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WM 2014 - Deutschland im WM-Finale : Und Brasilien? Als Wolfgang Niersbach einen großen Moment verpasste

Deutschland im WM-Finale, die Fußballer vollbrachten Großes. Doch Wolfgang Niersbach, der Präsident des DFB, fand als höchster Repräsentant des deutschen Fußballs im entscheidenden Moment nicht die richtigen Worte.

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DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien.
Höchster deutscher Fußball-Repräsentant: DFB-Chef Wolfgang Niersbach vergaß nach dem 7:1 gegen Brasilien, vielleicht auch mal den...Foto: dpa

Okay, die Frage war auch eher suggestiv gestellt. Ob er denn Mitleid mit Brasilien habe, wurde Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, nach dem unfassbaren 7:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen den WM-Gastgeber im ZDF gefragt. Nein, sagte Niersbach - und soweit mit Recht, denn Mitleid ist ein Gefühl, das der Arroganz, zumal im Sport, ganz nahe steht.

Doch im Folgenden verpasste Niersbach einen großen Sportmoment. Kleinteilig erging sich Deutschlands höchster Fußball-Repräsentant vor Millionenpublikum in Lobesbezeugungen für das deutsche Team und vergaß dabei den soeben von ebenjenem Team gedemütigten Gastgeber der Fußball-WM. Da wären ein paar ehrlich empfundene Worte doch angebracht gewesen. Nicht Mitleid, aber Mitgefühl.

Zum Glück haben andere, zum Beispiel Oliver Kahn als Fernsehexperte und nicht zuletzt Bundestrainer Joachim Löw, es an diesem Abend besser gemacht. Ihnen gelang es, Euphorie über die großartige Leistung der deutschen Mannschaft und Mitgefühl mit dem geschlagenen Gegner auch in einem solchen Moment rüberzubringen.

Euphorie und Mitgefühl machen wirklich großen Sport aus, nicht zuletzt aus eigener Versagenserfahrung heraus: Sehr passend war zum Beispiel, wie Joachim Löw mit leisen Worten an ein nicht ganz so dramatisches, weil nicht demütigendes, aber vom sportlichen Effekt her doch ähnliches Ereignis erinnerte: Jenes Tor für Italien in der 119. Minute, das im Halbfinale der WM 2006 das Aus für den WM-Gastgeber Deutschland bedeutete. Wolfgang Niersbach aber, dessen Aufgabe nicht das Fußballspielen, sondern ja gerade das Repräsentieren ist, war gestern Abend im entscheidenden Moment von der Rolle.

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