WM 2014 - Kolo Touré : Der Mann, der Arsène Wenger umgrätschte

Kolo Tourés Karriere begann kurios. Bei der WM geht die Laufbahn des Ivorers zu Ende. Am Donnerstag spielt die Elfenbeinküste gegen Kolumbien.

Ilja Behnisch
Kolo, stopp! Kolo Touré weiß nicht nur, wie man mit dem Ball umgeht. Foto: AFP
Kolo, stopp! Kolo Touré weiß nicht nur, wie man mit dem Ball umgeht.Foto: AFP

„Kolo! Was machst du? Nicht grätschen, nicht grätschen!“ Die Worte von Arsène Wenger hätten das Ende der Karriere des Ivorers Kolo Touré bedeuten können, bevor sie überhaupt richtig Fahrt aufnahm. Eine Karriere, die sich im Rückblick wie ein Märchen liest, Touré zu mehreren Topklubs brachte und die sich nun bei der WM in Brasilien ihrem Ende zuneigt. Dabei begann sie wie ein Schauerstück.

Bereits in jungen Jahren schließt sich Touré einer der Fußballschulen von Jean-Marc Guillou an, einst selbst Spieler und Trainer. Der Franzose errichtet seit Mitte der neunziger Jahre Ausbildungszentren in Afrika, in denen er die jungen Talente auf den ersehnten Sprung nach Europa vorbereitet. Auch Kolo Touré träumt vom Erfolg, der Anerkennung und dem Geld, das es so nur jenseits der Heimat zu verdienen gibt. Nachdem er beim Verein ASEC Mimosas, der mit den Akademien von Guillou kooperiert, zum Stammspieler avanciert war und 2000 als gerade einmal 19-Jähriger in der Nationalmannschaft debütierte, scheint es 2002 an der Zeit, den Schritt zu wagen. Die Vereinssuche in Europa lässt sich jedoch zäh an. Weder in Frankreich noch in Belgien will man vom Defensivspezialisten etwas wissen . Doch sein Mentor, Jean-Marc Guillou, hat einen guten Draht zu Arsène Wenger, dem Trainer des FC Arsenal.

Wenger vertraut seinem alten Weggefährten und lädt Touré im Februar 2002 zum Probetraining nach London. Wie unter Wenger üblich wird für den jungen Testspieler sogleich ein Trainingsspiel angesetzt. Das ist nur wenige Minuten alt, als Touré in einer ersten Aktion seinen Gegenspieler Thierry Henry umgrätscht. Eine klare Rote Karte wäre das in einem normalen Spiel gewesen, erinnerte sich Arsenal-Spieler Ray Parlour später. „Nicht grätschen, nicht grätschen“, ermahnt der Trainer. Doch kurz darauf tritt Touré erneut in Aktion. Auch Arsenals zweiten Weltklassestürmer Dennis Bergkamp grätscht Touré um. Die anderen Spieler grummeln schon, Touré müsse undercover für einen anderen Verein arbeiten. Schließlich befindet sich Arsenal zu diesem Zeitpunkt auf Platz drei in der Liga und damit mitten im Titelrennen.

Doch Tourés Probetraining ist noch nicht zu Ende. Er verfolgt mit den Augen einen langen Ball und grätscht auch den unbeteiligt das Geschehen beobachtenden Trainer Arsène Wenger um. Der bricht das Training ab und verzieht sich in die Kabine. Touré ist den Tränen nahe. Dann die große Überraschung. Er wird noch am nächsten Tag verpflichtet. „Ich mag seine Leidenschaft“, begründet Wenger die Entscheidung. Er sollte sie nicht bereuen. Touré entwickelt sich zu einem der besten Verteidiger seiner Zeit. Und auch wenn er mit inzwischen 33 Jahren das erste WM-Spiel der Elfenbeinküste von der Bank aus erlebte und auch gegen Kolumbien nicht von Beginn an aufläuft: Wenn einer weiß, dass jedem Anfang ein gutes Ende innewohnen kann, dann Kolo Touré.

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