gelassen haben. „Wenn jemand glaubt, es mit einem vermeintlich leichteren Gegner zu tun zu bekommen, der begeht einen riesengroßen Fehler“, sagte Löw und hob dabei seinen Finger. Die Algerier seien keine Mannschaft, die man mal eben im Vorbeigehen auf dem Weg hin zum Viertelfinale in Rio de Janeiro aus dem Weg räume. Gleich gar nicht in der K.-o.-Phase. „Unsere Mannschaft brennt auf das Achtelfinale“, sagte Löw. Das sei ein Spiel, in dem es keine Hintertür gebe. „Solche Spiele haben Magie und Spannung.“

Warnungen, wie sie aber die Historie bereithält, wonach deutsche Auswahlmannschaften beide bislang ausgetragenen Duelle mit den Nordafrikanern verloren haben, würden dagegen seine Spieler, die Generation der Spätgeborenen, nicht beschäftigen, wie der Bundestrainer launig bemerkte. Als sich etwa die fast schon sagenumwobene 1:2-Niederlage bei WM 1982 zutrug, hätten aus der aktuellen Mannschaft lediglich Miroslav Klose (Jahrgang 78) und Roman Weidenfeller (80) das Licht der Welt erblickt. „Auch nach mehrmaligen Nachfragen konnten die beiden sich nicht daran erinnern“, sagte Löw.

Das Erfolgsrezept klingt einleuchtend

Einer der Spätgeborenen wie Benedikt Höwedes etwa glaubt vielmehr, dass die Vergangenheit eher beim Gegner thematisiert werde. „Sie sind heiß darauf, gegen die Deutschen anzutreten. Sie werden ihre Rolle als Außenseiter gerne annehmen und versuchen, eine weitere Überraschung zu schaffen.“ Was die deutsche Elf am Montag in Porto Alegre tatsächlich erwartet, werde ihr ab sofort vor Augen geführt. Bisher habe Algerien in der Spielanalyse und in der Scouting-Analyse „nicht oberste Priorität“ gehabt, wie es Oliver Bierhoff am Samstag noch sagte. Lediglich Löw habe sich mal eine Stunde in das Material vertieft und dabei festgestellt, wie „extrem laufstark“, wie „extrem aggressiv“ diese Mannschaft ist, die für seinem Geschmack „so vehement gekämpft hat, wie kein anderes Team bei dieser WM“.

Es gehört zum guten Brauch im deutschen Lager, den jeweils kommenden Gegner einen Tick stärker zu machen, als er in Wirklichkeit vielleicht ist. Weil es die eigenen Sinne schärft und der besseren Fokussierung dient. Während man im Lager der Algerier wohl eher an die Vergangenheit appelliere, „um die Spieler anzustacheln“, wie Löw es ausdrückte, so halte der Bundestrainer sich in der Präparation seines Teams lieber ans Faktische. Und dazu gehört zu allererst, sich der eigenen Stärken zu erinnern.

Damit traf Löw auch den Nerv bei Manuel Neuer. Am besten werde es sein, so der deutsche Torhüter vom FC Bayern, sich ganz auf sich selbst, auf die Stärken und Qualitäten der eigenen Mannschaft zu konzentrieren. Und es am Ende dann mit Mesut Özil zu halten: einfach zur Arbeit zu gehen und einen guten Job zu verrichten.

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