WM 2014 - Fast der höchste Sieg der Geschichte : Wunder von Basel und Belo

Nicht viel hat gefehlt und die Deutschen wären gegen Brasilien zu ihrem höchsten Sieg in der WM-Geschichte gekommen. Zum Rekordergebnis bei einer WM fehlten sogar noch drei Tore.

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Kreis der Geschichte. David Luiz betrauert Brasiliens höchste Niederlage.
Kreis der Geschichte. David Luiz betrauert Brasiliens höchste Niederlage.Foto: dpa

Dass es historisch werden würde, hatte sich angedeutet. Noch nie war eine Mannschaft wie die deutsche zum vierten Mal in Folge ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft eingezogen. Was dann dort gegen Brasilien passierte, sprengte dann jeden historischen Rahmen. Fast.

Der höchste WM-Sieg ist es zwar nicht mehr geworden, da steht aus deutscher Sicht immer noch das 8:0 gegen Saudi-Arabien zum Turnierauftakt 2002. Ungarn gewann sogar 10:1, aber gegen El Salvador, WM-Vorrunde 1982. Das deutsche 16:0 gegen Russland, bei Olympia 1912, im Viertelfinale der Trostrunde, bleibt ohnehin unerreicht.

Aber nur eine Mannschaft gewann je ein K.o-Spiel bei einer WM höher: Schweden siegte 1938 im Achtelfinale gegen Kuba 8:0. Ab dem Viertelfinale hat keine Mannschaft je ein Spiel höher gewonnen. Den Rekord für den höchsten Halbfinalsieg haben die Deutschen jedoch nicht erobert – sie hielten ihn schon.

Von der Weltmeisterschaft 1954 ist den meisten Deutschen nur das Wunder von Bern in Erinnerung geblieben. Doch es gab schon im Spiel davor eines, in Basel. Das 6:1 der Deutschen gegen Österreich war bis gestern der höchste Sieg in einem WM-Halbfinale. Vergleichbares hatten 1930 nur Uruguay und Argentinien geschafft, die ihre Semifinals ebenfalls 6:1 gewannen, aber die kamen damals schon direkt nach der Vorrunde. Nun klingt ein Sieg mit fünf Toren Differenz gegen Österreich zwar hoch, aber nicht historisch.

Doch vor 60 Jahren ging die Mannschaft als Außenseiter ins Halbfinale gegen die Österreicher, die vor und nach dem Krieg lange den Fußball in Europa mitgeprägt hatten.

„Es ist schon erstaunlich, dass die Deutschen, die ja nicht favorisiert sind, von Beginn an so losziehen“, stellte der Kommentar der Wochenschau damals richtig fest. Und nach der Führung durch Hans Schäfer nach einer halben Stunde: „Um Gottes Willen! 1:0 für Deutschland!“ Doch die Österreicher kombinierten weiter, Scheiberln wurde ihr endloses Passspiel, ein früher Vorgänger des Tiki-Taka genannt. „Wir kennen die Österreicher für ihre schulbuchmäßigen Kombinationen“, sagte der Wocheschau-Sprecher. Doch die Deutschen schossen in der zweiten Halbzeit Tor um Tor, nach Max Morlock trafen die Walter-Brüder Fritz und Ottmar jeweils doppelt. „Es ist sehr schwer, dieses Match zu sehen und zu sprechen“, hechelte der Sprecher. „Es steht, glaube ich, 4:1.“

Die Zuschauer waren außer sich, anders als 2014 hatten die Deutschen den Großteil des Stadions nicht gegen, sondern für sich. „Man kann nicht mehr von neutralem Boden sprechen“, sagte der Kommentator, von 63.000 Zuschauern seien 50.000 Deutsche gewesen. Später wird es heißen, die beiden Elfmeter für die Deutschen seien keine gewesen, den Österreichern seien Tore vom Schiedsrichter verweigert worden. Vielleicht wird der neue 7:1-Rekord diese Wunden schließen. Die der Brasilianer nicht. Ihre höchste Niederlage war 1920 ein 0:6 gegen Uruguay.

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