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WM 2014 : Niederlande mühen sich zum Sieg gegen Australien

Nach dem 5:1 gegen Spanien waren die Erwartungen an die Niederlande wolkenkratzerhoch - doch freche Australier ärgerten "Oranje" lange - bis ein schwerer Torwartpatzer der Van-Gaal-Elf das 3:2 schenkte.

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Van Persie - wer sonst? Der Stürmerstar erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich.
Van Persie - wer sonst? Der Stürmerstar erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich.Foto: afp

Wie ernst es die Niederländer mit ihrer neuen Kontertaktik meinen, zeigten sie auch im zweiten Gruppenspiel: Wie gegen Weltmeister Spanien traten sie mit einer Fünferkette in der Defensive an und überließen Außenseiter Australien anfangs den Ball. Der wusste damit überraschend viel anzufangen, ging zwischenzeitlich 2:1 in Führung. Erst als die Holländer sich ihrer stürmischen Historie erinnerten, drehten sie das Spiel noch zum schmeichelhaften 3:2 (1:1)-Sieg. Nach der Niederlage der Spanier am Abend gegen Chile steht die "Elftal" schon vorzeitig im Achtelfinale. Australien dagegen ist ebenfalls ausgeschieden.

Die Mannschaft in Orange ließ damit nach dem 5:1 gegen den Titelverteidiger etwas Luft aus ihrem neuen Favoritenstatusballon. Die Australier zeigten trotz der zweiten WM-Pleite, dass sie Ozeanien zurecht und würdig bei dieser WM vertreten... Verzeihung, Asien natürlich.

Robben macht den Unterschied

Nicht immer wussten die Männer von der Südhalbkugel viel mit dem Ball anzufangen, aber trieben und traten ihn dafür umso leidenschaftlicher in die gegenerische Spielhälfte. Holland hatte anfangs große Probleme im Spielaufbau, Verteidiger und Torwart droschen den Ball oft nur weit nach vorne. Ihren PS-Vorteil konnten die gut zugedeckten Niederländer kaum ausspielen. Doch nach zwanzig Minuten zog Arjen Robben die Gegenspieler ab wie ein Porsche einen Käfer an der Ampel – mit Ball wohlgemerkt. Kurz hinter der Mittellinie flitzte der Stürmer vom FC Bayern los, die Australier in eine Staubwolke einhüllend, bis in den Strafraum hinein. Dort platzierte er den Ball eilig mit links in der rechten Torseite.

Trotz des dürftigen Auftritts bis dahin schien der erwartete Spielausgang seinen Lauf zu nehmen. Doch keine Minute später kam die Wende wieder von kurz hinter der Mittellinie. Ryan McGowan flankte einen Ball hoch und lang in den Strafraum, den Tim Cahill mit links volley an die Unterkante der Latte drosch, von wo er im Netz landete. Das vielleicht schönste Tor des Turniers bisher. Die Niederländer, die bis dahin nur durch Standards zu kleineren Torgelegenheiten gekommen waren, stellten nun auf eine Viererkette um. Doch der Mann mehr im Mittelfeld half wenig.

Umstrittener Elfmeter

Die Australier rannten weiter an, verdattelten vielversprechene Chancen jedoch leichtfertig. Bei Vizeweltmeister Holland hatte Torwart Jasper Cillessen zweitweise mehr Ballkontakte als der schwache Spielmacher Wesley Sneijder. Doch gerade, als der mit einem parierten Torschuss nach 50 Minuten ein Lebenszweichen gab, ertönte kurz danach auf der Gegenseite ein Pfiff: Der eingewechselte Oliver Bozanic flankte den Ball an die Hand, die der Holländer Daryl Janmaat hinter sich nicht schnell genug wegziehen konnte. Kapitän Mile Jedinak brachte die Australier vom Elfmeterpunkt hart und flach in Führung.

Doch die währte auch bei ihnen nicht lange: Jonathan de Guzman passte Robin van Persie steil im gegnerischen Strafraum frei, das dritte Turniertor des Stürmer knallte umgehend unter die Latte. Holland wankte, als Matthew Leckie vom FSV Frankfurt freistehend am zweiten Pfosten zu einer Heldenkopfball ansetzte – und den Ball nur mit der Brust zum Torwart bekam. Wie man aus weniger mehr macht, zeigte auf der Gegenseite der eingewechselte Memphis Depay, der aus 25 Meter flach schoss – und davon profitierte, dass Australiens Keeper Matthew Ryan wie beim ersten Tor so langsam fiel wie ein Flutpegel nach Hochwasser. Die Niederländer strömten davon ermutigt nun vermehrt Richtung seines Tores, doch der Mann vom FC Brügge zeigte, dass er auch Bälle halten kann.

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