WM 2022 in Katar : Wende in der Wüste

Man kann gar nicht oft genug an den beispiellosen Sportskandal erinnern, der am 2. Dezember 2010 stattgefunden hat: die Vergabe der Fußball-WM 2022 nach Katar. Nun soll sie im Winter stattfinden. Ein Kommentar.

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Wann denn? Über den Zeitpunkt der WM 2022 herrscht Unklarheit.
Wann denn? Über den Zeitpunkt der WM 2022 herrscht Unklarheit.Foto: dpa

Josef Blatter, Chef des Weltfußballverbandes, hat am Mittwoch erneut unfreiwillig darauf hingewiesen, welche Wahlfarce damals veranstaltet worden ist. Man habe bei der Vergabe an Katar „die Problematik nicht richtig angeschaut“, sagte er. Soll heißen: Erst jetzt fällt ihm auf, dass ein Turnier im Sommer in Katar für die Fußballprofis gesundheitsgefährdend heiß werden könnte. Weshalb er nach dreijährigem Zögern von den Katarern plötzlich die Austragung der WM im Winter fordert. Es sei ja noch genügend Zeit, das vorzubereiten, sagt Blatter.

Angesichts dieser Kehrtwende und immer zahlreicher werdenden Korruptionsvorwürfen rund um die Vergabe, ist aber auch noch genügend Zeit für eine weitere Wendung: Die WM muss neu vergeben werden. Möglicherweise steckt dieses Bestreben sogar hinter Blatters neuer Politik. Zumal die Winterlösung ebenfalls eine Problematik aufwirft. Die europäischen Verbände müssten ihren Spielplan komplett umkrempeln. Und was sagt das Internationale Olympische Komitee dazu, das im Februar 2022 Olympische Winterspiele durchführen will? Nein, eine neue WM-Vergabe erscheint inzwischen als vernünftigste Lösung.

Diese hätte nur noch einen Haken: Was passiert mit den riesigen offiziellen und inoffiziellen Zuwendungen, die im Rahmen der WM-Vergabe geflossen sind? Sollten die Katarer alles zurückfordern, hätte Blatter die nächste Problematik.

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