WM 2014 : Wo ist die Liebe zum Fußball?

Unsere Kolumnistin Monica Lierhaus wünscht sich das Ausraster a la Luis Suarez der WM-Geschichte angehören und die Stadien bei allen Spielen bis auf den letzten Platz ausverkauft und gefüllt sind.

Monica Lierhaus
Monica Lierhaus wechselt sich für unsere WM-Kolumne mit Lucien Favre, Frank Lüdecke, Philipp Köster und Cacau ab.
Monica Lierhaus wechselt sich für unsere WM-Kolumne mit Lucien Favre, Frank Lüdecke, Philipp Köster und Cacau ab.Foto: Sky

Ich bin mir gar nicht sicher, ob es mir bei anderen Turnieren nicht so aufgefallen ist, aber haben Sie sich nicht auch gewundert, warum bei den Spielen der Gruppenphase so auffällig viele Plätze frei geblieben sind? Es ist eine Folge der Vermarktungspolitik der Fifa. Große Kontingente werden über Sponsoren vergeben, die die Tickets dann an offenbar satte Mitarbeiter und Partner geben, für die es nichts Besonderes mehr ist, ein WM-Spiel live im Stadion zu erleben. Da ist ein Fehler im System. Millionen von echten Fans würden sich über jede Karte freuen. Ein Korruptionsskandal nach dem anderen erschüttert den Fußball-Weltverband und zur Bekämpfung des Ganzen verdoppeln sich die Mitglieder anscheinend ihre Aufwandsentschädigung. Auch da ist ein Fehler im System. Wolfgang Niersbach habe ich im Interview gefragt, ob er glaube, dass die Fifa überhaupt reformierbar ist?

Er sagt ja. Niersbach setzt auf die Arbeit der Ethikkommission und die nächste Generation in der Fifa um den Generalsekretär Jerome Valcke. Schön wäre es, aber ich habe meine Zweifel. Die ganze Welt ist im Fußballfieber, aber bei der Fifa spüre ich einfach keine Liebe zu dieser Sportart.

Diese Liebe hat der Superstar Uruguays Luis Suarez in dieser Woche auch komplett vermissen lassen und wurde für seinen Biss in die Schulter des Italieners Chiellini von der Disziplinarkommission der Fifa von der WM ausgeschlossen und lange gesperrt. Ein Wiederholungstäter. Und eine auch in dieser Höhe richtige Entscheidung der Fifa.

Gegen Kolumbien ist Uruguay kein Favorit mehr

Der uruguayische Politiker Ney Castillo sieht das anders. „Suarez hat sich falsch verhalten. Aber wenn die Fifa auch gegen sich selbst so streng wäre wie gegen Luis, bliebe niemand in seinem Amt.“ Ob Sepp Blatter, der mit 78 Jahren noch mal für die Fifa-Präsidentschaft kandidieren will, das gelesen hat, ist nicht übermittelt.

Uruguay startet auf jeden Fall ohne Suarez in die K.o.-Phase. Gegen Kolumbien sind sie für mich, ohne ihren torgefährlichsten Spieler, kein Favorit mehr. Und Brasilien? Die müssen sich gegen Chile, die vierten Südamerikaner der ersten beiden Achtelfinalpaarungen, mit Sicherheit steigern, wenn nicht die Mission Titelgewinn im eigenen Land schon heute am frühen Abend vorüber sein soll.

Die K.o.-Phase ist das absolut Beste an einer WM. Jetzt kommen 16 Thriller auf uns zu, wo der Fußball alles zeigt, was wir an ihm so lieben, bis zum Elfmeterschießen. Sieger und Verlierer. Tränen und Freudentaumel in jedem Spiel. Ich wünsche mir, dass uns ab jetzt der Sport wieder verzaubert, die Sportpolitik in die Sommerpause geht, Ausraster a la Suarez der WM-Geschichte angehören und die Stadien bei allen Spielen bis auf den letzten Platz ausverkauft und gefüllt sind.

Monica Lierhaus berichtet für Sky über die WM in Brasilien.

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