• WM 2014: Halbfinale Deutschland - Frankreich 1982: Alain Giresse: "Die Deutschen sind immer fürchterlich effizient"

WM 2014: Halbfinale Deutschland - Frankreich 1982 : Alain Giresse: "Die Deutschen sind immer fürchterlich effizient"

1982 lieferten sich Deutschland und Frankreich bei der WM in Spanien ein legendäres Halbfinale. Alain Giresse spricht im Interview über Patrick Battiston und Toni Schumacher, die Einsamkeit beim Elfmeter und unendliche Enttäuschung.

Mathieu Gregoire
Alain Giresse, 61, spielte 47 Mal für Frankreich und wurde 1984 Europameister.
Alain Giresse, 61, spielte 47 Mal für Frankreich und wurde 1984 Europameister.Foto: Imago

Alain Giresse, bei der Weltmeisterschaft in Spanien 1982 starteten Sie mit Frankreich holprig ins Turnier, wurden danach aber immer stärker. Im Halbfinale trafen Sie auf Deutschland. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Paarung, die sich am Freitag in Rio de Janeiro im WM-Viertelfinale wiederholen wird?

Die Stimmung vor dem Spiel war bei uns sehr ernst. Wir waren keineswegs der Favorit. Wir sagten uns: „Wir müssen uns gut präsentieren und von Anfang an dagegen halten.“

Mit Michel Platini hatten Sie damals einen überragenden Einzelspieler im Team und waren für einen mitreißenden Fußball bekannt. In der zweiten Finalrunde hatte Ihr Trainer Michel Hidalgo kurz zuvor sein System von 4-3-3 auf 4-4-2 umgestellt – die Geburtsstunde des berühmten „magischen Vierecks“. Was erwarteten Sie von der deutschen Mannschaft?

Sie war eine starke Einheit und wir hatten Respekt, schließlich hatte sie bei Weltmeisterschaften schon viel erreicht. Unser größter Erfolg bis dahin war das Erreichen des Halbfinals 1958. Sie blickten auf zwei Weltmeisterschaften, EM-Titel und Finalteilnahmen zurück. Verglichen damit waren wir winzig.

Gingen Sie an dieses Halbfinale in Sevilla anders heran als an andere Spiele?

Am Vormittag des Spiels diskutierten wir sehr viel. Schließlich hörten wir damit aber wieder auf, weil uns klar wurde, dass wir die Lösung nicht finden würden. Wir hörten also auf, nur von den Deutschen zu sprechen und sprachen stattdessen von uns.

Gegen Deutschland gerieten Sie dennoch in Rückstand.

Mit diesem Gegentor fing das Spiel für uns erst richtig an. Der Ausgleich bestärkte uns in unseren Bemühungen, er beruhigte uns. Wir merkten, dass wir, je länger das Spiel dauerte, besser in die Partie hinein fanden. Körperlich fühlten wir uns hervorragend, das gab uns die Leichtigkeit, die wir für unser technisches Spiel brauchten.

Dann wurde Patrick Battiston von Toni Schumacher gefoult und musste ausgewechselt werden.

Das hat uns sehr getroffen, aber leider waren wir gezwungen, weiter zu machen. Eine grausame Situation. Er wird auf einer Trage hinausgebracht, und wir müssen weitermachen.

Waren Sie wütend?

Das konnten wir uns nicht erlauben. Wer mit Wut spielt, verliert die Beherrschung. Unser Trainer Michel Hidalgo an der Außenlinie war wütend, wir mussten uns auf unser Spiel konzentrieren.

Diese Attacke auf Battiston veränderte die Kräfteverhältnisse im Stadion.

Wir bemerkten plötzlich, dass wir ein wenig mehr Unterstützung von den spanischen Zuschauern bekamen. Auch die französischen Fans wurden noch einmal wach.

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