WM 2014 : Wenn die Nationalhymne durch das ganze Stadion hallt

Unser Kolumnist Cacau genießt es, wenn die brasilianische Mannschaft mit ihren Fans laut die Nationalhymne singt. Auch in Deutschland wünscht er sich einen solchen Nationalstolz. Die Zeit dafür sei reif.

Fan in Brasilien.
Fan in Brasilien.Foto: Reuters

Natürlich wäre ich am liebsten als deutscher Nationalspieler bei der WM in meinem Geburtsland dabei, aber es ist alles anders gekommen, und ich hadere keinen Augenblick mehr damit. Ich genieße die Spiele als Fan – vor dem Fernseher oder im Stadion, wie die beiden ersten Partien der brasilianischen Nationalmannschaft. Schon vor Anpfiff lief mir da ein Schauer über den Rücken, aber nicht wegen der bevorstehenden Partien. Als das ganze Stadion – oder fast das ganze – das Ende der Musik bei der brasilianischen Nationalhymne einfach ignorierte und auch noch die zweite und dritte Strophe sang, die Spieler unten auf dem Rasen ebenfalls und auch ich auf der Tribüne, hatte ich eine richtige Gänsehaut.

Zum ersten Mal war dies vor einem Jahr beim Confederations Cup passiert. Die Spieler der Seleçao hatten nach dem Halbfinale gegen Mexiko gesagt, sie hätten niemals so eine Leidenschaft im Volk, so einen Schulterschluss mit den Fans verspürt. Der brasilianische A-cappella-Auftritt ist offenbar ansteckend, jedenfalls singen nun auch andere südamerikanische Mannschaften mit ihren Anhängern alle Strophen ihrer Hymnen.

Zeit ist reif für einen Wandel

Es hat sicher mit Temperament zu tun, aber noch mehr mit Nationalstolz. Schade, dass dieses Wort in Deutschland noch immer ein bisschen negativ besetzt ist. Aber ich bin froh, dass ein Wandel stattfindet, denn die Zeit ist längst reif dafür. Seit der WM 2006 zeigen auch die Deutschen wieder gerne Flagge, egal, ob im Garten, an den Fenstern oder am Auto – und der Rest der Welt findet das in Ordnung. Ich wünsche mir, dass meine neue Heimat noch ein bisschen freier wird – und vielleicht auch einmal voller Inbrunst „Einigkeit und Recht und Freiheit“ in den Stadien anstimmt.

Dass ich den Text der deutschen Hymne kenne und früher als Spieler des DFB-Teams immer mitgesungen habe, wurde oft herausgestellt. Für mich war das jedoch selbstverständlich. Nicht einmal bei meinem emotionalsten Länderspiel im August 2011 gegen Brasilien zögerte ich einen Moment, die deutsche Nationalhymne mitzusingen. Wobei ich zugebe, dass es mir schwerfiel, Gleiches nicht auch bei der brasilianischen zu tun.

Klinsmann will beide Hymnen singen

Es war immer wieder ein sehr bewegender Moment, wenn die Hymne im Stadion erklang und ich unten auf dem Rasen stand. Die deutschen Spieler legen dann wie viele Nationen die Arme um die Schultern des anderen. In diesem Moment empfindet man ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit, das sich dann oft auch in die Partie überträgt. Selbst bei der WM singe ich die deutsche Hymne mit. Und sollte es bei diesem Turnier zu einem Duell Deutschland gegen Brasilien kommen, würde es mir ergehen wie dem Trainer der USA, Jürgen Klinsmann. Der hat angekündigt, dass er vor der Partie gegen sein Heimatland beide Hymnen singen wird.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben