WM 2014 - Jerome Boateng : Per Hubschrauber in die Startelf

Einem Einsatz von Jerome Boateng gegen Ghana steht nichts im Wege. Für Mats Hummels wird es dagegen ein Wettlauf mit der Zeit.

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Die Hand soll halten. Jerome Boateng.
Die Hand soll halten. Jerome Boateng.Foto: AFP

Der Ausblick war atemberaubend. Es ging immer an der Wasserkante vorbei, über Strände und satte grüne Wälder. „Super schön“, sagt Jerome Boateng über die Sicht von oben, „echt beeindruckend.“ Zum zweiten Mal in seinem Leben durfte der Nationalspieler mit einem Hubschrauber fliegen. „Das ist immer wieder ein cooles Erlebnis“, sagt er. Doch anders als beim ersten Mal – beim Besuch des Formel-1-Rennens in Monaco mit der Fußball-Nationalmannschaft vor zwei Jahren – hatte der Ausflug am Dienstag einen eher unangenehmen Grund. Es ging nach Eunapolis, rund 60 Kilometer vom deutschen Quartier entfernt – zur Röntgenuntersuchung ins Krankenhaus. Und damit für die Angelegenheit kein kompletter Tag draufgeht, wird die Strecke per Hubschrauber bewältigt. Die Diagnose bei Jerome Boateng: Teilabriss des Seitenbandes am Daumen der rechten Hand.

Boateng trägt nun eine Manschette in Türkisblau, die ihm von der Handwurzel bis zum Daumen reicht. „Im Alltag ist das jetzt sechs Wochen mein Partner“, sagt der Verteidiger vom FC Bayern München. Da Boateng jedoch professionell Fußball spielt und der Einsatz der Hände bei dieser Sportart regeltechnisch arg eingeschränkt ist, steht seinem Mitwirken beim zweiten Vorrundenspiel der Weltmeisterschaft nichts im Wege – sofern der Schiedsrichter als letzte Instanz keine Einwände erhebt. „Wir haben absolute Spezialisten, die den Daumen so schienen werden, dass der Schiedsrichter sein Okay gibt“, sagt Hans-Dieter Flick, der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw.

Dass Jerome Boateng nur höchst ungern auf das Spiel am Samstag in Fortaleza verzichten würde, kann sich jeder denken. Wie schon bei der WM vor vier Jahren trifft er dann mit der Nationalmannschaft auf Ghana, das Heimatland seines Vaters, und auf seinen Halbbruder Kevin-Prince Boateng. „Es sieht ganz gut aus“, sagt der 25-Jährige über seine Einsatzchancen, „die Verletzung ist zwar schmerzhaft, aber es geht.“ Am Mittwochnachmittag stand Boateng schon wieder mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz.

Bei seinem Verteidigerkollegen Mats Hummels, der tags zuvor neben ihm im Hubschrauber saß, sieht es hingegen nicht ganz so gut aus. Die MRT-Untersuchung in Eunapolis erbrachte bei dem Dortmunder den Befund: Prellung im rechten Oberschenkel mit Einblutung in die Muskulatur. Hummels musste beim Auftaktsieg gegen die Portugiesen eine Viertelstunde vor Schluss ausgewechselt werden. Seine Genesung könnte mit Blick auf das Spiel gegen Ghana zu einem Wettlauf mit der Zeit werden. Mit der Mannschaft trainieren konnte Hummels auch am Mittwoch nicht. Laut Flick wird der Innenverteidiger den ganzen Tag behandelt. „Wir sind positiv gestimmt, dass wir nichts ändern müssen“, sagte der Co-Trainer der Deutschen, „auch wenn es sicher knapp werden wird.“

Nachdem der Dortmunder gegen Portugal den Platz verlassen hatte, rückte Boateng in die Innenverteidigung, auf die Position also, die ihm ohnehin die liebste ist. Der eingewechselte Shkodran Mustafi, ebenfalls gelernter Innenverteidiger, durfte sich rechts in der Viererkette versuchen. Boateng gegen Ghana in die Mitte zu ziehen, das wäre wohl auch die wahrscheinlichste Variante, sollte Mats Hummels wider Erwarten doch nicht rechtzeitig fit werden. Dass Philipp Lahm in diesem Fall wieder aus dem defensiven Mittelfeld nach hinten in die rechte Außenverteidigung rückt, hat Hans-Dieter Flick ausgeschlossen.

Einschneidende Änderungen an der taktischen Grundordnung, am 4-3-3-System, sind gegen Ghana nicht zu erwarten. „Es sind Details, die wir verbessern können und die wir verbessern müssen“, sagt Flick. Die Besetzung der hinteren Defensivreihe mit vier Innenverteidigern bietet sich auch gegen die Afrikaner an, die Bundestrainer Löw als „eine körperlich sehr robuste Mannschaft“ charakterisiert hat. Da muss man entsprechend gegenhalten. Und das Motto beherzigen, das im Besprechungszimmer der Trainer auf einem Banner an der Wand hängt: „Ein guter Anfang braucht Begeisterung, ein gutes Ende Disziplin.“

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