WM 2014 : Frankreich ist trotz 0:0 Gruppensieger

Remis in Rio: Frankreichs B-Elf macht beim 0:0 den WM-Achtelfinal-Einzug perfekt und verwehrt Ecuador als einziger südamerikanischer Mannschaft den Sprung in die nächste Runde. Dort erwartet die Franzosen eine machbare Aufgabe.

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Freefight in Rio: Ecuadors Ayovi (r.) gegen Frankreichs Sissoko.
Freefight in Rio: Ecuadors Ayovi (r.) gegen Frankreichs Sissoko.Foto: Reuters

Kurz vor Ende der Vorrunde hat es Südamerika doch noch erwischt. Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Uruguay haben bei der Fußball-Weltmeisterschaft das Achtelfinale erreicht, aber die sechse südamerikanische Mannschaft musste passen. Am letzten Spieltag der Gruppe E kam Ecuador vor 73.749 Zuschauern in Rio de Janeiro nur zu einem 0:0 gegen Frankreich. Kapitän Antonio Valencia von Manchester United sah zu Beginn der zweiten Halbzeit die Rote Karte. Das schwächte seine Mannschaft so sehr, dass sie am Ende der Schweiz den Vortritt lassen musste, nach deren 3:0 über Honduras.

Die Schweizer treffen im Achtelfinale am kommenden Dienstag in Sao Paulo auf Argentinien, Gruppensieger Frankreich bekommt es schon am Montag in Brasilia mit Nigeria zu tun.

Die Franzosen, praktisch schon vorher qualifiziert fürs Achtelfinale, gaben zwar den Ton an, aber sie spielten längst nicht so stringent und furios auf wie bei ihren vorangegangenen Siegen über Honduras und die Schweiz. Das lag natürlich auch daran, dass Trainer Didier Deschamps seine Mannschaft auf gleich sechs  Positionen verändert hatte im Vergleich zum 5:2 über die Schweizer. Wer wollte es ihnen verdenken angesichts der noch bevorstehenden Aufgaben, beginnend mit dem Achtelfinale der Fußball-WM am Montag in Brasilia?

Überraschender war da schon, wie wenig die Ecuadorianer anfangs in das Spiel investierten. Das sah alles nicht so aus, wie man sich einen Kampf um die letzte Achtelfinal-Chance vorstellt. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ dabei noch der Mittelfeldspieler Christian Noboa, weil er nach einem Zusammenstoß mit dem Franzosen Blaise Matuidi mit dem blutdurchtränkten Turban weiterspielte. Das zunächst bescheidene Engagement seiner Kollegen stand in deutlichem Kontrast zu dem, was die  Fans im Maracana sangen: „Auf geht’s, Ecuadorianer, heute Abend müssen wir gewinnen!“

Torhüter Dominguez verhindert in der Schlussphase mehrmals Frankreichs Führung

Torchancen? Gab es lange Zeit so gut wie keine. Einmal sprang Ecuadors Torhüter Alexander Dominguez an einer Flanke von Bacary Sagna vorbei, aber Karim Benzema hatte nicht damit gerechnet und ließ den Ball passieren.  Ein anderes Mal köpfte Paul Pogba durchaus vielversprechend auf das Tor,  doch diesmal hatte Dominguez aufgepasst und lenkte den Ball noch über die Latte. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit gaben die Ecuadorianer ihre Zurückhaltung auf, und nach Enner Valencias Kopfball wäre sie beinahe in Führung gegangen. Im letzten Augenblick erst bekam Hugo Lloris die Beine zusammen und verhinderte ein Gegentor.

Kurz nach der Pause zogen die Franzosen das Tempo an.  Nach Sagnas Flanke traf Antoine Griezmann die Latte. Dann kurvte Lucas Digne um  Antonio Valencia herum, worauf dieser so heftig zutrat, dass ihm Schiedsrichter Noumandiez Desire Doue von der Elfenbeinküste die Rote Karte zeigte. Zehn Ecuadorianer spielten dann sehr viel besser als zuvor deren elf. Kurz nach Valencias Platzverweis stand Noboa, der Mann mit dem Turban, nach einem perfekten Konter ganz allein vor Lloris stand – und schoss kläglich fünf Meter am Tor vorbei.

Es gab noch ein paar weitere Lebenszeichen der jetzt mit letzter Verzweiflung kämpfenden Ecuadorianer. Die Franzosen stellten sich nicht eben clever an gegen den dezimierten Gegner – und hätten das Spiel doch gewinnen müssen. Pogba schaffte es irgendwie, den Ball ganz allein und unbedrängt vor Dominguez am Tor vorbei zu köpfen. Benzema machte es genauso schlecht und schoss aus Nahdistanz direkt auf Ecuadors Torhüter. Das gleiche Kunststück gelang dem eingewechselten Olivier Giroud kurz vor Schluss mit dem Kopf.

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