WM 2014 - WM-Kolumne : Brasilianische Gastfreundschaft allerorten

Unser WM-Kolumnist beobachtet in Brasilien einen besonders große Gastfreundschaft. Selbst die Fußballerzfeinde aus Argentinien sind willkommen. Es ist alles möglich bei dieser WM.

Cacau
Alle sind willkommen in Brasilien. Dafür sorgen auch die brasilianischen Fans. Foto: dpa
Alle sind willkommen in Brasilien. Dafür sorgen auch die brasilianischen Fans.Foto: dpa

Brasilianer heißen argentinische Fußballfans nicht besonders willkommen. Auch vor der WM hat man sich von Porto Alegre bis Fortaleza vermutlich am wenigsten auf die Anhänger der Albiceleste gefreut. Denn im Fußball herrscht seit Jahrzehnten eine riesige Rivalität zwischen den beiden Nationen. Aber dann passierte Erstaunliches. Brasilianer empfingen die Argentinier nicht nur freundlich, sondern sie feierten mit dem Nachbarn in der Vorrunde sogar auf den Straßen. Ein Bild, das ich so nicht kenne. In diesen Tagen ist eben alles möglich.

Brasilien zeigt sich – mit Ausnahme der Ereignisse rund um die Demonstrationen – von seiner besten Seite. Ein Freund reiste mit einer sechsköpfigen deutschen Reisegruppe in den letzten beiden Wochen durch das WM-Land. Überall wurden sie freundlich empfangen. Trotz der Sprachprobleme – man muss sogar in den Großstädten Glück haben, wenn man jemand trifft, der ein paar Worte Englisch kann – versuchen die Brasilianer, mit Touristen und Fußballfans ins Gespräch zu kommen. Bei meinem Besuch der deutschen Mannschaft im Campo Bahia schwärmten Betreuer von der Gastfreundschaft, die sie bisher sowohl rund um das Teamhotel als auch an jedem Spielort genossen haben.

Claudemir Jerônimo Barreto, besser bekannt als Cacau. Foto: dpa
Claudemir Jerônimo Barreto, besser bekannt als Cacau.Foto: dpa

Mehrere Städte haben eine Art Patenschaft für eine der 32 Nationalmannschaften übernommen. Mein Heimatort Mogi das Cruzes zum Beispiel „adoptierte“ Belgien für die Zeit der WM. Das ist überall in der Stadt zu sehen, nicht nur im etwas außerhalb gelegenen Quartier Paradise Golf & Lake Resort. Die Menschen freuten sich deshalb vielleicht ganz besonders über die Erfolge der Mannschaft von Trainer Marc Wilmots in der Vorrunde, mehr als über die jeder anderen – außer natürlich der Seleçao. Das Konsulat hat Bilder mit belgischen Motiven für eine Ausstellung während der WM in einem Shoppingcenter am Rande der Innenstadt zur Verfügung gestellt.

Wie bei den beiden Weltmeisterschaften, die ich zuvor live erlebt habe – 2006 als Fußball-Interessierter und 2010 als deutscher Nationalspieler –, schafft es der Gastgeber auch dieses Mal, sein Image ein bisschen zu korrigieren und Vorurteile abzubauen.

Was wäre die WM ohne ihre Fans?
Drei argentinische Götter: Maradona, Messi und der Papst. Ob es dem Star der Argentinier gelingt, sie zum Titel zu führen wie einst Diego Maradona? Den Segen von Papst Francisco hat er sicher. Foto: ReutersWeitere Bilder anzeigen
1 von 69Foto: dpa
02.07.2014 14:11Drei argentinische Götter: Maradona, Messi und der Papst. Ob es dem Star der Argentinier gelingt, sie zum Titel zu führen wie...

Deutschland zeigte sich vor acht Jahren als weltoffenes, lockeres Partyvolk. Südafrika bewies, dass es in der Lage ist, gut zu organisieren und präsentierte sich als stolzes Land jenseits von Armut und Leid.

Die Besucher stellen in diesen Wochen fest, dass das Bild, das vor der WM von Brasilien gezeichnet wurde, nicht ganz der Realität entsprach. Natürlich ist die Kriminalität ein Problem in unserem Land ebenso wie Armut, aber deshalb lauern nicht an jeder Ecke Gefahren. Die meisten Brasilianer sind freundlich, offen und hilfsbereit – damit die Touristen nach der WM mit einem guten Gefühl und vielen schönen Eindrücken nach Hause fahren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben