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WM 2014 : Italien muss nach dem 0:1 gegen Uruguay nach Hause fahren

Der nächste Ex-Weltmeister tritt nun die Heimreise an. Nach einem unglücklichen 0:1 gegen Uruguay scheitert Italien wie Spanien und England vorzeitig. Allerdings hadern die Azzurri zu recht mit dem Schiedsrichter.

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Moment der Entscheidung. Diego Godin (links, verdeckt) köpft das 1:0 für Uruguay.
Moment der Entscheidung. Diego Godin (links, verdeckt) köpft das 1:0 für Uruguay.Foto: Reuters

Mario Balotelli vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Vielleicht ging der Stürmer auf der Auswechselbank noch einmal die Ereignisse durch, die zum 0:1 (0:0) gegen Uruguay und zum Aus Italiens führten: Zwei Teams, die sich kaum Chancen herausspielten. Ein überforderter Schiedsrichter, der erst einen Italiener zu Unrecht vom Platz stellte und später einen Schulterbiss des Uruguayers Luis Suarez übersah. Die Ecke, nach der Diego Godin das Siegtor köpfte. Und das ideenlose Anrennen der Italiener danach.

Möglicherweise hatte Balotelli realisiert, dass er mit schwacher Leistung mitverantwortlich dafür war, dass der Vize-Europameister soeben in der Vorrunde gescheitert war. Nach Spanien und England war eine weitere große europäische Nation vorzeitig gescheitert. „Man kann nicht immer anderen die Schuld geben“, sagte Italiens Kapitän Gianluigi Buffon zu den Schiedsrichterfehlentscheidungen, „wir haben auch Fehler gemacht. Man hat gesehen, wer sich gezeigt hat und wer nicht.“

Claudio Marchisio sah die Rote Karte - Luis Suarez nicht

Die Uruguayer feierten, ein weiteres südamerikanisches Land hatte das Achtelfinale erreicht. Der WM-Vierte von 2010 trifft am Samstag auf Kolumbien, das ungeschlagen die Gruppe C gewann. In der Kritik stand jedoch Stürmer Suarez, der seine Zähne in der Schulter von Giorgio Chiellini vergrub und sich dann fallen ließ, als der Italiener mit dem Ellbogen ausholte. Es war schon die dritte Tätlichkeit dieser Art in Suarez’ Karriere, doch die erste, die ungeahndet blieb. Dafür musste nach einer Stunde Claudio Marchisio vom Platz, der Arevalo Rios mit dem Fuß unterhalb des Knies erwischt hatte. Eine Gelbe Karte gegen den Italiener wäre eine harte Entscheidung gewesen, Referee Antonio Rodriguez zog Rot.

Weniger brisant ging es beim bedeutungslosen Parallelspiel zu, das 0:0 endete. Weder die bereits für das Achtelfinale qualifizierten Costa Ricanern noch die ausgeschiedenen Engländer spielten in Belo Horizonte befreit auf. Auch in Natal war es lange ein ereignislosen Spiel gewesen – mit Ansage. „Wir werden sicherlich nicht auf Unentschieden spielen“, hatte Andrea Pirlo versprochen, der Exekutivdirektor der Verwaltungsstelle Fußball in Italien. Natürlich tat die Squadra Azzurra alles – und damit wenig offensiv – für ein 0:0 gegen Uruguay, das am Ende für den Einzug ins Achtelfinale gereicht hätte.

Diego Godin köpfte in der Schlussphase das Siegtor für Uruguay

Nach der Blamage gegen Costa Rica hatte Italiens Trainer Cesare Prandelli sein System umgestellt, hinten verteidigte eine Dreierabwehr, vorne stürmte der künftige Dortmunder Ciro Immobile an der Seite von Balotelli. Bei 33 Grad Mittagshitze im Nordosten Brasiliens schoben die Italiener den Ball meist zu Pirlo und schauten interessiert, was ihr Spielmacher damit anstellen würde. Zum Beispiel sorgte er für den ersten Torschuss der Partie: Ein lässiger getretener, sich dafür umso schneller senkenden Freistoß, den Torwart Nestor Muslera wegfaustete. Sonst wurde Pirlo jedoch meist von Edinson Cavani beschattet, von Beruf eigentlich Stürmer und nicht Manndecker.
Dennoch gelang ihm wie den übrigen Uruguayern mehr im Spiel nach hinten als nach vorne.

Ihre besten Chancen des Spiels, jeweils durch Suarez, vereitelte Buffon reaktionsschnell aus nächster Distanz. An dem 36 Jahre alten Torwart, der seine fünfte WM spielte, lag es nicht, dass Italien enttäuschte. Balotelli etwa konnte nur akrobatisch überzeugen, als er einen Gegner mit dem Knie am Kopf traf, Gelb sah und damit im Achtelfinale gefehlt hätte. Der wie Sturmkollege Immobile enttäuschende Balotelli fehlte schon in Hälfte zwei auf dem Feld. Die Zuschauer pfiffen zur Pause leidenschaftlicher, als beide Teams nach vorne gespielt hatten.

Zehn Minuten vor Schluss deutete alles darauf, dass Italiens Plan, nicht auf Remis zu spielen, 0:0 aufging. Dann sprang Diego Godin bei einer Ecke höher als ein ganzer Spielerpulk. Das Kopfballtor des Kapitäns war die einzige regelkonforme Szene des Spiels, über die später noch geredet wurde.

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