WM 2014 - Traum-Halbfinale gegen Deutschland : Brasilien besiegt Kolumbien 2:1 aber verliert Neymar

Die Abwehrspieler Thiago Silva und David Luiz schießen Brasilien im Viertelfinale gegen Kolumbien zum Sieg. Damit kommt es nun am kommenden Dienstag zum großen Halbfinal-Duell gegen die deutsche Mannschaft. Allerdings muss der WM-Gastgeber auf Superstar Neymar verzichten.

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Schuss ins Halbfinale. David Luiz (vorn, 4) jagt diesen Ball per Freistoß oben rechts in den Torwinkel.
Schuss ins Halbfinale. David Luiz (vorn, 4) jagt diesen Ball per Freistoß oben rechts in den Torwinkel.Foto: Reuters

Thiago Silva dürfte sich schwarz ärgern, wenn er sich diese Szene noch einmal anschaut. 65 Minuten waren im zweiten WM-Viertelfinale des Turniers gespielt, als der brasilianische Abwehrchef Kolumbiens Torhüter David Ospina in die Seite lief, um einen schnellen Abschlag zu unterbinden. Was auf den ersten Blick zumindest naiv war, stellte sich alsbald als folgenschwer heraus. Als nämlich Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo die Gelbe Karte zog. Für Thiago Silva, den Kapitän des Gastgebers, war es die zweite Verwarnung im Turnier, was bekanntlich eine Sperre im nächsten Spiel, dem Halbfinale gegen Deutschland am kommenden Dienstag, nach sich zieht.

"Die Sache mit der Gelben Karte war etwas Dummes", sagte Silva später. Und David Luiz meinte: "Ich muss beiden Mannschaften zu einem großartigen Spiel gratulieren. Kolumbien hat eine große WM gespielt und heute schönen Fußball gezeigt. Jetzt gibt es ein großes Duell mit Deutschland. Ich hoffe, dass wir auf diesem Niveau spielen können, weil es eine ganz schwierige Partie wird."

Thiago Silva wird also nicht dabei sein, wenn es um die Rückkehr ins Maracana und damit verbunden den Endspieleinzug geht. Das hatte deshalb einen gewissen tragischen Wert, weil er sein Land mit einem Tor in die richtige Richtung gebracht hatte, Richtung Finale nämlich, und das bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Nach vier Minuten machte sich Superstar Neymar auf den Weg zur Eckfahne und schlug eine Flanke in den Strafraum, die zunächst an Freund und Feind vorbeisegelte und schließlich am zweiten Pfosten landete, wo Silva den Ball zum 1:0 über die Linie drückte.

Brasiliens Kapitän Thiago Silva traf erst und sah dann eine Gelbe Karte mit Folgen

Ein Freistoßtor von David Luiz, dem Kollegen Silvas in der Innenverteidigung, Mitte der zweiten Halbzeit räumte schließlich die letzten Zweifel über den Ausgang der Begegnung aus, wenngleich Kolumbien in der Schlussphase noch einmal hatte verkürzen können. James Rodriguez brach die oberste Elfmeterweisheit, wonach der Gefoulte den Strafstoß bitteschön nicht selbst zu schießen hat. Der sechste Turniertreffer des Shootingstars hatte am Ende aber nur noch statistischen Wert, womöglich reicht er ja immerhin noch für die Torjägerkrone.

Nach dem 2:1-Sieg über bis dahin überraschend starke Kolumbianer steht Brasiliens populärste Auswahl zum ersten Mal seit dem Titelgewinn 2002 in Japan und Südkorea wieder in einem Weltmeisterschafts-Halbfinale. 2006 gegen Frankreich und 2010 gegen die Niederlande war die Seleçao jeweils im Viertelfinale ausgeschieden.

Luiz Felipe Scolari hatte seine Startformation auf einer Position verändert, die vor dem Turnier als gesichert galt: auf der des Rechtsverteidigers. Für den zuletzt formschwachen Dani Alves entschied sich der brasilianische Coach für einen Veteran, der besagten Posten bereits bei den letzten beiden Kontinentalturnieren belegt hatte: Maicon.

James Rodriguez schießt sein sechstes WM-Tor - weint aber nach dem Abpfiff bitterlich

Überhaupt war Scolari unter spielerischen Aspekten nicht zufrieden gewesen mit den bisweilen rumpeligen Auftritten seiner Elf in den ersten vier Begegnungen, das hatte er vor dem Spiel öffentlichkeitswirksam kundgetan. Bei aller Orientierung auf das Resultat dürfe es doch ein wenig mehr Ästhetik sein, lautete die zentrale Forderung. Abgesehen von einer feinen Kombination zwischen Oscar und Hulk nach knapp 20 Minuten war der Wunsch von Scolari und Millionen Landesleuten allerdings Vater des Gedanken. Im Regelfall wurde es meist wie beim 1:0 bei Standardsituationen gefährlich. Die ganz große Last war damit zwar abgefallen vom WM-Gastgeber, tatsächlich entkrampften die Brasilianer aber nur bedingt. Symbolisch für die Bemühungen der Brasilianer stand Angreifer Hulk. Mit der Geschmeidigkeit einer Planierraupe erarbeitete sich Hulk zwar einige gute Gelegenheiten, im Abschluss blieb ihm aber ein Erfolg verwehrt.

Kurz vor Schluss musste Neymar nach einem Foul vom Platz getragen werden

Erstaunlich war in jedem Fall, wie die Kolumbianer nach der vermeintlich vorentscheidenden Treffer durch David Luiz noch einmal Spannung ins Spiel brachten. Nach einem wegen einer Abseitsstellung nicht gegebenen Treffer beflügelte James’ Elfmetertor die Mannschaft des argentinischen Trainers José Pekerman noch einmal.

Nicht weniger leidvoll als die Schlussphase war für viele Brasilianer eine andere Personalie: Neymar natürlich. Nach einem Foul kurz vor Schluss musste der Hoffnungsträger der Nation mit einer Trage vom Platz gebracht werden, und die Ferndiagnose der Hobbymediziner ließ auf den ersten Blick nichts Gutes erahnen. Die Diagnose: Wirbelbruch. Neymar kann bei der WM nicht mehr spielen.

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