WM 2014 in Brasilien : Nur 0:0 - Ein Dämpfer für den Gastgeber gegen Mexiko

Auch für Neymar viele Chancen, aber null Tore. Gastgeber Brasilien schafft im zweiten WM-Spiel nur ein 0:0, weil Mexiko in Fortaleza konzentriert verteidigt und Torwart Guillermo Ochoa wiederholt glänzend reagiert.

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Was soll das? Brasilien kommt gegen Mexiko nicht über ein 0:0 hinaus.
Was soll das? Brasilien kommt gegen Mexiko nicht über ein 0:0 hinaus.Foto: AFP

Warum Neymar in Brasilien vergöttert wird, zeigte der Offensivkünstler, als er nach gut 70 Minuten im Strafraum den Ball mit der Brust annahm und aus der Drehung schoss. Doch da stand dieser Guillermo Ochoa, der erneut parierte, diesmal sogar mit der Hüfte. Am mexikanischen Torwart Ochoa kam einfach kein Ball der Brasilianer vorbei an diesem Abend von Fortalzea, der 0:0 endete. Die Brasilianer berannten sein Tor, doch der nur 1,83 Meter kleine Tormann pflückte alle Flanken aus der Luft als wären es Kirschen. Und wehrte alle noch so harten Schüsse ab als wären es nur gespuckte Kerne. Übermächtig wie eine Aztekengottheit beherrschte dieser 28-Jährige sein Tor. Dabei war Ochoa erst kurz vor der Weltmeisterschaft fit geworden und sucht derzeit einen neuen Verein in Frankreich.

Die Brasilianer suchen dagegen weiter ihre Turnierform, nach dem schiedsrichterunterstützten Startsieg gegen Kroatien stehen sie in der Gruppe A mit vier Punkten Kopf an Kopf mit den Mexikanern. Die erkämpften sich mit viel Einsatz und noch mehr Torwartglück einen Punkt und festigten ihren Ruf als Angstgegner der Brasilianer. Nun führt der Gastgeber im letzten Vorrundenspiel gegen Kamerun ein Fernduell um Platz eins mit Mexiko, das am Montag zeitgleich gegen Kroatien antritt.

"Am Ende ist das 0:0 kein gutes Resultat, aber es spiegelt das Spiel wieder. Mit einem Sieg wären wir so gut wie im Achtelfinale gewesen", sagte Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari. "Es war ein sehr physisches Spiel. Beide
Mannschaften wollten das Tor machen".

Von Beginn an ging es ordentlich zur Sache in Fortaleza

Nachdem beide Mannschaften ihr erstes Gruppenspiel gewonnen hatten, änderte nur Brasiliens Trainer seine Startelf, brachte Ramires für Hulk im Mittelfeld. Die Mexikaner liefen ganz in Rot auf, ihre Angriffslust beschränkte sich anfangs nur auf brasilianische Beine. Nach vielen kleinen Fouls zogen sich die Mittelamerikaner dann in die eigene Hälfte zurück, vor einer Fünferabwehrkette warteten sie auf der Stelle tippelnd ab, was die Brasilianer als nächstes tun würden. Meist schoben die Südamerikaner den Ball hin und her auf dem ramponierten Rasen bei schwülen 30 Grad. Im Spiel nach vorne agierte Mexiko zunächst eher zögerlich, verlor dafür umso schneller den Ball. Bei solchen Kontergelegenheiten kam Brasilien endlich mal zu Torchancen. Nach zehn Minuten jubelten die brasilianisch-gelbgefärbten Ränge, durch die sich große mexikanisch-rote Streifen zogen – doch Fred hatte nur das Außennetz getroffen.

Neymar verschleppte mit seinen Dribblings oft das Spiel

Brasiliens Star Neymar war wie Mitspieler Dani Alves beim Frisör gewesen, doch die neue blonde Haarfarbe führte eher zu mehr aufreizender Unbekümmertheit. Oft verschleppte er mit seinen Dribblings das Spiel, zumal sie oft mit einem Foul der Mexikaner endeten. In der 26. Minute zeigte er mehr dunkle Entschlossenheit, als er zum Kopfball hochstieg. Doch Torwart Ochoa warf sich heldenhaft in Richtung Pfosten und parierte die beste Chance der ersten Halbzeit.

Was möglich war, wenn sie einmal mit Tempo Richtung brasilianisches Tor stießen, entdeckten die Mexikaner nach der ersten halben Stunde. Die Verteidiger des Gastgebers standen dann nicht immer optimal, doch Distanzschüsse von Herrera, Layun und Vazquez verfehlten Brasiliens Tor.

Das statische Angriffsspiel der Selecao lebte vor der Pause von Standardsituationen: Eine Ecke Neymars köpfelte Fred in Ochoas Hände. Doch der Torwart meisterte auch schwere Aufgaben, als nach einem Freistoß plötzlich Paulinho vor ihm auftauchte, aber aus kurzer Distanz an Ochoa scheiterte. Der Keeper hatte alles im Griff, sogar seine Lockenmähne mit einem Stirnband.

Die Mexikaner waren meist nur mit Distanzschüssen gefährlich

Die Mexikaner hatten nun jedoch gemerkt, dass sie durchaus Chancen hatten in einem Duell, das sie seit 1999 doppelt so oft gewannen wie verloren, acht zu vier sprach die Sieg-Niederlagen-Bilanz für sie. Es reichte jedoch weiter nur zu Distanzschüssen durch Guardado, Vazquez und dos Santos.

Die Brasilianer verblüfften ihr eigenes Publikum zeitweise dadurch, wie oft sie hinterherliefen hinter quirligen Gästen. Neymar brachte etwas Entlastung nach einer Stunde mit einem Freistoß, der Ochoas Habitat knapp verfehlte. Nach 67 Minuten wurde Fred ausgewechselt, die Pfiffe waren nicht seiner Schwalbe im Eröffnungsspiel geschuldet, der Mittelstürmer ist im eigenen Land umstritten, seine Leistung am Dienstagabend trug nicht dazu bei, dies kurzfristig zu ändern.

Brasilien berannte nun ohne ihn das Tor. Doch weder der eingewechselte Jo noch Thiago Silva vollbrachten es, den Ball am Kraftfeld des Bällemagneten Guillermo Ochoa vorbeizusteuern. Das Tageswerk seines Gegenübers schien Julio Cesar fast unangenehm zu sein, Gottseidank gaben die konternden Mexikaner mit Schüssen Brasiliens Torwart in der Schlussphase noch die Gelegenheit zum Tätigkeitsnachweis.

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