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WM 2014 - Per Elfmeter in der Nachspielzeit : Holland dreht Spiel gegen Mexiko und steht im Viertelfinale

Arjen Robben fällt, Klaas-Jan Huntelaar trifft. Und am Ende jubelt Oranje. Dabei sieht es in Fortaleza lange nach einem Sieg für Mexiko aus, doch die Holländer können bei dieser WM auch kämpfen - und stehen nun im Viertelfinale.

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Der Moment, in dem das Spiel endgültig kippt. Der eingewechselte Klaas-Jan Huntelaar trifft per Elfmeter zum 2:1 für Holland gegen Mexiko.
Der Moment, in dem das Spiel endgültig kippt. Der eingewechselte Klaas-Jan Huntelaar trifft per Elfmeter zum 2:1 für Holland gegen...Foto: AFP

Klaas-Jan Huntelaar schnappte sich den Ball mit dem Selbstverständnis eines Stammspielers, der die letzten hundert Elfmeter trotz Augenbinde verwandelt hat. Dabei war der niederländische Stürmer bei dieser Weltmeisterschaft bisher eher in der Rolle des Statisten aufgefallen, und das ist noch euphemistisch formuliert. Diesmal allerdings griff er sich mit dem Ball auch gleich eine Hauptrolle im Achtelfinale der Niederländer gegen Mexiko.

Nachdem Arjen Robben in der vierten Minute der Nachspielzeit im Strafraum gefoult worden war, trat Huntelaar also zum Elfmeter an, und die Anhänger seines Arbeitgebers FC Schalke 04 dürften womöglich schon geflachst haben, weil Huntelaar in der abgelaufenen Bundesliga-Saison zwei von zwei Elfmetern vergeben hatte. In der Nachmittagshitze von Fortaleza zeigte er allerdings keine Nerven und sicherte seinem Land mit einem Schuss in die linke untere Ecke einen 2:1(0:0)-Sieg, der zugleich das Erreichen des Viertelfinals bedeutete.

"Die Spieler haben gezeigt, dass sie bis zum Schluss den Glauben hatten. Sonst schaffst Du das nicht“, sagte Trainer Louis van Gaal. Und Siegtorschütze Huntelaar jubelte: "Das ist es, worauf du wartest. Da träumst du von, wenn du so spät noch reinkommst. Dass es dann noch klappt, ist einfach fantastisch. Arjen hatte den Ball erst und fragte, ob ich ihn schießen will. Und dann hatte ich ihn. Es war ein purer Adrenalinkick. Die beste Droge, die es gibt",

"Bei einer WM läuft es immer gegen Mexiko", sagte Trainer Herrera

Für Mexiko setzte sich dagegen ein Trauma fort: Die Südamerikaner durften sich lange Zeit berechtige Hoffnungen auf den ersten Viertelfinaleinzug seit 1986 machen, nach einem Tor von Giovani Dos Santos zu Beginn der zweiten Halbzeit führten sie bis in die Schlussphase hinein, in der das Spiel eine bis dahin nicht vorhersehbare und ebenso irrwitzige Wende erlebte. "Das Ergebnis ist ungerecht. Bei einer WM läuft es immer gegen Mexiko", sagte Trainer Miguel Herrera. "Bei den vier Spielen, die wir hatten, war der Schiedsrichter dreimal eine Katastrophe".

Wie glücklich der Sieg der Niederländer schließlich geriet, ließ sich auch an der Reaktion von van Gaal erkennen: Nach dem Schlusspfiff stürmte der Coach dermaßen energisch aufs Feld, als hätte sein Team bereits das Endspiel gewonnen. Van Gaal wusste genau: diese Nummer, sie hätte auch gewaltig schiefgehen können. Beziehungsweise: War sie ja auch, zumindest 88 Minuten.

Mexiko verliert das sechste WM-Achtelfinale nacheinander

Van Gaal hatte zunächst eine extrem defensiv ausgerichtete Mannschaft aufs Feld geschickt. Sein Team überließ dem Gegner in der ersten halben Stunde weite Teile des Feldes und suchte den Zweikampf zumeist erst dann, wenn die Mexikaner ihrerseits die Mittellinie überquerten. Van Gaals Intention dahinter war klar: seine Auswahl lauerte auf Ballverluste, um das überfallartige Umschaltspiel praktizieren zu können, mit dem sich die Niederländer das Gütesiegel der offensivstärksten Mannschaft nach der Gruppenphase verdient hatten.

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Allerdings ging der Plan so gar nicht auf, Mexiko besaß in der ersten Halbzeit die wesentlich besseren Gelegenheiten. Nach einer guten Viertelstunde verzog Hector Herrera aus aussichtsreicher Position, sein Schuss landete knapp links neben dem Tor. Wenig später offenbarte Jasper Cillessen im niederländischen Tor Probleme mit einem Distanzschuss von Carlos Salcido, den er erst im Nachfassen klärte. Kurz vor der Pause wurde es dann noch einmal hektisch in einem Spiel, das bis dahin in etwa den Spannungsfaktor von trocknender Farbe besessen hatte. Zunächst rettete Cillessen mit einem starken Reflex gegen Giovani dos Santos, der nach einer feinen Kombination aus spitzem Winkel draufgehalten hatte.

Klaas-Jan Huntelaar hatte in der Bundesliga zuletzt zwei Elfmeter verschossen

Auf der Gegenseite unterlief den Mexikanern ein schlimmer Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, in dessen Folge Robin van Persie und Arjen Robben aufs Tor zustürmten. Allerdings konnten die niederländischen Angreifer die Überzahlsituation auch deshalb nicht erfolgbringend ausspielen, weil Robben im Strafraum regelwidrig von den Beinen geholt wurde und Schiedsrichter Pedro Proenca den fälligen Elfmeterpfiff verweigerte. Zur Verteidigung des Portugiesen ist jedoch einzubringen, dass er es später in der Nachspielzeit durchaus wohlwollend mit Robben meinte: der Flügelspieler war im Strafraum zwar zweifelsfrei von Mexikos Abwehrchef Rafael Marquez getroffen worden, aber ebenso theatralisch gefallen.

Nach der Pause sah es zunächst so aus, als würden die Niederländer bestraft werden für ihre passive Grundausrichtung. Nach einer Direktabnahme von Giovani Dos Santos aus 20 Metern Torentfernung war Keeper Cillessen dem Ball vergeblich hinterhergeflogen, eine Überraschung deutete sich an. In der Schlussphase erhöhten die Niederländer aber noch einmal merklich den Druck – mit Erfolg. Nach einem Eckball in der 88. Minute landete ein wenig souverän geklärter Kopfball vor den Füßen Wesley Snejder, und der Mittelfeldspieler wuchtete ihn von der Strafraumgrenze zum 1:1-Ausgleich ins Tor.

Als wenig später die Verlängerung nahte, setzte Robben noch einmal zu einem Dribbling im Strafraum an und provozierte den erfahrenen mexikanischen Kapitän Marquez zu einem wenig cleveren Foul. Dann nahm sich Huntelaar den Ball und traf zum 2:1. Jetzt darf der Schalker Stürmer mit einer Statistik hausieren gehen, die seine jüngste Elfmeterschwäche kaschiert: Huntelaar hat bei Weltmeisterschaften bislang zwei Torschüsse abgegeben – und zwei Mal getroffen. (mit dpa)

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