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Heute: Die Niederlande

Heute: Die Niederlande

Bereits im 16. Jahrhundert wurde „Het Wilhelmus“ gesungen, mit dem Text und der Melodie von heute. Damit gilt es als älteste Hymne überhaupt. Und sie ist wohl die einzige in Ich-Form. Der Sprecher stellt sich nicht nur in der ersten Zeile vor, er wird auch durch die Anfangsbuchstaben der 15 Strophen bezeichnet: „Willem van Nazzov“. Gewöhnlich beschränkt man sich auf die erste Strophe:

„Wilhelm von Nassau /

bin ich, von deutschem Blut, /

dem Vaterland getreu /

bleib' ich bis in den Tod. /

Ein Prinz von Oranien /

bin ich, frei und furchtlos, /

den König von Spanien /

hab' ich allzeit geehrt.“

Von deutschem Blut? „Duyts“ drückt einen Gegensatz zu „romanisch“ aus und umfasst beides, niederländisch und deutsch. Das moderne niederländische „Duits“ wurde später auf „deutsch“ vereindeutigt. Aber auch in diesem engeren Sinne wäre der erste Vers der Hymne korrekt, denn der Stammvater des heutigen holländischen Königshauses Oranien-Nassau war ein „mof“ (Schimpfwort für die Deutschen) aus Dillenburg im heutigen Hessen.

Die letzten beiden Zeilen deuten einen Loyalitätskonflikt an. Der Vater des Vaterlandes, wie man ihn später nennen wird, musste nach dem Beginn des Achtzigjährigen Krieges 1568 aus den Niederlanden fliehen. 1972 kehrte er als Statthalter der von Spanien abtrünnigen Provinzen und damit als Führer des Widerstands zurück. Im Hymnentext, der zwischen beiden Ereignissen entstand, versichert er sich also nach beiden Seiten, Vaterland und König von Spanien. Die Unabhängigkeit der Niederlande indes sollte erst 1648 im Westfälischen Frieden festgeschrieben werden.

Bei festlichen Anlässen wird übrigens auch die sechste Strophe der Hymne gesungen, deretwegen das Lied unter deutscher Besatzung verboten war. Hier heißt es: „Die Tyrannei vertreiben, die mir mein Herz verwund’t.“ TF

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