• WM-ENTSCHEIDUNG IN DER FORMEL 1 FÄLLT ERST IN JAPAN: Silberpfeil-Perfektion versteinert Schumachers Gesicht

Sport : WM-ENTSCHEIDUNG IN DER FORMEL 1 FÄLLT ERST IN JAPAN: Silberpfeil-Perfektion versteinert Schumachers Gesicht

HARTMUT MOHEIT

NÜRBURGRING .Erst auf dem anspruchsvollen Kurs in einem riesigen Freizeitpark im japanischen Suzuka wird am 1.November der Formel-1-Weltmeister 1998 gekürt.Durch seinen Sieg beim Großen Preis von Luxemburg auf dem Nürburgring, dem siebenten Erfolg im 15.Saisonrennen, gilt der Finne Mika Häkkinen (McLaren-Mercedes) seit gestern wieder als der Top-Favorit.Im Kampf um die Krone büßte Häkkinens Hauptkontrahent Michael Schumacher (Ferrari) durch den zweiten Rang in der Eifel vier Punkte ein.Einen Tag vor seinem 30.Geburtstag erhöhte Häkkinen sein Punktekonto auf 90, während der Deutsche nunmehr über 86 Zähler verfügt.Weiterhin Dritter in der WM-Wertung der Formel 1 ist der Schotte David Coulthard (McLaren-Mercedes/52), der genau diesen Rang auch im gestrigen Rennen vor Eddie Irvine (Ferrari), Heinz-Harald Frentzen (Williams-Mecachrome) und dem Italiener Giancarlo Fisichella (Benetton-Playlife) belegte.

"In meiner etwas komplizierten Situation ist dieser Sieg natürlich ein Super-Ding", schwärmte danach ein wie immer etwas unterkühlt reagierender Häkkinen, der aber nicht vergaß, das faire Verhalten von Eddie Irvine beim das Rennen mitentscheidenden Überholvorgang zu erwähnen.Mercedes-Sportchef Norbert Haug sprach von einer "wichtigen Antwort auf die Ferrari-Erfolge zuletzt." Tatsächlich war die Vorstellung der "Silberpfeile" von einer Perfektion geprägt, die man bei diesem Team zuletzt nicht mehr erlebt hatte.Dabei lief in dem Rennen über 67 Runden und insgesamt 305,252 Kilometer zunächst alles gegen McLaren-Mercedes.

Mit der grünen Startampel bauten die "Roten aus Maranello" eine Mauer auf, die zunächst als unüberwindlich erschien.Irvine führte anfangs, ließ dann aber erwartungsgemäß seinen Teamkollegen Schumacher zum Ende der ersten Runde vorbei und übernahm dann die Rolle des "Bremsklotzes" gegenüber Häkkinen.So konnte der zweimalige deutsche Weltmeister bis zur 13.Runde bis auf 7,7 Sekunden davonziehen.Häkkinen riskierte Kopf und Kragen, kam aber nicht an Irvine vorbei.Beim zweiten Anlauf im Veedol-S gelang ihm dieser Coup, dem sich eine unglaubliche Aufholjagd anschloß."Ich hätte mir schon gewünscht, daß dies später passiert wäre", meinte ein tief enttäuschter Michael Schumacher, der nach eigener Aussage den ersten Boxenstopp als den Kulminationspunkt einschätzte.Während er selbst in der 24.Runde nach einem Halt von 8,6 Sekunden wieder starten konnte, baute Häkkinen seine Vorsprung auf 19,3 Sekunden aus.In der 28.Runde holte sich der Finne neue Reifen und Benzin ab und kam um 0,7 Sekunden vor dem Ferrari mit der Nummer drei wieder auf die Strecke zurück.

"Danach hatte ich eigentlich keine Chance mehr, das Rennen noch zu gewinnen.Natürlich bin ich enttäuscht, denn wir alle haben bei Ferrari mit einem Sieg in diesem Rennen gerechnet", sagte Schumacher mit nahezu versteinertem Gesichtsausdruck.Im Stile eines absoluten Klassefahrers, der jeglichem Druck standhalten kann, spulte Häkkinen in der Folgezeit vor 140 000 Zuschauern sein Rundenprogramm ab.Auch beim zweiten Boxenstopp in der 48.Runde leistete sein Team den schnelleren und besseren Job.So wurde es nie mehr brenzlig für McLaren-Mercedes.Nach dem nicht sehr glücklich verlaufenen Training hatte sich dieser Aufschwung bereits beim Warm-up am Vormittag mit Spitzenzeiten und einer sehr guten Balance der Autos angekündigt.Hinzu kam die absolute Zuverlässigkeit der McLaren-Mercedes-Wagen an diesem Tag.Ein Zähler fählt der britisch-deutsche Liaison nur noch, um auch den Gewinn der Konstrukteurs-WM feiern zu können.

Während das keineswegs langweilige Renngeschehen hinter den "Roten" und den "Silbernen" danach kaum noch Beachtung fand, kündigte ein in Gedanken versunkener Schumacher noch einen "Kampf bis zur letzten Rennsekunde" in Japan an.Vier Wochen haben beide Teams Zeit, das letzte Quentchen aus ihren Boliden herauszuholen.Mika Häkkinen kann sich nunmehr einen zweiten Platz hinter Michael Schumacher leisten, um neuer Champion zu werden.Zweifellos ist das beim großen Finale ein unschätzbarer Vorteil.

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