WM-Aus : Drama um Cissé schockt Frankreich

Es sollte ein rauschendes Abschiedsfest für Zinedine Zidane werden und endete in einem Waterloo für Djibril Cissé.

St. Etienne/Hameln - Der Wadenbeinbruch und der WM-K.o. des 24 Jahre alten Stürmers vom FC Liverpool, der noch am Abend in St. Etienne operiert wurde, schockte Frankreich und überschattete die verdorbene Generalprobe der «Equipe Tricolore» am Vorabend des Abflugs zur Fußball-Weltmeisterschaft. Beim glücklichen 3:1-Sieg über China stimmte nur das Ergebnis. Auch Frankreichs Präsident Jacques Chirac war auf der Ehrentribüne das Lachen vergangen.

«Cissé, das Drama», titelte «Le Parisien» nach dem Sieg «mit bitterem Beigeschmack für die Blauen». «France Soir» schrieb von einem «echten Albtraum für Trainer Raymond Domenech», und die Sportzeitung «L'Equipe» schrieb unter der Schlagzeile «Unter Schmerzen»: «Cissé ist verflucht. Sein Beinbruch war die dramatische Spitze eines eher verpassten Spiels. Ein Abend, der weh tut.»

Trainer Domenech, der den Pechvogel ihm Krankenhaus besuchte, und Cissés Mitspielern stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben. «Wir sind am Boden zerstört und alle geschockt», sagte Domenech. Bayern- Verteidiger Willy Sagnol liegt nicht nur der Verlust des Fußballers Cissé schwer im Magen: «Wir hatten noch nie einen so großen Zusammenhalt. Ein Freund ist uns genommen worden», sagte er.

Für Cissé greift Frankreich nun auf Sidney Govou vom Meister Olympique Lyon zurück. Diese Nachnominierung durch Trainer Raymond Domenech gab der Pressesprecher der «Bleus» am Donnerstag in St. Etienne bekannt. Der 26-jährige Stürmer Govou hat bisher 19 Mal das Trikot der französischen Nationalmannschaft getragen.

Erinnerungen an Debakel von 2002

Das Malheur von Cissé, mit vier Treffern bester Torschütze der «Blauen» in der WM-Qualifikation, ließ Erinnerungen wach werden an das WM-Debakel 2002. Dort erwischte es beim letzten Test gegen Gastgeber Südkorea Zidane, der sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zuzog und in den beiden ersten Spielen gegen Senegal (0:1) und Uruguay (0:0) fehlte. Es war der Anfang vom unrühmlichen Ende für den nach dem 0:2 gegen Dänemark sieg- und torlos abgereisten Weltmeister von 1998.

Zidane ist immer noch der Hoffnungsträger. Bei seinem letzten Auftritt in Frankreich spielte das fast 34 Jahre alte Fußball-Genie erstmals wieder 90 Minuten durch, zeigte aber nur ansatzweise sein Können. Sein verschossener Foulelfmeter (14.) nach einem Ausrutscher war wie ein Symbol. Frustriert drosch «Zizou» nach dem Schlusspfiff den Ball auf die Tribüne.

Während Zidanes Stern mehr und mehr verblasst, könnte der seines möglichen Nachfolgers bei der WM aufgehen: Franck Ribéry. Der von den Fans mit Sprechchören geforderte Mittelfeldspieler von Olympique Marseille sorgte wie schon gegen Mexiko (1:0) und Dänemark (2:0) für frischen Wind. Bei drei Kurzeinsätzen von zusammen nicht einmal einer Stunde war der 23-Jährige an drei Toren beteiligt. Er «zwang» Chinas Yun Wang (90.) zum Eigentor und war Wegbereiter des 33. Länderspieltors von Thierry Henry in der Nachspielzeit. Cissé-Ersatz David Trezeguet (30.) hatte mit seinem 32. Tor im Nationaldress für die 1:0-Führung gesorgt, die Chinas Kapitän Zhi Zheng (69.) per Foulelfmeter egalisierte. (Von Reinhard Schwarz, dpa)

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