WM 2014 - Hotel der Nationalelf : Im Bett von Kevin Großkreutz

Unser Autor strandete nach dem Länderspiel gegen die USA in Recife - und erlebte im Hotel eine Überraschung.

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Im Netz des DFB. Der Nachname zum Internetpasswort verrät unserem Reporter, wer vor ihm sein Hotel- zimmer bewohnte.
Im Netz des DFB. Der Nachname zum Internetpasswort verrät unserem Reporter, wer vor ihm sein Hotel- zimmer bewohnte.Foto: Hermanns

„Hoffentlich habe ich nicht das Zimmer von Kevin Großkreutz“, sagt ein Kollege im Aufzug. „Dann ist wahrscheinlich die Minibar leer.“ Es ist 23 Uhr, der Tag hat vor 19 Stunden in Porto Seguro begonnen, und er hätte eigentlich vor zwei Stunden auch wieder in Porto Seguro enden sollen. Aber wir sind immer noch in Recife. In dem Hotel, in dem vor dem Spiel gegen die USA die deutsche Nationalmannschaft übernachtet hat.

Rund 60 deutsche Journalisten sind hier im Wortsinne gestrandet. Die Stadt ist am WM-Spieltag regelrecht abgesoffen, die Straßen standen knietief unter Wasser. Dass dies logistische Probleme mit sich bringen würde, hätte man sich denken können. Drei Busse mit deutschen Journalisten sind um 17 Uhr am Stadion losgefahren. Einer erreicht pünktlich zum Abflug unserer Chartermaschine um 19 Uhr den Flughafen von Recife – weil der Fahrer ortskundig ist und den richtigen Schleichweg genommen hat. Wir schleichen auch, nur anders. Zur Abflugzeit sind wir fünf Kilometer vom Flughafen entfernt. Aber das waren wir vor anderthalb Stunden auch schon. Der Fahrer unseres Busses, in dem auch der frühere Nationalspieler Arne Friedrich sitzt, Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann und der ehemalige DFB-Sprecher Harald Stenger, kommt leider aus einem Nachbarort.

Am Flughafen erfahren wir, dass wir im Hotel der Nationalmannschaft unterkommen

Es gibt auch eine Art Reiseleiter an Bord, der aber vor allem durch die Bemerkung auffällt, dass diese Route ziemlich ungünstig sei, weil man bis zum Flughafen nicht mehr abbiegen könne. Schließlich stellt sich heraus, dass vor uns ein Kanal über die Ufer getreten ist. Wir wenden. Fünf Minuten später hebt unser Flugzeug ab. Anderthalb Stunden später kommen wir am Flughafen an.

Dass die Reise vom Reisebüro des DFB organisiert worden ist, erweist sich als großes Glück. Am Flughafen erfahren wir, dass wir im Hotel der Mannschaft unterkommen, die längst wieder auf ihrer Urlaubsinsel ist. Sonst wäre es wahrscheinlich schwierig geworden, an einem Spieltag in einem Spielort 62 Hotelzimmer aufzutreiben. Als wir wieder in unsere Busse steigen wollen, ist nur noch einer da. Der Fahrer des anderen ist einfach abgehauen. Hat ja auch lang genug gearbeitet.

Zweiter Versuch. Wieder 15. Stock, aber der andere Betonturm

Das Hotel ist ein hässlicher Betonkasten, aber günstig gelegen: nur zehn Minuten vom Flughafen entfernt, für die man auch tatsächlich zehn Minuten benötigt. Als ich in mein Zimmer im 15. Stock trete, blickt mir ein erschrockener Kollege halbnackt aus dem Badezimmer entgegen. Doppelbelegung. Zweiter Versuch. Wieder 15. Stock, aber der andere Betonturm. Auf dem Fußboden liegen dreckige Socken, das Bett ist durchwühlt.

Dritter Versuch, 15. Stock. Ja: ein Zimmer ganz für mich allein! Im Badezimmer stehen zwei Flaschen stilles Wasser, im Regal sechs. Und auch in der Minibar: nur Wasser. Ich muss an den Kollegen aus dem Aufzug denken. Aber der DFB achtet natürlich darauf, dass seine besten Fußballer nicht in Versuchung geführt werden. Am nächsten Morgen besorge ich mir an der Rezeption das Passwort für den W-Lan-Zugang. Eigentlich muss man Zimmernummer und Nachname eingeben. Aber ich bin ja jetzt ein anderer – und weiß nicht wer. Die Rezeptionistin schaut in den Computer und schreibt meinen neuen Namen auf einen Zettel. Auf dem Zettel steht: GROSSKREUTZ.

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