WM 2014 mal langweilig : Keine Tore zwischen Iran und Nigeria

Bisher gab es bei dieser WM fast durchweg gute Spiele. Diese Serie musste irgendwann reißen. Dass es aber im Spiel Iran gegen Nigeria gleich so übel werden würde, war dann doch enttäuschend.

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Zähes Ringen. Der frühere Herthaner Ashkan Dejagah (l.) im Duell mit Nigerias Joseph Yobo.
Zähes Ringen. Der frühere Herthaner Ashkan Dejagah (l.) im Duell mit Nigerias Joseph Yobo.Foto: dpa

Plötzlich hob Vincent Enyeama ab. Nigerias Torwart flog durch die Luft, sprunggewaltig hechtete er nach dem Ball. Einen Augenblick später fuhr sich Reza Ghoochannejad durch die Haare, Enyeama hatte seinen Kopfball nach gut einer halben Stunde spektakulär pariert. Es war eine der wenigen nennenswerten Aktionen in der ersten Halbzeit. Nigeria und der Iran zeigten das bisher schlechteste Spiel dieser Weltmeisterschaft. Daran änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nichts. Nigeria und der Iran trennten sich 0:0. Es war das erste torlose Spiel und das erste Remis dieser WM.

Fußball dürfte in diesen Tagen aufgrund der politischen Lage weder im Iran noch in Nigeria das bestimmende Thema sein. Das muss in keinem Zusammenhang mit dem Geschehen im Stadion von Curitiba stehen, aber beide Mannschaften erweckten den Anschein, nicht bei der Sache zu sein. Der Spieler des Iran brachten phasenweise nur 55 Prozent ihrer Pässe zum Mitspieler – bei anderen Teams reicht die Passquote im Schnitt an 90 Prozent. Fehlpässe in allen Mannschaftsteilen verhinderten konstruktive Angriffsversuche, meistens scheiterte der Versuch schon beim Spielaufbau.

Nigeria konnte mit dem Ball genauso wenig anfangen wie der Gegner, auch wenn Afrikas Meister von 2013 insgesamt den besseren Eindruck machte. Die beste Chance zur Führung vergab Ogenyi Onazi nach zehn Minuten, als er einen missglückten Befreiungsschlag an der Strafraumgrenze direkt zurück aufs Tor schoss, der Ball aber daneben ging.

Seit 1998 haben beide Nationen kein Spiel bei einer WM gewonnen

So mancher neutrale Fan im Stadion dürfte sich wehmütig erinnert haben an die spielstarken nigerianischen Mannschaften der neunziger Jahre. Aber die Vertretung von 2014 hat keinen Jay Jay Okocha, keinen Emanuel Amunike und keinen Nwankwo Kanu. Ihr Bester heißt John Obi Mikel, spielt in der englischen Premier League beim FC Chelsea und ist dort ein aufopferungsvoller Defensivarbeiter. Wenn Mikel aber wie gegen den Iran das Spiel offensiv gestalten soll, ist er überfordert. Die einzige Chance für Nigeria in der zweiten Halbzeit vergab Shola Ameobi, als er nicht genügend Druck hinter einen Kopfball bekam.

Auf die gleiche Weise scheiterte auf der Gegenseite der ehemalige Hertha-Spieler Ashkan Dejagah für den Iran. Seit 1998 haben beide Nationen kein Spiel bei einer WM gewonnen. Nach der gezeigten Leistung schwer vorstellbar, dass sich 2014 etwas daran ändert.

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