WM 2014 - Kampf um den Titel : Die Chancen der letzten acht Nationalmannschaften

Costa Rica wird Weltmeister. Niemals! Oder vielleicht doch? Acht Mannschaften aus Südamerika, Zentralamerika und Europa kämpfen in Brasilien weiterhin um den WM-Titel. So sehen ihre derzeitigen Chancen aus.

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Ein Pokal, viele Träume.
Ein Pokal, viele Träume.Foto: picture alliance / dpa

BRASILIEN

Gut möglich, das Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari im Traum immer noch das Tor wackeln sieht. Oder das Klatschen des Balles hört, sieht wie er zurückspringt von Pfosten und Latte. Im Achtelfinale gegen Chile stand sein Team mehrfach vor dem Aus, aber am Ende trafen die Chilen im Elfmeterschießen nur den Pfosten und Brasilien kam weiter. Dürftig waren die Auftritte bisher, im Vergleich mit brasilianischen Teams vergangener Tage schneidet diese Seleçao schlecht ab. Es mangelt ihr an Kreativität, vor allem im Mittelfeld. Auch ein Mittelstürmer wird vermisst. Vielleicht wäre diese Mannschaft sogar schon ausgeschieden, wenn dieses Turnier nicht in Brasilien stattfinden würde. Der Gedanken an den sechsten Titel, das Wissen um die nationale Mission, die Unterstützung der Zuschauer, all das lässt die Spieler über sich hinaus wachsen. Und so bleibt es dabei: Wer Weltmeister werden will, muss Brasilien schlagen. Fazit: Scolaris Team ist der große Favorit.

KOLUMBIEN

Nehmen Sie sich ein Glas Wasser, kippen Sie den Inhalt in den Rachen und gurgeln Sie kräftig. Dann erzeugen Sie genau das Geräusch, das nötig ist, um den Namen des bisher aufregendsten Spielers dieser WM korrekt auszusprechen. James Rodriguez, spanisch Chrrrames gerufen, verzückt mit seinen Toren. Gemessen an den bisherigen vier Spielen müsste Kolumbien Weltmeister werden. Das Team begeisterte mit offensivem Fußball. Warum es trotzdem nicht reichen wird? Weil bisher kein Gegner das Format der Brasilianer hatte, die nun im Viertelfinale warten.

FRANKREICH

Kein Trainingsboykott, kein Krach zwischen Spielern und Trainer – Frankreich wird sich untreu. Und gehört damit wieder zu den Titelanwärtern. Talente wie Paul Pogba und Antoine Griezmann lassen den Ausfall von Franck Ribéry vergessen, die Mannschaft ist kompakt. Gelingt ein Sieg gegen Deutschland, ist alles möglich.

NIEDERLANDE

Wie Deutschland waren auch die Niederländer schon mal Weltmeister. Natürlich nur gefühlt. Nach dem 5:1 zum Auftakt gegen Spanien war die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal der große Favorit. Dann drohte gegen Mexiko lange Zeit das Aus. Die Abwehr hat sich stabilisiert, vorne spielt Arjen Robben groß auf. Holland verlor bisher drei Endspiele bei Weltmeisterschaften. Gelingt nun in Brasilien der erste Titelgewinn? Nicht ausgeschlossen.

Was wäre die WM ohne ihre Fans?
Drei argentinische Götter: Maradona, Messi und der Papst. Ob es dem Star der Argentinier gelingt, sie zum Titel zu führen wie einst Diego Maradona? Den Segen von Papst Francisco hat er sicher.Weitere Bilder anzeigen
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02.07.2014 14:11Drei argentinische Götter: Maradona, Messi und der Papst. Ob es dem Star der Argentinier gelingt, sie zum Titel zu führen wie...

BELGIEN

Belgien galt vor dem Turnier als Geheimfavorit. Weil viele Experten das aussprachen, war die Stärke der Mannschaft von Trainer Marc Wilmots dann gar nicht mehr so geheim. In der Vorrunde spielte Belgien immer so, dass es gerade reichte zum Gewinnen. Gegen die USA kam dann die erste Steigerung, Potential für mehr ist vorhanden. Torhüter Thibaut Courtois ist Weltklasse. Es gilt das gleiche wie für Frankreich. Übersteht Belgien das Viertelfinale gegen Argentiniens Messi, ist auch der Finaleinzug ein realistisches Ziel.

DEUTSCHLAND

Eigentlich war der Titel für Deutschland schon so gut wie sicher. Erst 4:0 gegen Portugal. Dann: Spanien draußen. Italien draußen. Was sollte da noch schief gehen? Und nun das: Die Mannschaft spielt, als würde sie Spanien und Italien möglichst schnell folgen wollen. Deutschland hat bisher nur selten überzeugt. Das Gute daran: Von allen Viertelfinal-Teilnehmern besitzt die Mannschaft den Kader mit dem größten Steigerungspotential. Das wird auch nötig sein, sollte das Halbfinale erreicht werden und dort Brasilien warten.

COSTA RICA

Costa Rica. Im Halbfinale? Oder Finale? Niemals! Der Viertelfinal-Einzug ist mehr, als zu erwarten war. Costa Rica gehört nun ganz offiziell zu den besten acht Nationen im Fußball. Es gilt als sicher, dass in dem mittelamerikanischen Land demnächst ein oder zwei oder drei neue Nationalfeiertage ausgerufen werden. Der 20. Juni böte sich an, da qualifizierte sich die Mannschaft fürs Achtelfinale. Der 28. Juni wäre auch ein Kandidat. Da wurde Griechenland geschlagen und der Viertelfinal-Einzug gesichert. Und nun der 5. Juli? Der Tag, an dem Costa Rica die Holländer ausschaltet und ins Halbfinale stürmt? Klingt so verwegen, wie George Orwells Roman „1984“ bei dessen Veröffentlichung. Big Brother? RTL 2? Zlatko? Jürgen? Nie gehört!

ARGENTINIEN

Brasilien schlagen? Nichts lieber als das! Die Argentinier sind besessen von dem Gedanken, im Land des Lieblingsfeindes den WM-Pokal in die Luft zu stemmen. Gesprochen haben sie darüber viel, Taten lässt bisher aber nur Lionel Messi folgen. Wie er die Mannschaft durchs Turnier trägt, erinnert an 1986, als ein gewisser Diego Armando Maradona Argentinien den zweiten Titel schenkte. Nach vier Spielen erscheint es aber realistischer, dass Horst Seehofer zur Linken überläuft, als das Argentinien zum dritten Mal Weltmeister wird. Die Mannschaft ist keine, Angreifer und Verteidiger vergnügen sich auf dem Feld getrennt voneinander. Falls man sich doch zufällig begegnet, entsteht Chaos. Nicht die besten Voraussetzungen, um Brasilien zu schlagen.

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